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Was tun nach dem Abi?

Neue Freunde

Mein Aufenthalt in Dezhou änderte sich, als ich William kennenlernte, der erste in dieser Stadt, der fließend Englisch sprach. Er und seine Mitbewohnerin Vivian luden mich in ihre Wohnung zum Essen ein. Es gab Pizza und Käse – zwei Dinge, die ich für meine Zeit in China schon aufgegeben hatte.
Wir unterhielten uns angeregt und William erzählte aus seinem Leben, in dem er schon so einiges erlebt und erreicht hatte. Er war ein ziemliches Multitalent, gab Entrepreneurship-Kurse, hatte Opernmusik studiert, konnte programmieren und arbeitete als Dolmetscher – alles auf freiwilliger Basis. Hin und wieder bekam er aber auch üppig bezahlte Aufträge. So hielt er sich recht einfach über Wasser und hatte mehr Zeit für die Projekte, die ihm am Herzen lagen und die er freiwillig machte. Mit seinen zwei Söhnen und seiner Frau hatte er bereits in Kanada und Costa Rica gelebt, jetzt gerade besuchte er sie regelmäßig in Shanghai. Vivian war seine Kollegin in Dezhou. Wie sich im Laufe des Abends herausstellte, konnte sie ausgezeichnet kochen. Sie sprach nicht so sicher Englisch wie William, aber sie hatte offenbar kein Problem damit, auch mal ein paar Fehler zu machen.
Später erzählte mir William, warum die meisten Chinesen so schlecht Englisch sprachen. Die Schüler lernten zwar ihre gesamte Schulzeit und sogar noch im College Englisch – das große Problem war allerdings, dass der ganze Unterricht nur in der Theorie stattfand. Die Schüler konnten komplexe Prüfungen bestehen und beherrschten die Grammatik, allerdings lernten sie nie den praktischen Umgang mit der Sprache kennen. In anderen Fächern herrschte anscheinend ein ähnliches Problem. In Wettbewerben waren die Chinesen häufig die besten, doch der Praxisbezug kam in der Schulzeit viel zu kurz, sodass sie später im Beruf Schwierigkeiten hatten, ihre Fähigkeiten anzuwenden.
Nicht nur der theoretische Unterricht, sondern auch der extreme Druck setzte den Schülern zu. Aufgrund der riesigen Population herrschte eine enorme Konkurrenz. Ein guter Job war da nur mit herausragenden Noten zu erreichen, worunter Kreativität und individuelle Förderung litten. William hatte sich bei seinen eigenen Kindern deshalb für Hausunterricht entschieden. Stolz erzählt William, dass sein zehnjähriger Sohn innerhalb eines halben Jahres vier Englischklassen absolviert hat und sich gerade mit den Mondraketen der NASA auseinandersetzt.
Von Anfang an waren William und Vivian sehr fürsorglich und hießen mich bei ihnen willkommen. Nach den vergangenen tristen Tagen in Dezhou tat mir ihre Gesellschaft richtig gut.

Autor: Max  |  Rubrik: orientieren  |  Oct 4, 2019
Autor: Max
Rubrik: orientieren
Oct 4, 2019

Was tun nach dem Abi?

Frust

An sich hatte Dezhou eine exzellente Infrastruktur zu bieten, was allein schon an dem modernen Bikesharing lag. Man konnte Fahrräder durch Scannen eines QR-Codes mieten und am Ende der Fahrt abstellen, wo man wollte. Damit kam man echt günstig durch die ganze Stadt. Mein Problem war jedoch, dass ich keinen der drei Bikesharing-Dienste nutzen konnte, weil ich kein chinesisches Bankkonto besaß, das für die Registrierung notwendig war. Also musste ich jedes Mal einen Mitarbeiter von Hi-min fragen, um mir ein Fahrrad entriegeln zu lassen. Für meinen täglichen Weg zur Arbeit war dies zum Glück nicht nötig, da ich innerhalb von 10 Minuten zu Fuß zum Hauptgebäude kam. Allerdings konnte ich mich ansonsten in der Stadt nur schwer fortbewegen, denn Busse fuhren nur selten und dann brauchte ich auch noch das Glück, in den richtigen zu steigen, denn die Anzeigen konnte ich nicht lesen.
Aus demselben Grund kann ich auch das bargeldlose Zahlen nicht nutzen. Man glaubt es kaum, aber es ist überall möglich, auch beim noch so kleinen Kiosk. Sogar im winzigen Dorf, wo wir die Solarmodule installiert haben, bezahlt man einfach mit dem Smartphone. Zwar bin ich den Aufwand, Bargeld zu benutzen, ja schon lange gewohnt, allerdings finde ich es einfach schade, dass ich die ganzen modernen Techniken, die China im Vergleich zu Deutschland bietet, nicht nutzen kann.
Was mir jedoch am meisten fehlt, ist eine Person, mit der ich mal richtig reden kann. Ich hab niemanden, der mir einen tieferen Einblick in die chinesische Kultur verschafft. Andy ist zwar immer hilfsbereit, aber letztendlich so in seine Arbeit vertieft, dass er kaum Zeit für mich hat. Bei den anderen Mitarbeitern ist es nicht anders. Sie sind außerdem sehr schüchtern und vorsichtig – wahrscheinlich, weil ihnen ihre mangelnden Englischfertigkeiten unangenehm sind und sie keine Fehler machen wollen. Schließlich fehlt mir dann auch die Lust, mit ihnen richtig in Kontakt zu treten, da die Kommunikation schlichtweg mühsam ist. Und irgendwie bin ich auch einfach frustriert, weil momentan keine Besserung in Sicht ist.

Autor: Max  |  Rubrik: orientieren  |  Sep 27, 2019
Autor: Max
Rubrik: orientieren
Sep 27, 2019

Was tun nach dem Abi?

Neustart

Endlich hab ich mein Praktikum in Nizza hinter mir. Vor einer Woche war mein letzter Arbeitstag, am nächsten Tag bin ich zurück nach Deutschland geflogen. Der Abschied von den Kollegen und von der Arbeit fiel mir aufgrund der schlechten Bedingungen nicht sonderlich schwer. In meiner letzten Woche musste ich auch mehrere Stunden ganz alleine arbeiten, sodass ich gar keine Pause machen konnte. Zurzeit erhole ich mich zu Hause ein wenig vor den Strapazen – ich muss aber auch an das Studium denken, das in knapp zwei Wochen anfängt. Bereits in Nizza habe ich mich für den Studiengang Übersetzung in Innsbruck online angemeldet. Nun stand noch die persönliche Einschreibung vor Ort an, wo ich Originaldokumente wie meinen Ausweis und mein Abiturzeugnis vorlegen musste. So fuhr ich rund fünf Stunden in die Alpenstadt und schaute mir neben Innsbruck auch die Lage des Studentenwohnheims an. Bei der Einschreibung musste ich rund eine Stunde warten, bis ich dran kam, aber es funktionierte alles gut. Vor Ort erhielt ich gleich meinen Studierendenausweis und bezahlte den Semesterbeitrag. Da ich am gleichen Tag nicht mehr nach Hause fahren konnte, übernachtete ich dort. In der nächsten Woche findet eine Informationsveranstaltung zum Studium mit Campusführungen und Anleitungen, wie man seinen Stundenplan zusammenstellen kann, statt. Da werde ich natürlich hingehen – schließlich bin ich leicht überfordert mit den Anmeldungen zu den verschiedenen Kursen. In der Zwischenzeit kann ich noch die Zeit bei meiner Familie zu Hause genießen. Diese habe ich schon lange nicht mehr gesehen, da ich bei meinem Praktikum in Nizza keinen freien Tag bekam und so nicht nach Deutschland fliegen konnte. Trotz allem bin ich froh, dass ich ein Jahr zwischen Abitur und Studium mit den drei Praktika in Spanien und Frankreich pausiert habe, da ich nun viel selbstbewusster geworden bin und auch meine Sprachkenntnisse verbessern konnte.

Autor: Tobias  |  Rubrik: orientieren  |  Sep 18, 2019
Autor: Tobias
Rubrik: orientieren
Sep 18, 2019