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Master live

Selbstverständliche Freundschaftsdienste

Es ist schön, zu wissen, was man kann. Und noch schöner ist es, dafür auch von anderen wertgeschätzt zu werden. Das Problem dabei ist nur, dass man um den einen oder anderen Freundschaftsdienst somit nicht herumkommt. Mein Bruder, der längere Zeit als Garten- und Landschaftsbauer gearbeitet hat, muss unserem Vater den Rasen mähen, und ein ehemaliger Klassenkamerad, der für seine Dienste als IT-Techniker sonst 190 Euro pro Stunde abrechnet, repariert meiner Mitbewohnerin kostenlos ihren alten PC. Ich hingegen bin weder handwerklich noch technisch sonderlich begabt. Stattdessen studiere ich inzwischen im Master Deutsche Philologie und auch, wenn dabei nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist, wie ich Freunden und Familie zur Hand gehen kann, werde ich regelmäßig um Hilfe gebeten.
Mein Angebot reicht vom Schreiben von Bewerbungen bis hin zum formalen und inhaltlichen Korrigieren von Haus- und Abschlussarbeiten. Manches ist nur ein kurzer Job für zwischendurch, anderes gestaltet sich eher wie eine Lebensaufgabe – besonders, wenn der Verfasser selbst seine Deadline bis zum letzten Rest ausgereizt hat. Trotzdem ist das etwas, was ich gerne mache. Nicht nur, weil es schön ist, jemandem einen Gefallen zu tun, sondern auch, weil es mir Spaß macht, mit Wörtern und Sätzen zu jonglieren.
Besonders schön ist das Ganze aber natürlich, wenn man für seine Arbeit und die investierte Zeit und Mühe mit Lob und Anerkennung entlohnt wird. Erst letztens meinte mein Bruder, für den ich einen ganzen Haufen Bewerbungsschreiben verfasste, dass ich dafür Geld nehmen sollte. Und auch mein bester Freund, dem ich an so manchen Samstag- oder Sonntagabend vor der Abgabefrist aus der Patsche geholfen hatte, sagte, dass er mich beim nächsten Mal für meine gute Arbeit bezahlen werde. Der Gedanke, für so etwas Geld von einem Freund zu nehmen, fühlt sich komisch an. Aber wieso eigentlich? Anderswo verdienen sie nicht gerade schlecht an Dienstleistungen wie diesen. Wäre es also nun, nach fünf Jahren Studium, diversen Jobs und Praktika, nicht endlich an der Zeit, meine Leistung auch finanziell zu entlohnen? Ich denke, die anderen haben Recht. Man stellt sein Licht viel zu oft unter den Scheffel und immerhin nehme ich mir viel Zeit für das, was ich nebenher tue. Wie heißt es so schön: Zeit ist Geld. Und auch, wenn ich das nicht guten Gewissens aus den Taschen meiner Freunde holen will, wäre dies ja vielleicht ein netter Nebenverdienst.

Autor: Noelle  |  Rubrik: studium  |  Oct 4, 2017
Autor: Noelle
Rubrik: studium
Oct 4, 2017

Master live

Wie nach dem Abi

Zwischen meiner mündlichen Prüfung und dem Beginn meines Masterstudiums in Brügge hatte ich noch vier Wochen, in denen ich (fast) komplett frei hatte. Es war ein bisschen wie nach dem Abitur: Die schwierigen Klausuren sind geschafft, man hat die Note bekommen und muss nichts weiter tun, als entspannt auf den nächsten Lebensabschnitt zu warten, für den man schon Vorbereitungen getroffen hat und der unweigerlich kommt – besser geht’s kaum.
Allerdings hatte ich es noch nicht ganz realisiert, dass der Lebensabschnitt „Jurastudium in Hamburg“ jetzt vorbei sein sollte. Es waren schließlich fünf ziemlich intensive Jahre, in denen ich viele enge Freundschaften geschlossen habe, durch Höhen und Tiefen gegangen bin, an Jura verzweifelt bin und aufgrund der verschiedenen Herausforderungen auch an Stärke gewonnen habe. Es war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Erwachsenwerden: von zu Hause ausziehen, alleine Entscheidungen treffen, Dinge selbst regeln. Es waren fünf Jahre, in denen ich mir eine neue Heimat geschaffen habe.
Diese Heimat verlasse ich jetzt und weiß noch nicht, wo ich nach meinem Masterstudium landen werde. Viel Ungewissheit ist dabei, aber diese Ungewissheit bedeutet auch Freiheit. Da alles offen ist. Alles ist und bleibt weiterhin möglich. Noch so viel vom Leben vor mir steht und ich noch so viele spannende und interessante Möglichkeiten haben werde.
Und so haben sich die „zum letzten Mal dies und das machen“-Momente immer mehr gehäuft, genauso wie die Umzugskisten in meinem Zimmer. Noch eine kleine Abschiedsfeier mit meinen Freunden, ein letztes Mal Franzbrötchen frühstücken und schon war alles überraschend schnell im Umzugswagen verstaut.
Brügge, ich komme.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Sep 29, 2017
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Sep 29, 2017

Master live

Umgang mit Traumatisierten

Innerhalb meines Praktikums beim Psychosozialen Zentrum für Geflüchtete habe ich die Projektleiterin zu einer Schulung begleitet, die sie angeboten hat. Das Thema war der Umgang mit traumatisierten Menschen und wurde als Teil einer Weiterbildung im Bereich Beratung für Migration und Integration angeboten.
Zunächst ging es um Traumata, wie diese entstehen, wie sie ausgelöst werden können und welche Bedingungen dazu beitragen, dass das Erleben eines traumatischen Ereignisses eine Traumafolgestörung nach sich ziehen kann. Wir sprachen über verschiedene Formen von Stress und deren Auswirkungen auf die menschliche Psyche. Wir alle kennen Stress, erleben ihn fast täglich in unserem Alltag. Wichtig ist aber, auch Phasen zu haben, in denen wir entspannen können und in denen das Stresslevel sinkt. Stress an sich ist nicht zwangsläufig negativ, es muss nur ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Stress und Entspannung bestehen.
Wenn Menschen traumatisierende Erfahrungen gemacht haben, muss man im Umgang mit ihnen einige Dinge beachten. Zum Beispiel kann es ungünstig sein, zu intensiv nach dem Ereignis zu fragen, weil man damit schlimme Erinnerungen wieder hochholt. Das kann die betroffene Person so sehr aufwühlen, dass es sie einige Tage oder Wochen in ihrem Alltag total einschränkt. Dann kann es zum Beispiel zu Schlafstörungen, Aggressionen und Ärger, Selbstverletzung, Flashbacks, Albträumen und sogar zu Dissoziationen kommen. Bei einer Dissoziation verlässt die Person mit ihrem Geist ihren Körper, sieht sich selbst sozusagen aus der Außenperspektive. Dadurch nimmt sie Abstand von dem Geschehenen (oder in dem Moment Erinnerten), um die schlimme Erfahrung von sich fernzuhalten.
Ich finde es toll, dass Menschen sich in diesem Bereich schulen lassen und mehr über Traumata und Traumafolgestörungen erfahren wollen. So fällt es leichter, diese Störung zu erkennen und dann auch zu behandeln.

Autor: Franca  |  Rubrik: studium  |  Aug 29, 2017
Autor: Franca
Rubrik: studium
Aug 29, 2017