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Master live

Erfurt - das neue Berlin?

Wenn Leipzig das neue Berlin ist und Erfurt das neue Leipzig, dann ist Erfurt quasi fast schon Berlin. Zeit wird’s also für alle, die noch in Tübingen, München, Marburg oder gar Stuttgart studieren, nach Erfurt zu kommen!
Ich bin vor knapp zwei Jahren ohne große Erwartungen nach Erfurt gekommen und bin hellauf begeistert. Mit knapp 200.000 Einwohnern hat Erfurt für mich gerade die richtige Größe: Klein genug, um schnell Freunde zu finden und spontan Bekannten über den Weg zu laufen, groß genug, um trotzdem anonym durch die Straßen laufen zu können. Am Wochenende ist immer ein schönes Konzert, eine gute Party, ein sehenswertes Theaterstück oder ähnliches geboten, aber nie so viel, dass einen die Auswahl lähmen würde. Die Mieten sind (noch) billig und wenn Erfurt doch mal nichts zu bieten hat, sind Jena, Weimar oder der Thüringer Wald nicht weit.
Außerdem ist die Erfurter Altstadt wirklich sehenswert: kleine verwinkelte Gassen mit hübschen Häuschen. Die malerische Krämerbrücke mit ihren bunt beblumten Balkonen. Der Stadtteil Venedig (vielleicht auch ein klein wenig zu hoch gegriffen …), idyllisch am Fluss gelegen. Auch der imposante Dom, die vielen Parks und netten Cafés machen die Altstadt zu einem wunderbaren Ort für Touristen und Studierende.
Man wird aber auch fündig, wenn man genug von der Idylle hat. Verlässt man die Altstadt in Richtung Krämpfervorstadt, findet man sich in einem ehemaligen Arbeiterviertel wieder, mit hohen Backsteinhäusern zwischen verlassenen Fabrikgebäuden, die entweder leer eine schöne Fotokulisse bilden oder zum Kulturraum umfunktioniert wurden. Wenn auch das wieder reicht, kann man sich aufs Fahrrad setzen und ist zehn Minuten später am Nordstrand. Das ist ein großer See, in dem man baden und sogar wakeboarden oder einfach am Sandstrand herumliegen und das Leben genießen kann.
Einzig drei Dinge sind für mich als Fränkin ungewohnt. Erstens: der Name Mandy, der überproportional häufig vorkommt. Zweitens: Das Bier, das bei Weitem nicht so gut schmeckt wie das fränkische. Drittens: Die Tatsache, dass Bäcker zum einen keine guten Brezen backen können und zum anderen die Idee, dass man diese mit Butter bestreichen sollte, für absurd halten.
Nimmt man das in Kauf, kann man eine gute Zeit in Erfurt haben, der heimlichen Hauptstadt Deutschlands – hey, auch ich darf übertreiben.

Autor: Annika  |  Rubrik: studium  |  Jul 20, 2017
Autor: Annika
Rubrik: studium
Jul 20, 2017

Master live

Leipzig – Hypezig

Ich wohne nun schon seit fast fünf Jahren in Leipzig und fühle mich hier immer noch pudelwohl. Die Stadt ist einfach wunderschön, vor allem jetzt, wenn es endlich wieder sonnig und warm ist. Es gibt so viele Seen, in denen man kostenlos schwimmen kann (mir ist erst hier klargeworden, dass man nicht zwangsläufig dafür bezahlen muss, um in einem See zu schwimmen). Gefühlt besteht die Hälfte der Stadt nur aus Park. Und die ganzen alten Häuser tragen auch zu Leipzigs ganz besonderem Flair bei.
Ich liebe es, durch den Clara-Park Richtung Westen zu fahren, wo man sich abends gemütlich an den Kanal setzen und einem Straßenmusiker oder einer Straßenmusikerin beim Gitarre spielen zuhören kann. Auf dem Weg dahin kommt man über die Sachsenbrücke, die für Autos gesperrt ist und wo an warmen Sommerabenden hunderte Menschen sitzen, die laue Luft und den Blick auf den Fluss genießen, dabei musizieren, jonglieren, sich unterhalten ...
Ich selbst wohne bisher im Osten der Stadt, wo die Mieten noch günstiger und das Klientel noch gemischter ist. Hier reihen sich Dönerläden, Kunstgalerien, die meist nur ein paar Tage bestehen, „A&V“ (An- und Verkauf-Läden, in denen man günstige gebrauchte Geräte, Bücher und mehr erstehen kann), russische Supermärkte und studentische Szenekneipen aneinander. Sie passen irgendwie gerade wegen ihrer Unterschiedlichkeit gut zusammen.
Im Süden findet man eher den touristischen Teil der Stadt, mit der berühmten Karl-Liebknecht-Straße, der Karli, in der es gefühlt kein Haus ohne Bar drinnen gibt. Hier ist auch die „Feinkost“, ein DDR-Überbleibsel, mit der Löffelfamilie. Das ist ein Leuchtstoffröhren-Bild von einer Familie, die so aussieht, als würde sie Suppe löffeln, wenn abends das Licht angeschaltet wird. Auf der Karli gibt es außerdem viele kleine Läden, wo man für jede Gelegenheit Geschenke, Mitbringsel, besondere selbstgenähte Kleidung und Bastelbedarf jeder Art findet.
Auch Goethe hat es hier anscheinend gefallen: „Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein Klein-Paris und bildet seine Leute.“

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  Jul 10, 2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
Jul 10, 2017

Master live

Zusammenarbeit oder Wettkampf?

Zu fünft sitzen wir in einem kleinen Konferenzraum im Kreis. Im Seminar „Primatenforschung“ gibt es keinen vorgegebenen Stundenplan. Wir überlegen immer gemeinsam, wie weit wir lesen und was wir diskutieren wollen. Wir haben in eineinhalb Monaten das komplette Buch „Origins of Human Communication“ von Michael Tomasello gelesen – es ist immerhin 400 Seiten dick, wissenschaftlich formuliert und auf Englisch. Das Seminar selbst findet auch auf Englisch statt. Nun werden wir Aufsätze lesen, die konträre Thesen zu denen von Tomasello formulieren.
Der Hauptstreitpunkt dürfte sein, ob unsere menschliche Fähigkeit, zu wissen, was andere wissen (und umgekehrt), aus Zusammenarbeit oder aus Wettbewerb heraus entstand. Die Frage scheint erst einmal abstrakt, ist aber sehr wichtig für unser Selbstbild. Denn in der Wirtschaftswissenschaft und der Psychologie wird davon ausgegangen, dass Menschen im Kern auf Wettbewerb ausgerichtet sind. Tomasello wiederum betont, dass wir in erster Linie kooperativ sind und dass unsere kommunikativen Fähigkeiten darin begründet sind. Das scheint erst einmal plausibel.
Ebenso könnte aber auch eine andere Sichtweise zutreffen: Sie geht davon aus, dass es hilfreich war, zu verstehen, dass das Wissen eines Artgenossen ein anderes als das eigene sein kann. So zum Beispiel in folgender Situation: Wenn ich Beute verstecken will, ist es von Vorteil, mir zu überlegen, was der andere denkt, wo ich meine Beute wohl verstecken werde, um sie dort nicht zu verstecken. Diese Taktik könnte daraus resultieren, dass Menschen sowohl in der Situation waren, Beute zu verstecken, als auch in der, versteckte Beute aufzuspüren. Es könnte dann so sein, dass Menschen erst überlegt haben, wo sie die Beute verstecken würden. Und dann in einem zweiten Schritt gelernt haben, dass diese Information nicht ausreicht, weil der andere über anderes Wissen und einen anderen Charakter verfügt und daher anders agiert.
Geteiltes Wissen ist daher wichtig, um in einer Wettbewerbssituation besser dazustehen. Die Theorie besagt, dass kooperatives Verhalten erst in einem dritten Schritt dazu kam, als Menschen durch dieses geteilte Wissen zusammenarbeiteten, um allen einen größeren Nutzen einzubringen. Kooperation wäre demnach auf Basis von Wettbewerb entstanden. Tomasello leugnet genau dies.
Ich hoffe, dass ich zum Ende des Semesters Weiteres zu diesem Theorienkonflikt schreiben kann.

Autor: Lukas  |  Rubrik: studium  |  Jun 30, 2017
Autor: Lukas
Rubrik: studium
Jun 30, 2017