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Master live

Kolonialismus 2.0 - Teil 2

Autor:
Annika

Rubrik:
studium

23.05.2017

Vor meiner Abreise nach Uganda hatte ich einen Blogeintrag über Kolonialismus und Freiwilligendienste und Praktika im Ausland verfasst. Ich hatte damals überlegt, worauf man achten kann, wenn man einen solchen Auslandsaufenthalt plant, und geschrieben, es wäre gut darauf zu achten, welche Aufgaben man übernehmen wird und ob sie tatsächlich den eigenen Fähigkeiten entsprechen. Genauso wichtig ist es, sich klarzumachen, wer von diesem Praktikum profitiert sowie sich mit Rassismus und dadurch entstehende Privilegierungen und Diskriminierungen auseinanderzusetzen.
Diese Liste würde ich jetzt gerne ergänzen, weil mich die Gedanken darüber, ob solche Auslandseinsätze mehr Schaden als Nutzen bringen, sehr beschäftigen.
In Kampalas teureren Kneipen und Clubs wimmelt es nur so vor weißen jungen Menschen. Alle sind sie da, um für ein paar Wochen oder Monate Gutes zu tun. Auch bei Wakisa Ministries, der Organisation bei der ich mein Praktikum gemacht habe, kamen motivierte weiße Praktikantinnen und Freiwillige zur Tür herein und waren kurz Teil des Lebens der Mädchen und der Mitarbeiterinnen bei Wakisa. Alle verlassen sie den Ort nach kurzer Zeit wieder mit dem Versprechen, sich auf jeden Fall zu melden und wiederzukommen. Jedes Mal, wenn eine Freiwillige ein paar Wochen weg war, fragte mich einer meiner Kolleginnen, ob ich von ihr gehört hätte, denn sie hätte auf E-Mails nicht mehr geantwortet. Meine ugandischen Kolleginnen blieben immer enttäuscht zurück. Eine ugandische Sozialarbeiterin sagte mir einmal, sie würde sich nicht mehr die Mühe machen, sich mit den weißen Praktikantinnen anzufreunden. Sie sei es müde, sich immer wieder auf diese einzulassen, wenn sie so schnell wieder weg wären.
Das sind Eindrücke von Sozialarbeiterinnen. Wie muss es erst den Kindern oder Erwachsenen gehen, mit denen diese Freiwilligen arbeiten? Wie erleben Straßenkinder es, wenn sie sich alle sechs Wochen auf neue Menschen einlassen sollen? Menschen, die kurz sehr motiviert Teil ihres Lebens sein wollen, nur um kurze Zeit später in den Flieger in die Heimat zu steigen. Ihre Enttäuschung muss noch viel größer sein als die meiner Kolleginnen.

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