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Ein rasiertes Pferd

Autor:
Franca

Rubrik:
studium

31.01.2017

In der Zeit vor Weihnachten hatte ich einen Nebenjob über eine studentische Jobvermittlung gefunden. Eine Firma für Fotodruck suchte in der Nähe von Leipzig saisonale Unterstützung für die Vorweihnachts-Produktion. Also habe ich ein paar achtstündige Schichten in der sogenannten Fun-Abteilung der Firma übernommen. In dieser werden verschiedene Dinge mit Fotos bedruckt, die von Privatpersonen bestellt wurden, zum Beispiel Textilien wie T-Shirts, Kissenbezüge und Jutebeutel, aber auch Tassen, Magnete und Foto-Aufsteller. Die Schichten waren für mich ziemlich anstrengend, da ich an den Bügelmaschinen im Stehen arbeiten musste und anfangs auch keine so langen Arbeitstage gewohnt war. Die meisten Fotos zeigten Familien, ganz viele Babys und Kleinkinder, Hochzeiten und Tiere. So viele Gesichter habe ich noch nie zuvor in so kurzer Zeit gesehen!
Zwischendrin gab es aber auch kleine Highlights. Mein Favorit war ein Foto von einem rasierten Pferd, das ich auf einen Kissenbezug drucken sollte. Das Pferd war an der Unterseite rasiert und an seinem Hinterteil waren drei Sterne aus Fell stehen gelassen worden. Das fand ich ziemlich witzig!
Intellektuell gesehen war die Arbeit gar nicht anspruchsvoll und ich war immer sehr froh, wenn ich wieder eine Schicht hinter mich gebracht hatte. Jedoch war es eine gute und wichtige Erfahrung für mich, den Arbeitsalltag von vielen Menschen in Deutschland mal eine Zeitlang mitzumachen. Es gibt so viele Jobs, die für eine Studentin wie mich unsichtbar bleiben, die einfach erledigt werden, ohne, dass ich auch nur einen Gedanken daran verschwenden muss: Ich bestelle im Internet einen Fotoaufsteller und drei Tage später kommt er bei mir an. Die ganzen Zwischenschritte bräuchten mich nicht zu interessieren. Jedoch finde ich es wichtig, auch diese Arbeiten wertzuschätzen und mir bewusst zu machen, dass viele Menschen für einen geringen Lohn in den verschiedenen Wertschöpfungsketten arbeiten und fast grenzenlosen Konsum für unsere Gesellschaft ermöglichen.

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