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Master live

Erstitage

Autor:
Annika

Rubrik:
studium

17.10.2017

Das Semester hat begonnen. Der Campus und die Bibliothek werden von unzähligen, leicht verwirrt dreinblickenden Studierenden bevölkert. In Gruppen laufen sie umher, blicken entgeistert auf den Campuslageplan und vergessen, vor der Bibliotheksführung ihr Handy lautlos zu stellen. Es sind wieder Erstsemestereinführungstage!
Ich muss an meine eigenen Erstitage zurückdenken, sechs oder sieben Jahre müssten die nun her sein. Auf dem Weg von der Einführungsveranstaltung für mein Nebenfach Musikpädagogik zur Einführung in die Stundenplanerstellung hat mir da tatsächlich ein Vogel auf den Kopf gekackt. Ich war den Tränen nahe, doch meine Kommilitonin Linda, die ich erst kurz zuvor kennengelernt hatte, schien keinen Ekel zu kennen und entfernte kurzerhand die Spuren auf meinem Kopf. Linda und ich wurden zwar nie enge Freundinnen, dennoch habe ich mich während meines ganzen Studiums immer gefreut, sie zu sehen, und ihr dankbar zugelächelt.
Meine ersten Tage an der Uni fand ich verwirrend. Tagelang saß ich an der Erstellung meines Stundenplans. Woher sollte ich auch wissen, was genau mich interessiert? Das durfte ich mir die 13 Jahre zuvor ja auch nicht aussuchen. Viele neue Menschen umgaben mich und alle schienen zu wissen, was sie wollen. Zum Glück habe ich schnell Carla getroffen, der es wie mir ging. Vermutlich waren sogar sehr viele ganz schön aufgeregt, nur die meisten geben es nicht zu.
Ich frage mich, was in all den Köpfen der Erstis vorgeht, die gerade an mir vorbeigewuselt sind. Habe ich das Zimmer in der coolen WG bekommen? Muss ich die Bücher auf der Literaturliste wirklich alle komplett lesen? Wasche ich Handtücher bei 60 oder bei 90 Grad? Soll ich zur Stadtrallye gehen oder ist das uncool? Hier sitze ich nach einigen Semestern Studium und freue mich, dass ich eine schöne WG habe, vieles gelesen habe, aber sicher nicht alles, was auf diesen Listen stand, ich Wäsche waschen kann und nie auf eine Erstistadtrallye gegangen bin.
Manches werde ich vermissen, wenn in ein paar Monaten mein Studium vorbei ist. Die Aufregung, etwas ganz Neues zu probieren. Sich zum ersten Mal in allen Entscheidungen so frei zu fühlen. Viele neue Menschen auf einmal kennenzulernen. Meine Tage frei zu gestalten. Ein Seminar sausen zu lassen, wenn die Sonne scheint oder es Montagmorgen ist. Wenn du das hier liest und gerade dein Studium beginnst: Genieße es, vor dir liegen verrückte schöne Jahre!

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