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Master live

Wohnheim auf dem Bauernhof

Zwischen zwei meiner Praktika hatte ich ein paar Wochen frei, in denen ich die ganzen Eindrücke und Erfahrungen erst mal verarbeiten und sortieren konnte. Ich habe die Zeit aber auch genutzt, um ein paar Freundinnen zu besuchen. Unter anderem bin ich dafür nach Osnabrück gefahren, wo eine Freundin von mir studiert. Sie lebt im Studierendenwohnheim. Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber wenn ich Wohnheim höre, habe ich direkt bestimmte Assoziationen im Kopf – leider nicht gerade positive. In meiner Vorstellung (und ich habe das auch schon beobachten können) spielen jeden Abend Betrunkene Wikingerschach vor dem Haus, die Küchen sind ranzig und unordentlich, die Zimmer kahl und ungemütlich.
Meine Freundin jedoch hat großes Glück gehabt: Ihr Wohnheim ist ein ehemaliger Bauernhof, 60 Studierende wohnen dort. Die süßen alten Häuschen, in denen die WGs untergebracht sind, sind alle nach ihrer früheren Benutzung benannt. So gibt es eine WG im Schweinestall, eine andere im Kornspeicher. Die Häuser stehen inmitten von Wiesen und Bäumen, überall gibt es Beete und die Menschen dort haben Hängematten aufgespannt und Lampions in die Bäume gehängt. Hühner und Katzen leben in Massen auf dem Hof und während der zwei Tage, die ich dort war, habe ich einen großen Igel und eine Kröte gesehen. So ein idyllisches Wohnen …
Einmal pro Jahr wird dort ein Hoffest organisiert, das alle zusammen gestalten. Überhaupt gibt es wohl keinen Abend, an dem nicht irgendwer irgendwas organisiert, man kann sich immer mit ans Lagerfeuer setzen, zusammen kochen oder grillen, in der Sonne liegen, am Hühnerstall mitbauen, und und und. Eine wirklich schöne Gemeinschaft und für mich die Traumvorstellung vom WG- und Studi-Leben. Die Kehrseite ist hingegen, dass sich die Verantwortung für bestimmte Dinge bei 60 Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern sehr leicht verläuft. So bleiben die Überreste vom Hoffest eben doch länger als nötig liegen und es sind immer dieselben zehn Personen, die sich für bestimmte Aufgaben bereit erklären. So ein Zusammenleben will gut organisiert sein, das merke ich ja schon in meiner kleinen, überschaubaren Dreier-WG!

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  Jul 31, 2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
Jul 31, 2017

Master live

Erfurt - das neue Berlin?

Wenn Leipzig das neue Berlin ist und Erfurt das neue Leipzig, dann ist Erfurt quasi fast schon Berlin. Zeit wird’s also für alle, die noch in Tübingen, München, Marburg oder gar Stuttgart studieren, nach Erfurt zu kommen!
Ich bin vor knapp zwei Jahren ohne große Erwartungen nach Erfurt gekommen und bin hellauf begeistert. Mit knapp 200.000 Einwohnern hat Erfurt für mich gerade die richtige Größe: Klein genug, um schnell Freunde zu finden und spontan Bekannten über den Weg zu laufen, groß genug, um trotzdem anonym durch die Straßen laufen zu können. Am Wochenende ist immer ein schönes Konzert, eine gute Party, ein sehenswertes Theaterstück oder ähnliches geboten, aber nie so viel, dass einen die Auswahl lähmen würde. Die Mieten sind (noch) billig und wenn Erfurt doch mal nichts zu bieten hat, sind Jena, Weimar oder der Thüringer Wald nicht weit.
Außerdem ist die Erfurter Altstadt wirklich sehenswert: kleine verwinkelte Gassen mit hübschen Häuschen. Die malerische Krämerbrücke mit ihren bunt beblumten Balkonen. Der Stadtteil Venedig (vielleicht auch ein klein wenig zu hoch gegriffen …), idyllisch am Fluss gelegen. Auch der imposante Dom, die vielen Parks und netten Cafés machen die Altstadt zu einem wunderbaren Ort für Touristen und Studierende.
Man wird aber auch fündig, wenn man genug von der Idylle hat. Verlässt man die Altstadt in Richtung Krämpfervorstadt, findet man sich in einem ehemaligen Arbeiterviertel wieder, mit hohen Backsteinhäusern zwischen verlassenen Fabrikgebäuden, die entweder leer eine schöne Fotokulisse bilden oder zum Kulturraum umfunktioniert wurden. Wenn auch das wieder reicht, kann man sich aufs Fahrrad setzen und ist zehn Minuten später am Nordstrand. Das ist ein großer See, in dem man baden und sogar wakeboarden oder einfach am Sandstrand herumliegen und das Leben genießen kann.
Einzig drei Dinge sind für mich als Fränkin ungewohnt. Erstens: der Name Mandy, der überproportional häufig vorkommt. Zweitens: Das Bier, das bei Weitem nicht so gut schmeckt wie das fränkische. Drittens: Die Tatsache, dass Bäcker zum einen keine guten Brezen backen können und zum anderen die Idee, dass man diese mit Butter bestreichen sollte, für absurd halten.
Nimmt man das in Kauf, kann man eine gute Zeit in Erfurt haben, der heimlichen Hauptstadt Deutschlands – hey, auch ich darf übertreiben.

Autor: Annika  |  Rubrik: studium  |  Jul 20, 2017
Autor: Annika
Rubrik: studium
Jul 20, 2017

Master live

Leipzig – Hypezig

Ich wohne nun schon seit fast fünf Jahren in Leipzig und fühle mich hier immer noch pudelwohl. Die Stadt ist einfach wunderschön, vor allem jetzt, wenn es endlich wieder sonnig und warm ist. Es gibt so viele Seen, in denen man kostenlos schwimmen kann (mir ist erst hier klargeworden, dass man nicht zwangsläufig dafür bezahlen muss, um in einem See zu schwimmen). Gefühlt besteht die Hälfte der Stadt nur aus Park. Und die ganzen alten Häuser tragen auch zu Leipzigs ganz besonderem Flair bei.
Ich liebe es, durch den Clara-Park Richtung Westen zu fahren, wo man sich abends gemütlich an den Kanal setzen und einem Straßenmusiker oder einer Straßenmusikerin beim Gitarre spielen zuhören kann. Auf dem Weg dahin kommt man über die Sachsenbrücke, die für Autos gesperrt ist und wo an warmen Sommerabenden hunderte Menschen sitzen, die laue Luft und den Blick auf den Fluss genießen, dabei musizieren, jonglieren, sich unterhalten ...
Ich selbst wohne bisher im Osten der Stadt, wo die Mieten noch günstiger und das Klientel noch gemischter ist. Hier reihen sich Dönerläden, Kunstgalerien, die meist nur ein paar Tage bestehen, „A&V“ (An- und Verkauf-Läden, in denen man günstige gebrauchte Geräte, Bücher und mehr erstehen kann), russische Supermärkte und studentische Szenekneipen aneinander. Sie passen irgendwie gerade wegen ihrer Unterschiedlichkeit gut zusammen.
Im Süden findet man eher den touristischen Teil der Stadt, mit der berühmten Karl-Liebknecht-Straße, der Karli, in der es gefühlt kein Haus ohne Bar drinnen gibt. Hier ist auch die „Feinkost“, ein DDR-Überbleibsel, mit der Löffelfamilie. Das ist ein Leuchtstoffröhren-Bild von einer Familie, die so aussieht, als würde sie Suppe löffeln, wenn abends das Licht angeschaltet wird. Auf der Karli gibt es außerdem viele kleine Läden, wo man für jede Gelegenheit Geschenke, Mitbringsel, besondere selbstgenähte Kleidung und Bastelbedarf jeder Art findet.
Auch Goethe hat es hier anscheinend gefallen: „Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein Klein-Paris und bildet seine Leute.“

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  Jul 10, 2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
Jul 10, 2017