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Master live

Philosophie der Psychiatrie

Autor:
Lukas

Rubrik:
studium

15.05.2017

Ich habe im Bachelor Psychologie studiert und voriges Semester in meinem Master das Wahlmodul „Klinische Neurowissenschaften“ belegt. Nun freue ich mich besonders, diese Fachrichtung noch einmal philosophisch betrachten zu können. Aber es ist erst einmal zu klären, was die Psychiatrie macht und wo der Unterschied zur klinischen Psychologie liegt. Beide Disziplinen beschäftigen sich mit psychischen, also seelischen Störungen. Die Psychiatrie ist jedoch ein Teilgebiet der Medizin und die klinische Psychologie eines der Psychologie. Und da liegt der Unterschied: Mediziner gehen mit anderen Methoden vor als Psychologen. Erstere arbeiten vor allen Dingen auf der gehirnbiologischen Ebene, während Letztere Verhaltensexperimente und Fragebögen als Grundlage zum Verständnis des Seelenzustands verwenden. Beide Disziplinen sind sich darin einig, dass psychische Störungen über eine Abweichung im Erleben oder Verhalten zum Durchschnitt der Bevölkerung diagnostiziert werden können.
Aber was sind psychische Störungen? Genau hier kommt die Philosophie ins Spiel. Denn weder die Medizin noch die Psychologie stellen diese Frage. Denn um experimentell forschen zu können, müssen sowohl die Psychiatrie als auch die Psychologie bereits eine Idee davon haben, was psychische Störungen sein könnten, nämlich biologische Erkrankungen des Gehirns. Nicht jeder Mediziner oder Psychologe geht hiervon aus, aber diese Arbeitsdefinition ist Grundlage der Forschung und die Einbettung von neuen Forschungserkenntnissen in bestehende Theorien stützt sich im weitesten Sinne auf biologische Prinzipien.
Aber, ob psychische Störungen ihrer Substanz nach materiell, also im Gehirn verankert sind, ist nicht bewiesen. Damit beschäftigt sich die Philosophie der Psychiatrie unter anderem. Sie versucht, ausgehend vom Verhältnis unserer erlebten Seele zu unserem Körper zu verstehen, wie Störungen im Erleben und Verhalten entstehen und was sie letztlich darstellen.

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