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Städtetrip statt Buchmesse

Autor:
Moni

Rubrik:
studium

15.04.2020

Eigentlich wäre ich im März zur Leipziger Buchmesse gefahren. Zusammen mit sechs Freundinnen aus der Uni hatten wir alles geplant, das Zugticket und ein wunderschönes airbnb in der Innenstadt gebucht. Wochenlang freuten wir uns auf diese gemeinsame Reise, bis es plötzlich hieß, dass die Messe aufgrund des Corona-Virus abgesagt werden musste. Schnell stand jedoch fest: Die Freude wollten wir uns nicht nehmen lassen und fuhren trotzdem nach Leipzig. Zu dem Zeitpunkt gab es noch keine Ausgangsperre.
Anstatt den Tag inmitten tausender Menschen zu verbringen, fuhren wir in einem fast leeren Zug nach Sachsen und freuten uns darauf, ohne Stress und Zeitdruck durch die Stadt zu schlendern. Wann hat man schon die Gelegenheit dazu? Als es anfing zu regnen, gingen wir gemütlich Kaffee trinken, besuchten danach das Museum der bildenden Künste und aßen bei einem Italiener zu Mittag. Obwohl wir eine recht große Gruppe waren, fühlte es sich an, als wären wir schon etliche Male gemeinsam verreist. Alles verlief sehr harmonisch und jede von uns übernahm einen Teil: Eine von uns war für die Orientierung in der Stadt zuständig, eine hatte den Vorschlag mit dem Museum eingebracht, eine hatte für den Abend Tickets für eine Lesung reserviert, ich hatte mich um unsere Unterkunft gekümmert…
Es ist ein Wunder, dass die Lesung, zu der wir am Abend gingen, überhaupt stattfand. Bestimmt über hundert Menschen waren dort, um den Autor aus seinem neuen Buch lesen zu hören. Letztendlich stellten wir sieben fest, dass wir nicht unbedingt zur Zielgruppe des Romans gehörten, aber es war dennoch angenehm, seiner Stimme zuzuhören und etwas zu entspannen. Zurück im airbnb quatschen wir bis spät abends.
Hätte die Buchmesse stattgefunden, wäre die Reise ganz anders verlaufen. Wahrscheinlich hätten wir gar nicht die Gelegenheit gehabt, so viel zu reden und den Tag nach unserem Rhythmus und unseren Bedürfnissen zu gestalten. Ich wünschte zwar, ich hätte auch dieses Jahr auf der Leipziger Buchmesse sein können und mich mit den Buchmenschen getroffen, die ich nur bei solchen Veranstaltungen sehe, aber dafür hatten wir die Zeit und Ruhe, uns und Leipzig besser kennenzulernen.

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