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Master live

Sklavenhandel am Londoner Hafen

Autor:
Franca

Rubrik:
studium

17.04.2019

Während meines Besuchs in London habe ich einen Tag alleine verbracht, weil meine Freundin Veranstaltungen an der Uni besuchte. Ich bin zu den Docklands gegangen, einem Stadtteil im Osten. Die namensgebenden Docks waren früher Teil des Londoner Hafens. Davon ist nicht mehr viel zu sehen, denn das Viertel wurde saniert und besteht heute vor allem aus schicken Geschäften, Restaurants und Wohnungen.
Nachdem ich ein paar Stunden durch die Gassen und an den Kanälen entlang spaziert bin, habe ich das dortige Museum besucht, das die Geschichte des Hafens aufbereitet. In dieser riesigen Ausstellung hat mich am meisten der Teil interessiert, der sich kritisch mit der kolonialen Vergangenheit Englands auseinandersetzt. Es wurde aufgezeigt, dass der heutige Reichtum Großbritanniens hauptsächlich auf der Ausbeutung kolonialisierter Länder basiert. Dabei ging es nicht nur um die Aneignung von Rohstoffen, wie etwa Zucker, sondern auch darum, wie Zehntausende von Menschen verschleppt wurden, um als Sklaven verkauft und ihr Leben lang ausgebeutet zu werden. Dabei wurden Familien getrennt, Menschen misshandelt und wie Ware behandelt.
Mir ist aufgefallen, wie unkritisch und unreflektiert heute teilweise immer noch mit dieser Tatsache umgegangen wird. Ein sehr reicher, einflussvoller Mann, der zu Hochzeiten über 500 Sklaven besaß, wird bis heute mit einer Statue im Hafengebiet geehrt – ohne jeglichen kritischen Kommentar! Ich finde, bei vielen Denkmalen und Statuen, auch in Deutschland, sollten die Inschriften mal überprüft werden. Denn teilweise bilden diese Inhalte eine Perspektive ab, die einfach nicht mehr zeitgemäß ist.

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