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Master live

Kleidertauschparty

Einmal im Jahr organisiere ich in meiner WG eine Kleidertauschparty. Dafür räume ich mein Zimmer leer, stelle Kleiderstangen auf, breite Decken über Bett und Tisch aus und stelle alle Spiegel auf, die wir in der Wohnung haben. Es gibt selbstgemachten Eistee, Kaffee, Kekse und Nüsse sowie natürlich Musik.
Am Nachmittag kommen dann viele Freundinnen, die alle ihre aussortierten Klamotten dabei haben. Ich selbst sortiere regelmäßig aus, da mir manchmal Kleidungsstücke doch nicht gefallen oder nicht mehr passen. Zum Wegwerfen wären sie zu schade, sie zu verkaufen wäre mir zu viel Arbeit. Also hängen wir alle mitgebrachten Klamotten auf, legen T-Shirts und Röcke aus und wenn alle Teilnehmerinnen da sind, kann’s losgehen!
Dann sucht sich jede unter den vielen Klamotten diejenigen raus, die ihr gefallen und es gibt ein fröhliches, ausgelassenes Anprobieren. Das macht Spaß und man kann gleich ein paar Meinungen zu den anprobierten Neuheiten einholen. Die Party dauert meistens rund zwei Stunden und ist ziemlich witzig. Dieses Jahr habe ich ein neues Kleid, ein T-Shirt und ein Top ergattert. Dafür bin ich meine zu kleinen Ballerinas und einige T-Shirts losgeworden.
Am Ende bleibt leider trotzdem immer ziemlich viel übrig, so auch dieses Mal. Wir wollen zusammen überlegen, was wir Sinnvolles mit den ganzen Klamotten anstellen können. Am liebsten würde ich sie zu einem Frauenhaus bringen, da sie dort sicherlich immer jugendliche Kleidung gebrauchen können. Ansonsten gibt es hier in Leipzig auch Läden, an die man die Kleidung spenden kann und deren Erlös einem gemeinnützigen Verein zugutekommt. Außerdem gibt es Umsonst-Läden, wo man Kleidung, Schuhe, Bücher, Taschen und Co. abgeben kann, die sich andere wiederum umsonst mitnehmen können.
Ich finde es schön, einen Kreislauf zu bilden und die Dinge möglichst lange in Verwendung zu haben, um damit unserer Wegwerfgesellschaft etwas entgegenzusetzen.

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  Jun 28, 2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
Jun 28, 2017

Master live

Internationale Soziale Arbeit - Teil 2

Neben konkreten Studieninhalten war für mich der wesentliche Aspekt im Studium „Internationale Soziale Arbeit“ ein Perspektivwechsel. Zunächst einer auf individueller Ebene – wie ich Menschen und deren Vielfältigkeit wahrnehme, wie sich zum Beispiel meine Einstellung zu und mein Verständnis von Rassismus und Sexismus verändert haben oder wie ich nicht mehr weghören will, wenn jemand eine rassistische oder sexistische Aussage „ja gar nicht so gemeint hat“.
Aber auch mein Denken hinsichtlich globaler Zusammenhänge auf politischer, wirtschaftlicher und sozialer Ebene hat sich verändert. Mir ist es wichtiger geworden zu verstehen, wie die Welt auf diesen Ebenen zusammenhängt und dass Konflikte, Armut oder Kriege keine Naturgewalten sind, die aus dem Nichts entstanden sind, sondern in den meisten Fällen durch Ausbeutung, Unterdrückung und Diskriminierung ausgelöst werden. Mir wird immer klarer, wie unheimlich privilegiert ich bin, einfach nur weil meine Eltern und ich in Deutschland geboren sind. So eine Erkenntnis kann einen angreifen, weil sie die eigene Position infrage stellt. Ich muss mich aber auch nicht permanent schlecht fühlen, weil es mir besser geht als Milliarden anderer Menschen. So ein schlechtes Gewissen wäre falsch, weil es lähmt und letztlich niemandem etwas bringt.
Oft verspüre ich Unruhe. Zum Beispiel, wenn jemand besorgt ist wegen der geflüchteten Menschen in Deutschland und dabei Fluchtgründe außer Acht lässt. Wenn Leute also nicht sehen wollen, dass es Menschen in ihrer Heimat so schlecht geht, weil der Westen den eigenen Wohlstand auf dem Rücken anderer erlangt hat. Oder wenn Menschen sexistische Witze immer noch witzig finden und ignorieren, dass Frauen überall auf der Welt (auch in Deutschland!) benachteiligt, gar unterdrückt werden. Oder, oder, oder. Die Liste an Reizthemen ist lang. Diese Unruhe sollte nicht zu Arroganz führen, die einen dazu bringt, Mitmenschen von oben herab zurechtzuweisen. Ich will mich aber auch nicht zurücklehnen und alles akzeptieren, was mir missfällt.
Mein Studiengang lehrt mich Fakten, die ich weitergeben kann, wenn ich denke, dass Menschen falschliegen. Er öffnet mir die Augen für die Probleme in dieser Welt. Er ermutigt mich, nicht vor Bestürzung zu erlahmen sondern zeigt mir Perspektiven auf, wie ich als Sozialarbeiterin reagieren und damit ein klitzekleines bisschen Veränderung bewirken kann.

Autor: Annika  |  Rubrik: studium  |  Jun 23, 2017
Autor: Annika
Rubrik: studium
Jun 23, 2017

Master live

Primatenforschung

Ich besuche in Philosophie ein Seminar, das sich mit der Forschung an Menschenaffen beschäftigt. Dazu lesen wir ein Buch von Michael Tomasello. Er ist Co-Direktor des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, das ich im Rahmen meines Psychologie-Bachelors besuchen durfte. Anthropologie ist die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit dem Wesen des Menschen beschäftigt. Evolutionäre Anthropologie bedeutet, das Wesen des Menschen aus der Evolutionstheorie heraus zu erklären. Also lautet die Frage: Inwiefern haben Menschen Fähigkeiten entwickelt, die ihnen beim Überleben dienten, die es so in der Tierwelt nicht gibt und die uns ausmachen?
Dabei liegt es nahe, den Menschen mit Tieren zu vergleichen, insbesondere mit unserem nächsten Verwandten, den Menschenaffen. Angenommen, Menschenaffen sind unseren gemeinsamen Vorfahren ähnlich. Doch welche Fähigkeiten haben Menschen hinzuentwickelt, die es uns ermöglichen, Hochhäuser und Smartphones zu bauen? Zudem werden Menschenaffen in ihren Fähigkeiten auch mit Menschenkindern verglichen, um zu sehen, welche Unterschiede sich schon in der Kindheit finden lassen. Diese geben möglicherweise einen Aufschluss darüber, was uns von ihnen unterscheidet.
Im Seminar beschäftigen wir uns mit Tomasellos Buch „Origins of Human Communication“. Dort trägt er den momentanen Forschungsstand zusammen und versucht nachzuvollziehen, was uns Menschen nun ausmacht.
Seine Kernthese: Menschen sind kooperativ. Nur in kooperativen Situationen wie gemeinsamer Arbeit konnten sich höhere Fähigkeiten wie Sprache entwickeln. Er führt dafür den Begriff des „common ground“, also Gemeinsamkeit oder direkter übersetzt gemeinsamer Grund, ein. Damit ist gemeint, dass menschliche Kommunikation nur auf der Basis möglich ist, dass uns klar ist, welches Wissen wir teilen. Wenn ich zum Beispiel von einer Freundin weiß, dass ihr Freund sich kürzlich von ihr getrennt hat und er einen roten Roller fährt, und ich dann in ihrer Anwesenheit auf einen roten Roller zeige, weiß sie, dass mein Zeigen etwas mit ihrem Exfreund zu tun haben wird. Es könnte sein, dass ich ihr dann so etwas sagen wollte wie „Achtung, da ist er!". Wenn wir diesen geteilten Grund nicht haben, müsste die Freudin erst einmal überlegen, warum ich auf den Roller zeige. Für die korrekte Interpretation müssen beide wissen, dass sie dieses Wissen teilen. Und das wiederum könnten Menschenaffen nicht. Sie würden ihr Wissen niemals teilen, um einem anderen Affen zu helfen. Dies sei demnach eine speziell menschliche Eigenschaft, so Tomasello.

Autor: Lukas  |  Rubrik: studium  |  Jun 22, 2017
Autor: Lukas
Rubrik: studium
Jun 22, 2017