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Was tun nach dem Abi?

Spieglein, Spieglein an der Wand — wer ist die Schönste im ganzen Land?

Autor:
Nele

Rubrik:
orientieren

15.12.2013

Wer kennt es nicht, das alljährliche Ausmisten des Kleiderschranks? Manche veranstalten diesen Aufwand gerne, ich definitiv nicht. Denn ich stehe dann den ganzen Tag vor einem Berg Klamotten, probiere alles an, was mir in die Finger kommt und neige zu schlechter Laune, falls mir irgendetwas nicht mehr passen sollte.

Die ausführlichen, selbstkritischen Betrachtungen meiner Selbst setzen dem Ganzen dann die Krone auf. Ich mache das nicht mit Absicht. Eigentlich dachte ich immer von mir, ich hätte ein riesengroßes Selbstbewusstsein und wäre im Großen und Ganzen auch sehr mit mir zufrieden. Trotzdem fange ich jedes Mal vorm Spiegel an, an mir herumzunörgeln. Ich suche regelrecht nach „Fehlern“.

Nachdem mir dieses Verhaltensmuster bewusst geworden war, habe ich beschlossen, mir eine andere Strategie auszudenken. Jedes Mal, wenn ich vor dem Spiegel stehe, versuche ich mir in Gedanken deutlich vorzusagen, was mir an mir gefällt, statt mich selbst kleiner zu machen als ich bin.

Trotzdem kommt doch unweigerlich die Frage auf, warum ich dieses Possenspiel überhaupt veranstalte. Zuallererst fällt mir dazu ein, dass in unserer Gesellschaft viel Wert auf das äußere Erscheinungsbild gelegt wird, weswegen man den anderen automatisch schon vor dem näheren Kennenlernen in gewisse Schubladen steckt. Da dieses Verhalten bei mir jedoch eher weniger ausgeprägt ist, kann das nicht die einzige Ursache sein. Eventuell veranstalte ich so einen Affenzirkus auch, weil mir überall, wo ich gehe und stehe, mithilfe eines Bildbearbeitungsprogramms perfektionierte Menschen entgegenlächeln. Natur zeichnet sich durch Vielfalt aus, weshalb wollen wir dann alle gleich sein? Ich stehe dazu, dass ich manchmal unreine Haut, Augenringe und bestimmt keine Modelmaße habe. Dem Fotomodel aus der Werbung hinterher zu eifern überlasse ich getrost anderen.

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