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Master live

Wissenschaftstheorie

Autor:
Lukas

Rubrik:
studium

12.01.2017

In meinem Master Philosophie-Neurowissenschaften-Kognition ist die Philosophie der Neurowissenschaften ein zentraler Verbindungsstein dieser drei Felder. Sie ist ein Anwendungsgebiet der allgemeinen Wissenschaftsphilosophie und beschäftigt sich mit Fragen, die jedem Studierenden einer Wissenschaft einmal begegnen: Was unterscheidet die Wissenschaft eigentlich von dem, was zum Beispiel tagtäglich im Horoskop einer beliebigen Zeitschrift steht? Denn mal ehrlich: Welcher Physiker hat schon mal ein Elektron tatsächlich gesehen und welcher Psychologe so etwas wie Selbstbewusstsein? Woher wissen wir, dass es diese Dinge gibt und so etwas wie günstige Sternenkonstellationen für mein Liebesleben hingegen nicht?
Bestimmt fallen dem kreativen Leser viele Antworten auf diese Fragen ein. Aber der Clou ist, dass es keine allgemein anerkannten Antworten gibt. Wir wissen im Grunde nicht, was eine Wissenschaft im Kern im Gegensatz zu Nichtwissenschaften auszeichnen soll, abseits vielleicht von sozialer Akzeptanz.
Ein weiteres Problem ist, dass uns täglich unterschiedliche Erklärungsweisen begegnen. Beliebt sind evolutionäre Erklärungen: Weil vor 200.000 Jahren die Welt so war, haben wir Menschen Verhalten X oder Gen X ausgeprägt. Gleichzeitig lesen wir, dass der Mensch Verhalten X aufgrund von Reiz-Reaktions-Konditionierung (psychologische Erklärung) oder Gen X aufgrund von biochemischen Mechanismen ausgebildet hat (mechanistische Erklärung). Das Problem: Wie passen all diese Erklärungen zusammen? Wir gehen normalerweise davon aus, dass die psychologische Erklärung eine Entsprechung auf der biochemischen Ebene hat. Aber ist am Ende vielleicht alles nur Biochemie und wir können psychologische Gesetze einfach in biochemische umformulieren? Oder erhält die Biochemie ihren Sinn erst von der höheren psychologischen oder evolutionären Ebene? Wenn ein Patient beispielsweise Schmerzen hat, ohne dass im Gehirn Schmerzwahrnehmung stattfindet, belehren wir den Patienten dann dahingehend, dass er gar keine Schmerzen hat und sie sich nur einbildet? Um diese und weitere Fragen geht es derzeit in meinem Studium.

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