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Master live

Experimentelle Psychopathologie

Eine sehr interessante Vorlesung hatte ich dieses Semester im Fachbereich Experimentelle Psychopathologie. Kurz gesagt geht es dabei um die experimentelle Erforschung psychischer Störungen, meist anhand von Tierversuchen. Der Dozent war auf experimentelle Suchtforschung spezialisiert. Dabei wird beispielsweise untersucht, wie Laborratten auf Drogen reagieren. Ein tierexperimentelles Paradigma der Depression ist zum Beispiel die sogenannte „gelernte Hilflosigkeit“. Diese misst, wie viel Aufwand Tiere einsetzen, um einer bedrohlichen Situation zu entgehen. Ratten werden für fünf Minuten in ein Wasserbecken gesetzt und die Zeit gemessen, die sie aufwenden, sich zu befreien. Depressive Ratten versuchen kaum, herauszukommen. Laut des Dozenten bestehe daher die Theorie, dass Depressionen im Wesentlichen darauf zurückzuführen sind, dass Lebewesen die Erfahrung gemacht haben, schlimmen Situationen nicht entgehen zu können. Dieses Verhalten hängt mit bestimmten neuronalen Veränderungen zusammen, zum Beispiel der Verkleinerung gewisser Gehirnareale oder einer Senkung bestimmter Neurotransmitter. Entfernt man einer gesunden Ratte ein bestimmtes Gehirnareal, zeigt sie sofort mehr „gelernte Hilflosigkeit“. Wenn getestet wird, ob der Langzeitgebrauch von Drogen zu Depressionen führt, wird den Ratten diese Droge über Wochen induziert und dann überprüft, wie apathisch sie auf bedrohliche Situationen reagieren. Ebensolche Paradigmen gibt es auch für Angststörungen, Zwangsstörungen und Schizophrenie.
Aber auch am Menschen wird geforscht. Patienten, die drogensüchtig sind oder eine Gehirnverletzung haben, werden in ihrer Performance in Tests und Experimenten verglichen. So können Menschen, deren präfrontaler Cortex beschädigt ist, weniger flexibel auf Regeländerungen in Spielen reagieren, obwohl ihnen diese mitgeteilt wurden und sie diese auch sprachlich verstanden haben.
Sehr interessant sind auch Studien mit Hirnschrittmacherpatienten. Bei Morbus Parkinson zum Beispiel kann eine dauerhafte Elektrode in motorischen Arealen installiert werden, die Strom injiziert und so die unkontrollierten Bewegungen der Patienten normalisiert.

Autor: Lukas  |  Rubrik: studium  |  Mar 3, 2017
Autor: Lukas
Rubrik: studium
Mar 3, 2017

Master live

Faszinierendes aus der Tierwelt

Ein Fachbereich, von dem ich vorher nicht einmal wusste, ist die sogenannte Neuroethologie. Ethologie bedeutet Verhaltensforschung; die Neurotheologie hat zum Ziel, das Verhalten von Tieren bis auf die Ebene neuronaler Schaltkreise nachzuvollziehen.
Jede Woche war ein anderer Wissenschaftler in unserem Seminar zu Gast und hat über seine Forschung mit einer bestimmten Tierart geredet. Natürlich gab es einige Vorlesungen zu Studien mit intelligenten Menschenaffen, vor allen Dingen im Vergleich mit Kindern – das nennt man komparative Entwicklungsforschung. Spannend wurde es für mich, als es um Vögel ging. So erkennen sich Krähen zum Beispiel im Spiegel, was als Zeichen für Selbstbewusstsein gedeutet wird und selbst Kinder erst ab einem bestimmten Alter können! Zudem wird die Fähigkeit zur „Theory of Mind“ ihnen zugesprochen, also die Fähigkeit, Wissen, Gefühle und Überzeugungen anderer Lebewesen zu erkennen und zu interpretieren. Noch beeindruckender fand ich, dass es tatsächlich Papageien gibt, die nach intensivem Training Sprache in produktiver und kreativer Weise benutzen, um ihre Bedürfnisse auszudrücken, also nicht nur Gesprochenes nachplappern. Das ist insbesondere deswegen interessant, weil wir die Fähigkeit zur kreativen Sprache normalerweise nur Menschen zusprechen.
Aber nicht nur Vögel sind interessant, sondern auch Fliegen und Kröten. Bei Fliegen wurde das Gehirn bis auf jedes einzelne Neuron entschlüsselt. Nach diesem Vorbild können Roboter gebaut werden, die Fähigkeiten von Fliegen haben, zum Beispiel sich fliegend durch einen Raum zu navigieren. Und die neuronale Entschlüsselung des Fliegenfangmechanismus von Kröten wird heute zum Bau von intelligenten Fabrikrobotern eingesetzt, die Objekte erkennen und greifen können. Unglaublich spannend! Aber auch ein wenig gruselig manchmal, wie schnell die Wissenschaft vorangeht und wie sehr der Mensch in Genom und Gehirn von Tieren eingreift. Nicht zuletzt aus einer Forschungsethischen Perspektive gegenüber Tieren ist dort meiner Meinung nach eine Grundsatzdiskussion notwendig!

Autor: Lukas  |  Rubrik: studium  |  Feb 27, 2017
Autor: Lukas
Rubrik: studium
Feb 27, 2017

Master live

Trauma-Seminar

Als Teil des Moduls „Klinische Psychologie und Psychotherapie“ habe ich in diesem Semester ein Seminar besucht, in dem es um Störungen durch Traumata ging. In den ersten drei Sitzungen haben wir besprochen, welche spezifischen Ereignisse traumatische Folgen haben können, zum Beispiel Misshandlung und Vernachlässigung im Kindes- und Jugendalter oder Krieg und Flucht.
Ich habe mit zwei Kommilitoninnen ein Referat über die traumatischen Folgen von Krieg und Flucht gehalten. Ich fand vor allem die Behandlungsansätze spannend. Zum Beispiel gibt es eine Methode, die viel angewandt wird und vor allem auch nicht-sprachlich genutzt werden kann, bei der man seine Lebensgeschichte anhand positiver und negativer Erfahrungen aufrollt. Dafür legt man ein Seil auf den Boden aus, das stellt das Leben dar. Blumen stehen für positive/stärkende, Steine für negative/schwächende Ereignisse. So kann man nach und herausarbeiten, welche Ereignisse für die eigene psychische Entwicklung und für den aktuellen psychischen Zustand ausschlaggebend waren.
In den nächsten Seminarsitzungen haben wir über Störungsbilder gesprochen, die aufgrund traumatischer Erfahrungen entstehen können. Am bekanntesten ist die Posttraumatische Belastungsstörung. Bei dieser erleben Personen das traumatische Ereignis immer wieder in ihrer Vorstellung. Der Unterschied ist, dass sie sich nicht erinnern (auch das kann schon schlimm sein), sondern die Situation tatsächlich wiedererleben. Häufig werden diese sogenannten „Flashbacks“ durch Trauma-Trigger ausgelöst, also durch Reize, die an das traumatische Erlebnis erinnern. In meinem Praktikum in einer Klinik kannte ich einen Patienten, bei dem die Flashbacks durch herzhaftes Beißen in einen Apfel und das Geräusch, das dabei entsteht, ausgelöst wurden. In einer womöglich Jahre zurückliegenden Situation hatte er im Zusammenhang mit diesem Geräusch anscheinend etwas Negatives erlebt.

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  Feb 22, 2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
Feb 22, 2017