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Master live

Seelisch krank

Autor:
Lukas

Rubrik:
studium

23.05.2017

In den ersten Sitzungen des Wahlmoduls „Philosophie der Psychiatrie“ haben wir uns mit der Frage beschäftigt, was psychische Störungen überhaupt sind. Dabei kamen wir auf drei verschiedene Erklärungen: Entweder sie sind wie körperliche Krankheiten zu verstehen und stellen eine Erkrankung des Gehirns dar, sind lediglich soziale Konstrukte, definiert als eine Abweichung von herrschenden Normen einer bestimmten Gesellschaft, oder sind eher Werkzeuge, in dem Sinne, dass wir psychische Störungen als Grund nutzen, um Menschen möglichst effizient glücklich machen zu können.
Im weiteren Verlauf des Semesters werden wir psychische Störungen in Beziehung zu philosophischen Problemen setzen. Zum Beispiel wirft die Krankheit Demenz, bei der man seine Erinnerungen verliert, die Frage auf, was die Person ausmacht (seht auch meinen Beitrag „Personale Identität“). Suchterkrankungen verweisen auf die Debatte um den freien Willen. Wahnhafte Störungen wie die Schizophrenie, bei der Halluzinationen auftreten, stellen wiederum die Frage nach der individuellen Wahrnehmung von Realität.
Zuletzt beschäftigen sich Philosophen mit den moralischen Aspekten der Psychiatrie. Auf welcher moralischen Grundlage sperren wir seelisch erkrankte Menschen ein? Wenn es nur auf eine statistische Abweichung zum gesellschaftlichen Durchschnitt ankommt, mit welchem Recht therapieren wir Menschen, um einer Norm zu entsprechen? Oder drastischer gefragt: Warum therapieren wir überhaupt Leiden? Warum leiden wir überhaupt und was bedeutet das?
Ich hoffe, zum Ende des Semesters ein paar gute mögliche Antworten auf diese Fragen mit euch teilen zu können.

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