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Master live

Geld oder Nähe

Autor:
Noelle

Rubrik:
orientieren

08.04.2016

Für jemanden wie mich, der es als normal empfindet, wenn abends um zehn die Straßenlaternen ausgehen, kann eine Großstadt wie München ein ziemlicher Kulturschock sein. Trotzdem habe ich mich ganz bewusst dazu entschieden, ein Praktikum in der Landeshauptstadt von Bayern zu absolvieren.

Warum ich mich ausgerechnet für diese Stadt entschieden habe? Das ist eigentlich ganz einfach: Natürlich geht es bei einem Praktikum immer darum, die Praxis eines Berufsbereichs kennenzulernen, aber am Ende ist es auch immer eine Frage des Geldes. Da mein Redaktionspraktikum nur acht Wochen dauert, stand für mich von Anfang an fest, dass ich mein WG-Zimmer in Göttingen behalten würde. Eine zweite teure Unterkunft kam da natürlich nicht infrage. Glücklicherweise wohnt meine Tante in München, sodass ich in der Zeit meines Praktikums bei ihr unterkommen konnte. Da München zudem als Medienhochburg gilt, hat sich das natürlich auch angeboten. Und es ist bestimmt nicht verkehrt, sich schon mal an das Leben in einer Großstadt zu gewöhnen.

Schließlich werde ich nach meinem Abschluss in Deutscher und Englischer Philologie am ehesten in einer großen Stadt wie München einen Job finden. Ich muss nämlich zugeben, dass es mir schwerfällt, mich in diesem hektischen Alltag zurechtzufinden. Morgens zur Bahn zu hetzen, nur um sich stehend zwischen unzählige Menschen zu quetschen: Ich kann mir wirklich Schöneres vorstellen. Meine Mutter sieht das alles immer ganz pragmatisch: Noch bist du jung, also raus in die Welt und Erfahrungen sammeln – am besten in Australien, England oder den USA. Und ich finde es auch schön, fremde Sprachen und Kulturen kennenzulernen. Aber das Schönste am Herumreisen ist doch am Ende immer wieder das Nachhausekommen. Mein Papa hingegen sagt immer: Geld ist nur bedrucktes Papier. Und irgendwie hat er damit auch Recht. Klar sollte es zum Leben reichen, aber es schenkt einem weder einen tollen Freundeskreis noch Spaß an der Arbeit. Ich sehe es vermutlich eher wie mein Papa und stelle die Nähe zu meiner Heimat über das hohe Gehalt.

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