interaktiv

Master live

Freier Wille oder Vorbestimmung?

Autor:
Lukas

Rubrik:
studium

12.06.2017

Das Seminar „Willensfreiheit" ist weder nur Vorlesung, da der Dozent uns immer wieder zwischendurch Fragen stellt, noch ein Seminar, da wir kaum untereinander diskutieren. In einem – aus meiner Sicht – richtigen Seminar säßen nur wenige Studierende im Kreis und versuchen, gemeinsam einen Text zu verstehen. Dafür gefällt mir jedoch sehr gut, dass wir nur kurze, prägnante Textabschnitte lesen. In anderen Seminaren muss man zwischen 20 und 100 Seiten lesen, was es sehr erschwert, in 90 Minuten intensiv über die dort behandelten Themen zu reden.
Inhaltlich haben wir uns bisher vor allem mit der Frage beschäftigt, ob es Freiheit und moralische Verantwortung geben kann, wenn die Welt komplett durch Naturgesetze bestimmt wäre. Dafür werden in der sprachanalytischen Philosophie hauptsächlich Aussagen wie „Sie hätte anders handeln können“ untersucht. Meinen wir damit, dass jemand den Lauf der Welt mit seiner Handlung verändert? Oder meinen wir eher, dass kein Zwang vorlag, aber die Entscheidung der Person trotzdem durch ihre psychologischen und neuronalen Prozesse schon feststand? Wäre das schlecht? Hier gehen die Meinungen auseinander.
Etwas schwierig an dem Seminar ist, dass dort viele Studienanfänger gemeinsam mit uns zwei Masterstudenten sitzen. Denn die philosophischen Bedürfnisse der Neuen sind natürlich ganz andere als unsere. Es braucht viel Zeit, um sich in die philosophische Terminologie und die Art und Weise, wie Debatten geführt werden, einzuarbeiten. So habe ich immer das Gefühl, dass sich die Fragestellungen abwechseln: Entweder generelle Verständnisfragen seitens der Bachelorstudierenden und eine Pädagogik des Einführens bei dem Dozenten oder sehr spezielle Fragen von uns Masterstudenten, die in Zusammenhang mit unseren bisherigen eigenen Arbeiten stehen und die in Fachdiskussionen mit dem Dozenten münden. Andererseits ist es wahrscheinlich gut, die Seminarteilnehmer zu mischen. Denn das bedeutet mehr Auswahl an Seminaren für alle und gegenseitige Lerneffekte zwischen „verbildeten“ Philosophen und Studienanfängern mit einem frischen Geist.

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