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Master live

Alte Denkweisen hinterfragen

Autor:
Annika

Rubrik:
studium

14.11.2017

Ich wünschte, ich hätte bereits zu Studienbeginn einige in der Schule antrainierte Denkweisen hinter mir gelassen.
Da wäre zum Beispiel das Schuldenken, dass jeder Unterricht stets langweilig ist – das stimmt nämlich nicht. Das Schöne am Studium ist ja, dass man sich endlich mit den Themen und Fächern beschäftigen darf, die einen wirklich reizen. Natürlich ist es nicht so leicht, diese Einstellung loszuwerden. Aber da muss man sich klarmachen: Ich habe mir dieses Fach freiwillig ausgesucht, weil ich mich damit intensiv auseinandersetzen möchte. Und nur, weil Lernen in der Schule genervt hat, muss es das nicht auch an der Uni.
Mich hat im ersten Semester zudem die Frage umgetrieben, ob ich an der Uni bestehen werde, nur weil ich das Abitur geschafft habe. Denn am Ende des ersten Semesters trifft es alle: Leistungsdruck, Prüfungsangst, Panik. Für meine ersten Prüfungen habe ich deshalb wochenlang nur am Schreibtisch gesessen und gelernt. Der Höhepunkt war sicherlich, als ich auf dem Fahrrad sitzend Vokabelkarten gepaukt habe, weil ich jede Minute nutzen wollte. Die Arbeit hat sich notentechnisch gelohnt, aber ich hatte keinen schönen Sommer. Und ich lernte: Die schulisch anerzogene Notenfixierung darf man an der Uni in gewissem Maße hinter sich lassen. Diese entspanntere Einstellung hat sich bei mir im Laufe des Studiums mehr und mehr eingestellt, mit dem positiven Effekt, dass ich mein Leben mehr genießen konnte. Nein, ich muss mein Studium nicht abbrechen, nur weil ich durch eine Klausur gerasselt bin. Und niemand reißt mir den Kopf ab, weil ich bei einem Referat mal eine Frage nicht beantworten kann. Leider gibt es auch ein Aber. Denn dass Noten nicht völlig unerheblich sind, wurde mir bei meiner Bewerbung für den Master schlagartig klar. Mein Fazit: Prüfungen sollte man ernst nehmen – aber sommerliche Ausflüge an den See oder Teetrinken und Faulenzen im Sommer gehören dazu.
Und noch einen jahrelang vermittelten Grundsatz gilt es zu überwinden. Nämlich den, dass die Sichtweise meines Lehrenden die einzig richtige ist. Ich habe im Bachelor „Allgemeine Pädagogik“ studiert und im Nachhinein fällt mir auf, wie unkritisch gelehrt wurde. Kritische Theorien oder Pädagogen, die sich gegen den Mainstream wenden, kamen kaum zur Sprache. Selbst zu hinterfragen ist gerade am Anfang nicht leicht, aber im Studium geht es genau darum: sich eine eigene Meinung bilden, kritisieren und Ideen entwickeln.

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