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Was tun nach dem Abi?

Wohnungssuche

In weniger als zwei Monaten ist mein Praktikum in Nizza wieder vorbei. Eigentlich hätte ich bis Ende September bleiben sollen – nun höre ich schon einen Monat früher auf, da mir sonst die Zeit zwischen dem Praktikum und dem Beginn meines Studiums zu knapp wäre. Mitte September beginnt nämlich schon die Vorbereitungswoche für den Studiengang Translationswissenschaften an der Uni in Innsbruck. Zu diesem habe ich mich jetzt aufgrund meiner großen Leidenschaft für Fremdsprachen entschieden. Da es keinen NC für diesen Studiengang gibt, muss ich mich lediglich bis Anfang September an der Uni persönlich einschreiben.
Davon abgesehen bin ich mit meiner Arbeit in der Bar nicht besonders zufrieden. Offiziell ist es zwar ein Praktikum, aber mittlerweile mache ich genau die gleiche Arbeit wie die Festangestellten – und das für 3,75 Euro pro Stunde. Besonders stört mich, dass ich jeden Abend den ganzen Abwasch machen muss. So habe ich den Kompromiss getroffen, früher den Vertrag zu kündigen, um mehr Zeit für die Studienvorbereitung zu haben.
Mit der WG-Suche habe ich vor etwa zwei Monaten begonnen. Allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt noch kaum Anzeigen auf WG-Portalen. Schließlich bewarb ich mich für mehrere Studentenwohnheime, da mir das auf den ersten Blick leichter erschien. So bleibt mir nämlich viel Arbeit erspart, da die Zimmer meistens schon möbliert sind. Nach ein paar Wochen habe ich bereits eine Zusage für ein Zweibettzimmer erhalten, das nur zehn Minuten zu Fuß von der Uni entfernt liegt. Das hörte sich ganz gut an, deshalb sagte ich zu. Ich frage mich allerdings, wie es sein wird, mein Zimmer mit einer anderen Person zu teilen.
Trotz der anstrengenden und mich nicht erfüllenden Arbeit gefällt mir das Zusammenleben mit den anderen deutschen Praktikanten in der WG in Nizza sehr gut. Auch mein Französisch hat sich ein wenig verbessert.

Was tun nach dem Abi?

Raus ins Grüne

Von Mitte Juni bis Anfang August blühen die Lavendelfelder in der französischen Provence. Da Nizza nur rund vier Stunden mit dem Zug von den Feldern entfernt liegt, musste ich diese Gelegenheit ausnutzen. So fuhr ich an meinen zwei freien Tagen in die kleine Stadt Digne-les-Bains mit dem Zug. Schon die Fahrt dorthin war sehenswert: Es ging vorbei an vielen kleinen Orten und beeindruckenden Felsen. Abends kam ich an – leider wusste ich nicht, dass man zu den Feldern nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln gelangen kann. Das wurde mir dann klar, als man mich in der Touristeninfo als Erstes nach einem Auto gefragt hat. Zwar habe ich einen Führerschein, darf aber mit 19 noch kein Auto mieten. Ich übernachtete eine Nacht in der Stadt, bevor am nächsten Tag meine Lavendelfeldtour losging. Mein Host empfahl mir, zu den Feldern zu trampen, da dies die einzige Möglichkeit sei. So bastelte ich mir ein Schild und wartete kaum fünf Minuten an der Straße, bis mich ein Auto mitnahm. Mit insgesamt drei Mitfahrgelegenheiten schaffte ich es in das Dorf Riez. Auf dem Weg dorthin lagen schon viele schöne Lavendelfelder. Ich hatte Glück und fuhr mit französischen Touristen mit, die mehrmals anhielten, um selbst Bilder zu machen. Auch von mir machten sie einige. So konnte ich mein Französisch ein weiteres Mal verbessern. Die einzige offene Frage blieb, wie ich wieder nach Nizza zurückkomme. Zuerst wollte ich versuchen in eine andere Stadt zu trampen, wo der Zug abfährt. Doch dann hielten zwei chinesische Touristen auf der Straße an und nahmen mich zu einem schönen Natursee mit. Es stellte sich heraus, dass sie auf dem Weg nach Nizza waren. So ein Zufall, dachte ich mir. Sie waren so nett und nahmen mich schließlich mit nach Hause.

Was tun nach dem Abi?

300 km/h

Nach viereinhalb Stunden Schlaf klingelte mein Wecker und ich schlich mich aus dem Hostel. An der Hauptstraße konnte ich mit etwas Glück ein Taxi ergattern. Am riesigen Bahnhof angekommen fand ich den Schalter für mein Ticket zu meiner großen Erleichterung ohne Schlange vor – ich war nämlich spät dran. Dann noch schnell durch die Sicherheitskontrolle und zum Bahnsteig, wo der Zug bereits stand. Zehn Minuten später und ich hätte ein großes Problem gehabt.
Der Zug nahm schnell Fahrt auf. Die nächste Stunde brauste ich mit 300 km/h durch die chinesische Walachei. Nur in größeren Städten hielt der Zug. Ich sah viele braune Hochhäuser, breite Straßen und industrielle Gelände – nach Hightech und architektonischer Meisterleistung sah das nicht gerade aus.
Nach einiger Zeit machte ich Bekanntschaft mit meiner Sitznachbarin, einer 23-jährigen Frau, die sich auf dem Weg nach Peking befand. Sie sprach tatsächlich ein paar Worte Englisch und bot mir etwas von ihrem Essen an, was mir sehr gelegen kam, da ich nur Kekse und trockene Instantnudeln aus Kathmandu bei mir hatte. Sie brachte mir ein paar chinesische Wörter bei, wobei mich die Aussprache vor größere Schwierigkeiten stellte.
Neuneinhalb Stunden und 2.000 Kilometer später stieg ich in der 11-Millionen-Metropole Shijiazhuang aus. Nun hieß es zweieinhalb Stunden auf den nächsten Zug warten. Um 22 Uhr kam ich schließlich in Dezhou – meinem Aufenthaltsort für die nächsten drei Wochen – an und wurde von Andy, einem Angestellten von meiner Praktikumsfirma „Hi-min“, in Empfang genommen. Wir rollten die restlichen Kilometer über breite, leere Straßen. Im Dunkeln sah ich bereits die ersten Umrisse vom „Solar Valley“, das ab morgen mein Arbeitsplatz sein würde.
Die Wohnung von Andy war nicht gerade gemütlich. Aber gut, damit kam ich erstmal klar. Andy teilt sich die Wohnung mit einem anderen Mitarbeiter. Immerhin hatten sie eine Waschmaschine, was schon mal ein großer Fortschritt war. Nach den vergangenen zwei kurzen Nächten war ich inzwischen hundemüde, und obwohl ich auf einer Holzpritsche lag, schlief ich sofort ein.