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Master live

Der Zentralfriedhof

Meine ersten 19 Lebensjahre habe ich zu einem großen Teil auf einem Friedhof verbracht – denn direkt gegenüber steht mein Elternhaus, hier bin ich auf Bäume geklettert, bin Schlitten gefahren und habe gemacht, was man eben als Kind auf dem Dorf so macht. Als ich nach dem Abitur nach Prag umzog, wurde der Ehrenfriedhof Slavin auf dem alten Burggelände Vysehrad schnell zu einem meiner Lieblingsplätze: Bis heute hat der Ort für mich eine ganz besondere Atmosphäre. In Wien wohne ich nun unweit eines ehemaligen Friedhofs, auf dem auch Schubert und Beethoven ihre erste Ruhestätte fanden. Eine meiner Wien-Erkundungen führte mich nun neulich auf einen weiteren Friedhof, aber nicht auf irgendeinen, sondern auf den Wiener Zentralfriedhof.
Der Zentralfriedhof ist einer der größten Friedhöfe Europas – über drei Millionen Menschen liegen hier begraben. Drei Millionen. Eine schier unglaubliche Zahl. Neben privaten Gräbern – einige besser in Schuss, andere weniger, einige mit verwitterten und vermoosten Grabsteinen, andere mit frisch aufgeschütteter Erde – finden sich auf dem Zentralfriedhof auch Kriegsgräber, prächtige Trauerhallen und Abteilungen für die verschiedensten Religionen.
Aufgrund der gigantischen Ausmaße des Friedhofs gibt es zwei Buslinien, die über den Friedhof fahren. Gegen Gebühr darf man sogar mit dem eigenen Auto ans Grab der Wahl fahren. Und vor zwei Jahren hat hier sogar ein Kaffeehaus eröffnet – nicht nur für Trauerfeiern, sondern auch als Ort der Begegnung ist es konzipiert.
Dass der Friedhof groß ist, diese Erfahrung darf auch ich bei meinem Besuch machen. Denn während ich staunend die Grabsteine betrachte, Lebensdaten, Berufe und Namen lese, passiert das, was zu erwarten war: Ich verlaufe mich. Fast zwei Stunden brauche ich, um den Friedhof zu durchqueren und schließlich an einem der vielen Tore lande. Von dort nehme ich die 71 nach Hause. Die Bim-Linie 71 fährt seit jeher den Zentralfriedhof an, früher gab es sogar einen Leichenstraßenbahnwagen, lese ich später nach. Mit Gedanken zum Tod und Wandas „Letztem Wienerlied“ im Kopf fahre ich zurück in mein normales Leben – und bin mir dabei sicher, für einen Spaziergang irgendwann wieder vorbeizukommen.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Feb 17, 2020

Master live

Stress

Stress ist eine so unglaublich relative Angelegenheit. Schon oft habe ich mich dieses Begriffs im Zusammenhang mit meinem Alltag bedient, schon oft hat es sich für mich angefühlt, als würde ich in gewissen Phasen an meine Grenzen stoßen. Doch nun bin ich an einem Punkt angekommen, an dem sich nicht mehr alles mithilfe eines guten Zeitmanagements lösen lässt. Aus Übermut und einer großen Portion Enthusiasmus wählte ich dieses Semester alle Uni-Kurse, die besonders spannend klangen – und das waren ziemlich viele. Jetzt gegen Ende des Semesters merke ich, dass ich damit ganz schön optimistisch war. Hinzu kommen ja noch Arbeit, Sport und Treffen mit Freundinnen. Ich habe hier in Berlin nicht nur mehr soziale Kontakte als es in Erlangen der Fall war, es dauert alles auch viel länger, wenn man ein Treffen außerhalb der Uni ausmacht: Hier ist nicht mehr alles innerhalb von zehn Minuten mit dem Fahrrad zu erreichen, sondern oft fährt man fast eine Stunde zum vereinbarten Treffpunkt. Mein Freund kommt regelmäßig zu Besuch, aber die Zeit reicht nicht ansatzweise aus, um sich alle Eindrücke und Gedanken der letzten Tage zu erzählen. Nebenbei plane ich bewusst Lesezeiten ein, da es mir gut tut, wenn ich einen Abend mit einem Buch ausklingen lasse. Zu jeder Lektüre eine Rezension auf meinem Blog zu veröffentlichen habe ich schon vor ein paar Wochen aufgegeben – irgendetwas kommt zwangsläufig zu kurz. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich gerade voller Energie und Motivation bin. Manche Phasen muss man wohl mit zusammengebissenen Zähnen durchstehen und nicht allzu sehr darüber nachdenken, dass sich alles wie eine Baustelle anfühlt. Zum Glück sind bald Semesterferien, die sich diesmal angenehm erholsam ankündigen. Nächstes Semester nehme ich mir definitiv etwas weniger vor.

Autor: Moni   |  Rubrik: studium  |  Feb 11, 2020

Master live

Entspannte Semesterferien - kann ich das?

In drei Wochen ist das Semester um und dann habe ich hoffentlich die Möglichkeit, mal wieder durchzuatmen. Ich will keine Projekte mehr sehen, Präsentationen mehr vorbereiten und zwischen Terminen herumhetzen. Seit Dezember war in meinem Hinterkopf immer wieder eine Frage präsent. Soll ich noch ein Praktikum in den Semesterferien machen? Gibt es noch eine Sparte, die ich gerne mal sehen möchte? Jetzt wo ich so nah an Berlin wohne, da wäre es doch ein Jammer kein Praktikum einzulegen, oder? Womit willst du sonst die ganze freie Zeit füllen? Trotz dieser Fülle an Gedanken habe ich es nicht geschafft, eine Bewerbung zu schreiben. Ständig musste etwas anderes noch schneller und noch dringender erledigt werden und wenn ich dann mal eine ruhige Minute hatte, dann konnte ich mich nicht dazu überwinden. Jetzt dauert es nicht mehr lange bis zu den Semesterferien und ich habe immer noch nichts. Es beunruhigt mich daran zu denken, denn ich hatte während meines ganzen Studiums noch nie richtige Semesterferien. Immer standen Praktika an oder aufgrund eines Auslandsaufenthaltes entfielen die Semesterferien. Hausarbeiten, dich ich in dieser Zeit schreiben musste, habe ich dann nebenher geschrieben und war dadurch natürlich immer sehr gestresst. Auch diese Semesterferien werde ich einiges für die Uni erledigen müssen. Neben einer Hausarbeit und einem Projekt habe ich vor, mich intensiv auf mein nächstes Semester vorzubereiten. Die 45 Leistungspunkte, die ich nächstes Semester machen muss, erledigen sich eben leider nicht von alleine. Da ist es vielleicht gar keine schlechte Idee, mal keine weiteren Verpflichtungen zu haben und etwas zu entspannen: Inklusive Ausschlafen, Freunde regelmäßig treffen und den nahenden Frühling genießen. Vielleicht aber schiebe ich doch noch irgendetwas in die Semesterferien und lerne mal wieder nicht aus meinen Fehlern.

Autor: Bo  |  Rubrik: studium  |  Feb 7, 2020