interaktiv

Zwischen Schule & Beruf

Was tun?

Autor:
Thilo

Rubrik:
orientieren

16.09.2014

Wer ich bin? Ich bin Thilo, 18 Jahre alt, habe in diesem Jahr mein Abitur gemacht und strebe nun ein Medizinstudium an der Carl Ossietzky Universität Oldenburg an. Während ich hier schreibe, vergeht die Zeit, die ich noch warten muss, bis die Bestätigung dafür endlich kommt. Wenn es denn eine Bestätigung ist. Aber ich bin besser mal zuversichtlich, sonst werde ich noch verrückt.

18 Jahre alt und direkt studieren? Ist das nicht ein bisschen langweilig, Thilo? Ja und nein. Ich denke, dass man bei einem Auslandsjahr oder freiwilligem sozialen Jahr tolle Erfahrungen macht, die sehr geschätzt werden. Doch sehe ich die zwölf Semester Studium, die ich vor mir habe, und die darauf folgenden drei Jahre als Assistenzarzt. Darum möchte ich so früh wie möglich beginnen, um nicht erst mit 30 fertig zu sein. Auch habe ich so die Möglichkeit, nach dem Studium ins Ausland zu gehen, um an humanitären Projekten teilzunehmen. Dort kann ich maßgeblich etwas dazu beitragen, da ich dann einfach eine gute Ausbildung habe, die mir hilft, anderen Menschen zu helfen.

Gut. Aber warum denn überhaupt Medizin? Damit verdient man ganz gut, richtig? Wenn es mir darum ginge, Geld zu verdienen, könne ich auch BWL studieren, in die Wirtschaft gehen und nur für die Karriere arbeiten. Dann hätte ich viel Geld und müsste mich keiner psychischen Belastung aussetzen. Aber um das gute Gehalt geht es mir nicht. Wenn ich ehrlich bin, kommt meine Motivation, Arzt zu werden, daher, dass ich während der achten und neunten Klasse sehr viel „Scrubs – die Anfänger“ und „Dr. House“ geguckt habe. Ja, ich weiß, Serien bilden in keiner Weise die Realität ab. Und doch haben sie mich fasziniert. Ich finde die Arbeit mit den und am Patienten spannend, finde wunderbar, wie man als Team selbst die schwierigsten Fälle löst, und wie die Medizin nie aufhört, sich weiterzuentwickeln. Momentan übe ich ein Ehrenamt beim Kinder- und Jugendhospiz in Oldenburg aus, in dem es darum geht, Jugendliche und junge Erwachsene durch Trauerphasen hindurch zu begleiten. Dieses Ehrenamt hat mich nochmal darin bestärkt, Arzt werden zu wollen.

Warum eigentlich Oldenburg? Ich möchte in Oldenburg studieren, weil es quasi um die Ecke ist und ich dann noch eine Zeit lang bei meinen Eltern wohnen bleiben kann, um so den ersten Umbruch meines Lebens nicht zu groß werden zu lassen (Langweiler!). Außerdem finde ich, dass der Studiengang wirklich modern ist, und mich reizt es, für ein Jahr nach Groningen zu gehen, um dort auf Englisch zu studieren und auch noch Niederländisch zu lernen.

Und was machst du sonst so? Seit elf Jahren spiele ich Fußball beim örtlichen Verein, fünf Jahre lang hatte ich Gitarrenunterricht. Zeitweise habe ich sogar in einer Band gespielt, mit der ich den einen oder anderen Auftritt hatte. Sonst ist es das klassische Leben eines Abiturienten, denke ich. Ich habe so viel Freizeit, dass ich nicht weiß, wohin damit. Jeden Tag ist Samstag. Mein Zeitgefühl ist mir völlig abhandengekommen. Dieses Leben in der Luft habe ich auch langsam satt und bin deshalb händeringend auf der Suche nach einem Nebenjob. Mal sehen, wo die Suche schließlich endet. Zur Auswahl stehen ein Pizzalieferdienst, eine Spielothek, ein Restaurant und ein Supermarkt. Ich berichte dann.

Warte, du möchtest Medizin studieren? Das bedeutet ja auch, dass dein Abitur gar nicht so schlecht gewesen sein kann. Bist du so einer, der die ganze Zeit nur lernt und sich für nichts einbringt? Nicht ganz. Während meiner Schulzeit gab es einiges, wofür ich mich engagiert habe. Ich war fünf Jahre lang Mitarbeiter in einer Schülerfirma namens „Brainstorm“, die sich selbst als Marketing-Firma betitelt und jedes Jahr das Jahrbuch der Schule herausbringt. Parallel dazu wurde ich gegen Ende der zehnten Klasse zum Schülersprecher gewählt. In der zwölften Klasse habe ich das Amt dann niedergelegt, um mich voll auf das Abitur zu konzentrieren (Ha! Also doch so einer!). Tja, Pustekuchen. In einem Abiturjahrgang gibt es deutlich mehr zu tun, als man sich vorstellen kann. Organisiert werden mussten Partys, die Abizeitung, der Abigag, die Mottowoche, der Abiball, die Entlassungsfeier und das Finanzkomitee. Ich stand mir selbst im Weg. Ich hätte wohl zu allem „Ja“ gesagt, wenn ich um Hilfe gebeten worden wäre. Glücklicherweise landete ich „nur“ in den Komitees für die Abizeitung, die Finanzen und den Abigag. Arbeit genug war dies trotzdem. Jammerlappen. Ich weiß.

Diesen Artikel teilen