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Was tun nach dem Abi?

Zeit überbrücken - 1

Bereits während meines Praktikums am Wattenmeer plante ich, wie es danach für mich weitergehen sollte. Auch meine Mutter wurde tätig: Sie hatte in unserem Dorf fleißig verbreitet, dass ihr Sohnemann gerne einen Freiwilligendienst in Afrika leisten würde. Und tatsächlich tat sich etwas auf: Anne, eine Dänin, die vor etwa zehn Jahren im Ort gewohnt hatte, lebt mittlerweile in Tansania und führt dort zusammen mit ihrem Mann Brighton eine Grundschule. Über Bekannte erhielt ich Annes E-Mail-Adresse – und ein paar Nachrichten später hatte ich einen Platz! Zwar würde ich für Flug, Visum und Logis selbst aufkommen müssen, aber das ging für mich in Ordnung. Immerhin stand hinter Katempris, der Schule, keine riesige Organisation wie Brot für die Welt, die über reichliche Finanzierungsmöglichkeiten verfügt. Außerdem konnte ich mir auf diese Art die Gebühren für einen Vermittler sparen.
Da meine Freiwilligentätigkeit in Afrika erst Mitte Januar 2018 losgehen sollte und ich Mitte Oktober 2017 mit meinem Praktikum bei der Naturschutzgesellschaft am Wattenmeer fertig war, galt es, die Zeit bestmöglich zu überbrücken.
Zunächst genoss ich es einfach, wieder zuhause in Schwaben zu sein und Zeit mit Menschen zu verbringen, die ich seit dem Abi aufgrund der Distanz zum Wattenmeer nur sehr sporadisch oder gar nicht gesehen hatte. Vor allem mit meinen Kumpels hatte ich einiges nachzuholen. Fast alle hatten inzwischen ein FSJ oder ähnliches angefangen und deswegen die eine oder andere Anekdote zu erzählen. Einer fehlte dabei: Andi, der in London für ein dreiviertel Jahr eine Art Studium light ohne Abschluss an einer englischen Privatuni absolvierte.
Da er Ende Oktober gerade vorlesungsfreie Zeit hatte, besuchten wir ihn. Eine Woche lang schlenderten wir durch die Stadtparks, gingen in Museen, kochten gemeinsam und ließen es uns schlichtweg gutgehen. Mein persönliches Highlight war das Natural History Museum – gefüllt mit allerlei großen und kleinen Tierpräparaten sowie ehemalige Wirkungsstätte von Charles Darwin. Da unser ehemaliger Biolehrer ein großer Fan dieses Mannes ist, schickten wir ihm kurzerhand eine Postkarte.

Autor: Hannes  |  Rubrik: orientieren  |  Apr 4, 2018
Autor: Hannes
Rubrik: orientieren
Apr 4, 2018

Was tun nach dem Abi?

Wattenmeer

Während der Abiturvorbereitung schwirrte mein Kopf vom Lernen von Formeln, Interpretationsaspekten und Auslösern der 48er-Revolution. Um über meine Pläne nach dem Abitur nachzudenken, hatte ich keine Zeit und schon gar nicht, um Bewerbungen zu schreiben. Doch dann stand ich plötzlich beim Abiball auf der Bühne, mein 2,0-Zeugnis in der Hand und das dreimonatige Praktikum bei der Naturschutzgesellschaft am Wattenmeer in Sicht.
Beim Dorffest in meiner Heimat feierte ich mit Schulfreunden meinen Abschied. Ich war der erste aus unserer Clique, der in die große, weite Welt gehen sollte. Wenige Tage später setzte ich mich für acht Stunden in den Zug, ehe ich Büsum an der Nordsee erreichte. Die „alten“ Ganzjahresfreiwilligen lernten ihre Nachfolger sowie mich als Praktikanten ein. In unserer kleinen WG organisierten wir alles selbst: Wir kochten gemeinsam (meistens vegan), schauten Dokus und genossen den Sommer. Ich fand es sehr interessant, an diesem komplett alternativ-grünen Lebensstil teilzunehmen – zum Beispiel vermieden wir Plastik oder verwerteten auch nicht mehr ganz so ansprechend aussehende Lebensmittel.
Auch die vielfältigen Tätigkeiten im Auftrag der Naturschutzgesellschaft waren sehr abwechslungsreich und gewinnbringend. Wir machten Wattwanderungen mit Touristen und Schulklassen, um ihren Blick für die Einzigartigkeit des Lebensraumes zu schärfen. Wir hielten Vorträge im Museum am Meer in Büsum. Und auch der aktive Naturschutz kam nicht zu kurz: Alle zwei Wochen kontrollierten wir „unseren Bereich“, einen 40 Kilometer langen Küstenstreifen, auf gestrandete Meeressäuger, auffällig viele Totvögel, Paraffinrückstände und Müll. Für Forschungsprojekte notierten wir auf einer Teststrecke am Büsumer Hafen jedes einzelne Müllteil. Und alle 14 Tage zählten und bestimmten wir jeden einzelnen See- und Watvogel an der Küste. Aber auch spontane Erlebnisse waren immer etwas Besonderes: Ob mit dem Seehundjäger eine Robbe vom Badestrand retten oder ein gutes Gespräch mit einem Touristen oder Backpacker führen, in Büsum war immer etwas los.
Nach meinen drei Monaten als Praktikant war aus uns Freiwilligen eine richtige Familie geworden. Der Abschied fiel mir deswegen extrem schwer. Die anderen blieben, ich zog weiter. Doch wohin?

Was tun nach dem Abi?

Wohin?

Da ist er also, mein eigener Blog über die aufregende Zeit, durch die ich gerade gehe. Bevor ich aber in der Gegenwart einsteige, möchte ich euch einen Überblick darüber geben, was ich seit dem Abi im vorigen Jahr alles erlebt habe - und wie ich nun in Tansania gelandet bin:
Mein Name ist Hannes und ich bin in einer schwäbischen Kleinstadt in der Nähe von Stuttgart geboren und aufgewachsen. Ich besuchte ein Gymnasium in Ludwigsburg und war auf direktem Weg zum Abitur, welches ich im Sommer 2017 erlangen sollte. Die Welt sollte bald mir gehören. Das Problem war, das ich nicht genau wusste, was ich mit dieser Welt oder vielmehr mit mir anfangen sollte.
So verstrich der Herbst 2016 und mit ihm meine ersten Möglichkeiten, im nächsten Sommer durchzustarten – etwa die Fristen zur Bewerbung auf duale Studiengänge. Studieren, ja, das wollte ich – aber was? Ich fühlte mich von den unendlichen Entscheidungsmöglichkeiten überfordert und spürte in mir den Wunsch aufkommen, erst mal ein Jahr Pause vom ewigen Lernen zu nehmen. Ich wollte reflektieren, meine Stärken und Schwächen ausloten, um dann eine qualifizierte Entscheidung über meinen weiteren Lebensweg zu treffen. Ich wollte einen Freiwilligendienst machen, am liebsten im Ausland; etwas Neues, Aufregendes entdecken und viel für mich mitnehmen – am besten gleich ein ganzes Jahr.
Afrika, das wäre doch spannend, dachte ich mir. Doch es war mittlerweile Januar. Ich bewarb mich im Nachrückverfahren bei Brot für die Welt für einen Freiwilligendienst, der vom Bundesprogramm „weltwärts“ gefördert wird. Ich hatte mein Motivationsschreiben extra von meiner Englischlehrerin Korrektur lesen lassen, doch ich bekam eine Absage.
Was nun? In dieser Krise erinnerte ich mich an einen Urlaub in Büsum an der Nordseeküste. Dort hatte uns die junge Freiwillige einer Naturschutzgesellschaft bei einer Wattwanderung geführt, uns die Wunder des Nationalparks gezeigt und auf die Gefahren hingewiesen, die ihn bedrohen. Das war beeindruckend! Ich beschloss kurzerhand, mich in dieser Richtung zu informieren. Doch auch hier war ich bereits zu spät, es gab nur wenige Restplätze. Bei einer Schutzstation in Büsum kam ich bis zum Vorstellungsgespräch, doch einige Wochen später erhielt ich den ernüchternden Anruf: Sie hatten sich für jemanden anderen entschieden und konnten mir nur noch ein dreimonatiges Praktikum anbieten – na ja, besser als nichts.

Autor: Hannes  |  Rubrik: orientieren  |  Mar 20, 2018
Autor: Hannes
Rubrik: orientieren
Mar 20, 2018