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Master live

Moral und die praktische Philosophie

Autor:
Lukas

Rubrik:
studium

09.03.2017

Was ist moralisch richtig oder falsch? Mit derlei Fragen rund um das menschliche Handeln beschäftigt sich die praktische Philosophie. Sie lässt sich in drei primäre Bereiche unterteilen: die Ethik, die politische Philosophie und die Rechtsphilosophie. Die Ethik wiederum teilt sich in die normative Ethik, die angewandte Ethik und die Metaethik. Heute erkläre ich euch – auch anhand von Beispielen – worum es geht.
Die normative Ethik beschäftigt sich mit der Frage des richtigen Handelns. In ihr gibt es zwei große Strömungen: die deontologische und die konsequentialistische Ethik. Die deontologische Ethik, deren Begründer Immanuel Kant ist, steht dafür, dass Handlungen unabhängig von ihren Konsequenzen richtig oder falsch sind und somit einige immer richtig und andere immer falsch sind. Die Anhänger der konsequentalistischen Ethik, deren Hauptströmung der Utilitarismus ist, vertreten die gegenteilige Auffassung: Handlungen dienen nur dazu, dass maximale Glück aller zu erhöhen. Je nach Situation können unterschiedliche Handlungen das maximale Glück aller befördern oder beschädigen. Beispielsweise könnte Folter erlaubt sein, um viele Unschuldige zu retten. Bei der deontologischen Ethik wäre Folter immer falsch.
Die angewandte Ethik beschäftigt sich mit dem richtigen Handeln in spezifischen Bereichen, wie zum Beispiel der Sterbehilfe oder Abtreibung. Dabei müssen Prinzipien auf spezielle Situationen anwendbar gemacht werden. Ist Sterbehilfe gut oder schlecht? Wie verhält sie sich zu Mord oder Linderung von Leiden? Aber die angewandte Ethik ist auch damit konfrontiert, ganz neue Prinzipien für neue Situationen zu entwickeln.
Die Metaethik ist eine Mischform der praktischen und der theoretischen Philosophie. Sie fragt auf einer theoretisch-wissenschaftlichen Ebene, worauf sich moralische Aussagen beziehen? Sind moralische Aussagen rational begründbar? Was ist ihr Ursprung?
Die politische Philosophie beschäftigt sich zum einen damit, was Politik und das Politische sind. Zum anderen geht es um die Rechtfertigung bestimmter politischer Systeme, von Herrschaft und dem Staat überhaupt.
Und zu guter Letzt fragt die Rechtsphilosophie nach dem Wesen des Rechts und seinem Verhältnis zu Moral und Politik. Dabei gibt es auch wieder zwei zentrale und konträre Positionen: die Naturrechtslehre, die von einem natürlichen Recht ausgeht und der Rechtspositivismus, für den Recht etwas Menschengemachtes ist. Des Weiteren versucht die Rechtsphilosophie, staatliches Strafen zu rechtfertigen. Sollen Strafen präventiv zukünftige Verbrechen verhindern? Oder nachträglich geschehene Verbrechen vergelten?

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