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Master live

Gib mir mal die Salzstreuerin

Autor:
Franca

Rubrik:
studium

26.04.2017

Ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, ist das sogenannte Gendern. Dabei geht es um einen geschlechterbewussten Sprachgebrauch mit dem Ziel einer Geschlechtergleichstellung. Auch wenn es in den vergangenen Jahrzehnten in Sachen Gleichberechtigung einige Fortschritte gab, kann man immer noch nicht von einer vollkommenen Gleichstellung von Mann und Frau sprechen. Frauen verdienen zum Beispiel häufig weniger Geld für die gleiche Arbeit und sind seltener in leitenden Positionen zu finden.
In psychologischen Studien konnte die Verbindung zwischen Sprache und Denken nachgewiesen werden. So können zum Beispiel eine Gruppe Menschen, die im Amazonasgebiet leben, keinen Unterschied zwischen fünf und sechs Nüssen erkennen, da sie in ihrer Sprache nur die Zahlwörter „eins“, „zwei“ und „viele“ haben. Ob es fünf oder sechs Nüsse sind, ist in ihrem Alltag nicht relevant, also haben sie keinen Begriff dafür und demnach auch keine Repräsentation im Denken. Und analog dazu würde ich vermuten, dass es auch schwieriger ist, sich Frauen vorzustellen, wenn von „Lehrern“ gesprochen wird.
Aber formt nun das Denken die Sprache oder die Sprache das Denken? Vermutlich handelt es sich um eine Wechselwirkung. Unser Denken zu verändern, erfordert viel Zeit und Geduld. Sprache hingegen ist sehr wandelbar, aktiv (zum Beispiel durch Wortneuschöpfungen) und ganz von allein über die Jahre. Wenn wir über Generationen hinweg eine geschlechterneutrale Sprache nutzen würden, würde sich die Geschlechterdiskussion wahrscheinlich irgendwann erübrigen. Wenn es dann keine Ungerechtigkeiten mehr gäbe, wäre mir auch die korrekte Sprache nicht mehr so wichtig. Bis es aber soweit ist, finde ich es richtig, „Lehrerinnen und Lehrer“ zu sagen, um nicht die Hälfte der Menschheit auszuschließen.
Ich wünsche mir, dass die Welt eines Tages frei(er) von Diskriminierung und Ungerechtigkeit ist und glaube, dass das Gendern ein erster Schritt in diese Richtung sein kann.

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