interaktiv

Was tun nach dem Abi?

Kennt ihr das?

Autor:
Nele

Rubrik:
orientieren

03.07.2013

Ihr seht im Supermarkt eine Frau, die sich mit ihren Einkaufstüten und einem Kinderwagen abmüht. Anstatt ihr eure Hilfe anzubieten, geht ihr an ihr vorbei. Sie wird schon wissen, was sie tut. Wenn sie wirklich Hilfe benötigt, wird sie schon fragen. Ihr wollt nicht aufdringlich sein. An der Kasse steht ein junger Mann hinter euch, der eine Flasche Mineralwasser bezahlen möchte. Ihr überlegt, ob ihr ihn vorlassen sollt, da ihr viel mehr eingekauft habt und der Mann wegen euch erheblich länger warten muss. Weil es niemand anderes macht, macht ihr es im Endeffekt auch nicht. Ihr steigt in den Zug ein, um nach Hause zu fahren. Dort trefft ihr ein paar Freunde und unterhaltet euch über die Schule oder das Studium. Eine Frau bugsiert ihre augenscheinlich schwere Reisetasche in den Zug. An ihrem Gesichtsausdruck sieht man, dass sie müde ist. An der nächsten Haltestelle will sie aussteigen. Ihr überlegt kurz, entscheidet euch allerdings dagegen, ihr zu helfen. Was macht sie auch den Koffer so voll. Zu Hause angekommen, streiten sich eure Eltern mal wieder mit eurem Bruder, der unbedingt Tischler im östlichen Afrika werden will, statt zu studieren und eine erfolgreiche Karriere in Deutschland zu beginnen. Ihr zweifelt an seinem Verstand.

Ein Jahr später steht ihr mit eurem fünf Monate alten Neffen im Supermarkt an der Kasse, der Kleine quengelt, möchte… Ihr wisst nicht, was er möchte. Ihr seid überfordert. Genervte Blicke streifen euch und ihr seid froh, als ihr endlich darin ankommt. Wenige Tage später steht ihr abermals im Supermarkt, ihr habt ein Vorstellungsgespräch, müsst jedoch ganz dringend noch etwas dafür besorgen. Ihr seid spät dran und hofft, dass jemand euch an der Kasse vorlässt, damit ihr noch rechtzeitig kommt. Doch niemand würdigt euch eines Blickes. Selbstverständlich schafft ihr es nicht mehr pünktlich in die Firma. Man erklärt euch, dass unpünktliche Auszubildende nicht zu tolerieren seien und verweigert euch jegliche Möglichkeit, die Verspätung zu erklären. Auf dem Weg zum Zug holt ihr noch einige Bücher für eure Mutter, die ein Fernstudium begonnen hat, in der Stadtbücherei ab. Mehrere Tüten warten auf euch. Im Zug lasst ihr euch in einen Sitz fallen und seid froh, das Gewicht für ein paar Minuten nicht tragen zu müssen. An eurer Haltestelle steigt ihr aus. Eigentlich beschweren sich eure Arme jetzt schon, da die Bücher viel zu schwer sind. Doch ihr kämpft euch nach Hause und ignoriert die desinteressierten Gesichter der anderen Fußgänger.

Ein weiteres Jahr später steigt ihr in ein Flugzeug nach Malaysia.

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