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Primatenforschung

Autor:
Lukas

Rubrik:
studium

22.06.2017

Ich besuche in Philosophie ein Seminar, das sich mit der Forschung an Menschenaffen beschäftigt. Dazu lesen wir ein Buch von Michael Tomasello. Er ist Co-Direktor des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, das ich im Rahmen meines Psychologie-Bachelors besuchen durfte. Anthropologie ist die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit dem Wesen des Menschen beschäftigt. Evolutionäre Anthropologie bedeutet, das Wesen des Menschen aus der Evolutionstheorie heraus zu erklären. Also lautet die Frage: Inwiefern haben Menschen Fähigkeiten entwickelt, die ihnen beim Überleben dienten, die es so in der Tierwelt nicht gibt und die uns ausmachen?
Dabei liegt es nahe, den Menschen mit Tieren zu vergleichen, insbesondere mit unserem nächsten Verwandten, den Menschenaffen. Angenommen, Menschenaffen sind unseren gemeinsamen Vorfahren ähnlich. Doch welche Fähigkeiten haben Menschen hinzuentwickelt, die es uns ermöglichen, Hochhäuser und Smartphones zu bauen? Zudem werden Menschenaffen in ihren Fähigkeiten auch mit Menschenkindern verglichen, um zu sehen, welche Unterschiede sich schon in der Kindheit finden lassen. Diese geben möglicherweise einen Aufschluss darüber, was uns von ihnen unterscheidet.
Im Seminar beschäftigen wir uns mit Tomasellos Buch „Origins of Human Communication“. Dort trägt er den momentanen Forschungsstand zusammen und versucht nachzuvollziehen, was uns Menschen nun ausmacht.
Seine Kernthese: Menschen sind kooperativ. Nur in kooperativen Situationen wie gemeinsamer Arbeit konnten sich höhere Fähigkeiten wie Sprache entwickeln. Er führt dafür den Begriff des „common ground“, also Gemeinsamkeit oder direkter übersetzt gemeinsamer Grund, ein. Damit ist gemeint, dass menschliche Kommunikation nur auf der Basis möglich ist, dass uns klar ist, welches Wissen wir teilen. Wenn ich zum Beispiel von einer Freundin weiß, dass ihr Freund sich kürzlich von ihr getrennt hat und er einen roten Roller fährt, und ich dann in ihrer Anwesenheit auf einen roten Roller zeige, weiß sie, dass mein Zeigen etwas mit ihrem Exfreund zu tun haben wird. Es könnte sein, dass ich ihr dann so etwas sagen wollte wie „Achtung, da ist er!". Wenn wir diesen geteilten Grund nicht haben, müsste die Freudin erst einmal überlegen, warum ich auf den Roller zeige. Für die korrekte Interpretation müssen beide wissen, dass sie dieses Wissen teilen. Und das wiederum könnten Menschenaffen nicht. Sie würden ihr Wissen niemals teilen, um einem anderen Affen zu helfen. Dies sei demnach eine speziell menschliche Eigenschaft, so Tomasello.

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