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Master live

Forscherin oder Therapeutin?

Autor:
Maja

Rubrik:
orientieren

21.11.2017

Vor gut drei Jahren startete ich mein Psychologiestudium. Ich hatte mich vor allem deshalb dafür entschieden, weil ich das Fach inhaltlich sehr interessant fand. Das erscheint logisch, doch tatsächlich ist das bei sehr anwendungsorientierten Studiengängen wie Medizin und Psychologie nicht immer so. Viele Studierende wählen diese Fächer wegen des Berufs, der zu dem Studium berechtigt. Ich selbst fand und finde psychologische Grundlagenforschung, wie allgemeine und kognitive Psychologie besonders spannend. Hier geht es um Themen wie Aufmerksamkeit, Emotionen, Wahrnehmung, Sprache und Denken. Klinische Psychologie dagegen reizte mich nicht. Da ich während des Bachelorstudiums in die Forschung gehen wollte, habe ich als studentische Hilfskraft am Max-Planck-Institut gearbeitet und dort eine recht umfangreiche Bachelorarbeit geschrieben.
In den vergangenen Wochen stellte ich meinen Plan allerdings infrage. Das kommt vor allem daher, dass wir jetzt im Master zwei wahnsinnig gute Dozentinnen in klinischer Psychologie haben. Die Professorin kann einen mit handfesten Fakten für das Fach begeistern und die Seminarleiterin punktet mit ihrem praktischen Wissen. Außerdem haben wir noch ein Modul namens „Gutachten“, in dem wir das erste Mal selbst ein Gutachten stellen werden, zum Beispiel zur Diagnose einer Lese-Rechtschreib-Schwäche, zu einer Sorgerechtsentscheidung oder im Bereich Forensik. Durch all diese Veranstaltungen mit starkem klinischen Praxisbezug habe ich Lust bekommen, später etwas Praktisches zu tun und Verantwortung zu tragen. Das tut man natürlich auch in der Forschung, aber man arbeitet irgendwie auf eine andere Art und Weise.
Weil ich mich nicht entscheiden kann und will, würde ich die beiden Bereiche gerne kombinieren - vielleicht Forschung im Bereich klinische Psychologie mit einem kognitionswissenschaftlichen Ansatz? Das Problem ist, dass man nach einem abgeschlossenen Psychologiestudium zwar Psychologin ist, aber nicht Therapeutin. Um sich als psychologische Therapeutin niederlassen zu dürfen, muss man eine drei- bis fünfjährige Therapieausbildung machen. Doch während dieser Zeit verdient man in der Regel nichts, man muss die Weiterbildung sogar selbst bezahlen. Wenn man als Therapeutin und in der Forschung tätig sein will, steckt man ein bisschen in einer finanziellen und zeitlichen Zwickmühle. Man kann zwar auch ohne die Therapieausbildung klinisch als Psychologin arbeiten, aber dann nur als angestellte Psychologin. Am Ende werde ich mich doch zwischen klinischer Tätigkeit und Forschung entscheiden müssen.

 

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