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Master live

Urlaub in der Bibliothek

Autor:
Annika

Rubrik:
studium

23.08.2017

Es ist Ende August und damit Haupturlaubssaison. Gefühlt hat die für mich Anfang Juli begonnen. Nicht, weil ich seit Anfang Juli faulenzen würde, sondern weil sich seitdem das Gefühl eingestellt hat, dass alle in den Urlaub fahren, das Leben und Wetter genießen und es sich gut gehen lassen.
Alle, außer mir! Ich schreibe diese Worte nicht von meinem Balkon aus, auch nicht vom Strand in Südfrankreich oder gar aus einem Hostel in Thailand. Mein Blick schweift nicht über irgendwas Schönes wie eine Wiese, einen See oder gar das Meer. Meine Füße scharren nicht im Sand oder planschen im Wasser. Die Luft riecht nicht nach Salzwasser oder Gebirgssee. Nein, in meinem Blickfeld befindet sich neben meinem Laptop einzig eine Holzwand, unter mir pflegeleichter Teppichboden und hinter mir Bücherregale. Die Luft ist leicht stickig. Keine Kunst zu erraten, wo ich mich gerade befinde: Ich sitze in einer Bibliothek.
Wo es unter dem Semester und während der Prüfungsphase gern mal hoch hergeht und Sitzplätze zur Mangelware werden, herrscht zu dieser Jahreszeit Flaute. Ganze Lesesäle könnte ich für mich haben. Es gibt immer ein leeres Schließfach. Alle Bücher stehen da, wo sie sollen und die Bibliothekare freuen sich, richtet man ein Anliegen als sie.
Die Ansage eines Wetterdienstes verrät mir, dass draußen angenehme 25 Grad herrschen. Im Gegensatz dazu ist es drinnen eiskalt. Die Mitarbeitenden der Unibibliothek scheinen allesamt aus Nordfinnland zu stammen. Anders kann ich mir die frostigen Temperaturen in den Lesesälen nicht erklären. Während man es draußen im Sommeroutfit gut hat, sitze ich im Lesesaal mit einem Schal und überlege, ob ich die vorsorglich eingepackte Fleecejacke aus dem Schließfach holen sollte. Meine aktuelle Erkältung habe ich mit Sicherheit vom Sitzen in der Bibliothek bekommen.
Ich versuche, mir einzureden, dass mir die anderen zwar einige schöne Urlaubserlebnisse voraushaben, ich aber dafür ganz viel schaffe. Die Tatsache, dass ich diesen Blogbeitrag schreibe, während ich doch arbeiten soll, verrät aber auch, dass ich bis auf meine Erkältung nicht sehr viel erreicht habe.
Ich muss Schluss machen, meine Hände sind eiskalt. Ich hole mir Handschuhe für drinnen, esse aber draußen erst mal ein Eis!

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