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Master live

Schädel, Hirnhaut, Gehirnmasse

In diesem Semester habe ich ein Neurologie-Modul besucht. Die Vorlesungen wurden von Dozierenden gehalten, die alle am Max-Planck-Institut forschen. Wir haben über verschiedene neurologische Störungen und Erkrankungen wie zum Beispiel Demenz, Schlaganfall, Multiple Sklerose und Hirntumore gesprochen. Ich finde Anatomie, vor allem im Gehirn, super spannend. Das Gehirn ist wie ein genial-verstricktes, super komplexes Computersystem, bei dem das Zusammenspiel aus Nervenzellen, Chemikalien und elektrischen Potenzialen Mich und Dich ergibt.
Es ist immer mal wieder erschreckend, festzustellen, wie wir doch alle als menschliche Roboter funktionieren, bei denen nur ein Neurotransmitterhaushalt gestört sein muss, um psychisches Erleben und Verhalten zu verändern; oder bei denen man nur eine Elektrode in das richtige Gehirnareal stecken muss, um Parkinson-Symptome oder auch Depressionen zu mindern.
Wenn irgendwo ein Loch entsteht, zum Beispiel in einer Arterie durch ein Schädel-Hirn-Trauma, läuft das Blut aus und breitet sich durch den Druck immer weiter aus. Der Druck wiederum beeinträchtigt die Hirnareale, die an dieser Stelle verortet sind. So kann es passieren, dass zum Beispiel Lähmungserscheinungen auftreten, die aber auch wieder verschwinden, sobald das Blut entfernt und das Loch in der Arterie geschlossen wurde. Zu diesem habe ich in der Vorlesung zum ersten Mal Aufnahmen des Kopfs von innen gesehen. Wir haben uns nämlich ein Video von einer Gehirn-OP angesehen, bei der ein solches Loch repariert wurde. Das was wirklich sehr interessant.
Ein anderes, in der Psychologie sehr prominentes Beispiel sind zwei Hirnareale, die man für die Sprachproduktion und das Sprachverständnis verantwortlich macht. Kommt es zu Verletzungen in einem der beiden Areale, kann ein Patient oder eine Patientin zwar sprechen, hat aber beim Verständnis Probleme. Es gibt so viele kleine Bereiche, in denen irgendeine Schädigung auftreten könnte, da wundert es mich schon öfter mal, dass die meisten Menschen gesund sind.

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  Mar 7, 2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
Mar 7, 2017

Master live

Experimentelle Psychopathologie

Eine sehr interessante Vorlesung hatte ich dieses Semester im Fachbereich Experimentelle Psychopathologie. Kurz gesagt geht es dabei um die experimentelle Erforschung psychischer Störungen, meist anhand von Tierversuchen. Der Dozent war auf experimentelle Suchtforschung spezialisiert. Dabei wird beispielsweise untersucht, wie Laborratten auf Drogen reagieren. Ein tierexperimentelles Paradigma der Depression ist zum Beispiel die sogenannte „gelernte Hilflosigkeit“. Diese misst, wie viel Aufwand Tiere einsetzen, um einer bedrohlichen Situation zu entgehen. Ratten werden für fünf Minuten in ein Wasserbecken gesetzt und die Zeit gemessen, die sie aufwenden, sich zu befreien. Depressive Ratten versuchen kaum, herauszukommen. Laut des Dozenten bestehe daher die Theorie, dass Depressionen im Wesentlichen darauf zurückzuführen sind, dass Lebewesen die Erfahrung gemacht haben, schlimmen Situationen nicht entgehen zu können. Dieses Verhalten hängt mit bestimmten neuronalen Veränderungen zusammen, zum Beispiel der Verkleinerung gewisser Gehirnareale oder einer Senkung bestimmter Neurotransmitter. Entfernt man einer gesunden Ratte ein bestimmtes Gehirnareal, zeigt sie sofort mehr „gelernte Hilflosigkeit“. Wenn getestet wird, ob der Langzeitgebrauch von Drogen zu Depressionen führt, wird den Ratten diese Droge über Wochen induziert und dann überprüft, wie apathisch sie auf bedrohliche Situationen reagieren. Ebensolche Paradigmen gibt es auch für Angststörungen, Zwangsstörungen und Schizophrenie.
Aber auch am Menschen wird geforscht. Patienten, die drogensüchtig sind oder eine Gehirnverletzung haben, werden in ihrer Performance in Tests und Experimenten verglichen. So können Menschen, deren präfrontaler Cortex beschädigt ist, weniger flexibel auf Regeländerungen in Spielen reagieren, obwohl ihnen diese mitgeteilt wurden und sie diese auch sprachlich verstanden haben.
Sehr interessant sind auch Studien mit Hirnschrittmacherpatienten. Bei Morbus Parkinson zum Beispiel kann eine dauerhafte Elektrode in motorischen Arealen installiert werden, die Strom injiziert und so die unkontrollierten Bewegungen der Patienten normalisiert.

Autor: Lukas  |  Rubrik: studium  |  Mar 3, 2017
Autor: Lukas
Rubrik: studium
Mar 3, 2017

Master live

Faszinierendes aus der Tierwelt

Ein Fachbereich, von dem ich vorher nicht einmal wusste, ist die sogenannte Neuroethologie. Ethologie bedeutet Verhaltensforschung; die Neurotheologie hat zum Ziel, das Verhalten von Tieren bis auf die Ebene neuronaler Schaltkreise nachzuvollziehen.
Jede Woche war ein anderer Wissenschaftler in unserem Seminar zu Gast und hat über seine Forschung mit einer bestimmten Tierart geredet. Natürlich gab es einige Vorlesungen zu Studien mit intelligenten Menschenaffen, vor allen Dingen im Vergleich mit Kindern – das nennt man komparative Entwicklungsforschung. Spannend wurde es für mich, als es um Vögel ging. So erkennen sich Krähen zum Beispiel im Spiegel, was als Zeichen für Selbstbewusstsein gedeutet wird und selbst Kinder erst ab einem bestimmten Alter können! Zudem wird die Fähigkeit zur „Theory of Mind“ ihnen zugesprochen, also die Fähigkeit, Wissen, Gefühle und Überzeugungen anderer Lebewesen zu erkennen und zu interpretieren. Noch beeindruckender fand ich, dass es tatsächlich Papageien gibt, die nach intensivem Training Sprache in produktiver und kreativer Weise benutzen, um ihre Bedürfnisse auszudrücken, also nicht nur Gesprochenes nachplappern. Das ist insbesondere deswegen interessant, weil wir die Fähigkeit zur kreativen Sprache normalerweise nur Menschen zusprechen.
Aber nicht nur Vögel sind interessant, sondern auch Fliegen und Kröten. Bei Fliegen wurde das Gehirn bis auf jedes einzelne Neuron entschlüsselt. Nach diesem Vorbild können Roboter gebaut werden, die Fähigkeiten von Fliegen haben, zum Beispiel sich fliegend durch einen Raum zu navigieren. Und die neuronale Entschlüsselung des Fliegenfangmechanismus von Kröten wird heute zum Bau von intelligenten Fabrikrobotern eingesetzt, die Objekte erkennen und greifen können. Unglaublich spannend! Aber auch ein wenig gruselig manchmal, wie schnell die Wissenschaft vorangeht und wie sehr der Mensch in Genom und Gehirn von Tieren eingreift. Nicht zuletzt aus einer Forschungsethischen Perspektive gegenüber Tieren ist dort meiner Meinung nach eine Grundsatzdiskussion notwendig!

Autor: Lukas  |  Rubrik: studium  |  Feb 27, 2017
Autor: Lukas
Rubrik: studium
Feb 27, 2017