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Negative Weihnachten

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

24.12.2020

„Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt getestet würde. Und jedermann ging, daß er sich testen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.“

So oder so ähnlich könnte der Beginn der Weihnachtsgeschichte (die sich ja generell derzeit zum Umschreiben eignet, man denke nur an Maria und Joseph, die im Lockdown ein freies Hotel suchen) im Jahre 2020 klingen. Wie auch in anderen Ländern fanden in Österreich im Dezember freiwillige Corona-Massentests statt. Und da auch ich auf mein Ergebnis gespannt und ein wenig neugierig über den Ablauf des Tests war, machte ich mich auf – nicht in das „jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem“, sondern nach zuvor erfolgter Online-Anmeldung mit der U-Bahn zur Wiener Messe.
Nachdem ich mit einer FFP2-Maske ausgestattet wurde, ging es durch einen abgesteckten Weg zur entsprechenden Messehalle. Ordner standen am Wegrand, Militärfahrzeuge, weiße Zelte. In Messehalle C wurde ich schnell einem der durch Stellwände abgetrennten Bereiche zugewiesen. Nach zweimaligem Händedesinfizieren, Vorlage von Anmeldung und Ausweis wurde ich gebeten, auf einem Stuhl Platz zu nehmen und mir nochmal gründlich die Nase zu putzen. Dann kam eine Person in weißem Overall, über der FFP2-Maske noch einmal ein Gesichtsschutz, kein Körperteil war unbedeckt. In ihrer Hand: Der Test. Dass so ein Antigen-Schnelltest über die Nase unangenehm sei, das hatte ich bereits gehört. Als sich der Stab dann aber durch meine Nase gefühlt in mein Gehirn bohrte, war ich dennoch recht überrascht. Ein überaus unangenehmes Gefühl. Doch wohl gar nichts, gegen Marias Wehen vor 2.000 Jahren (die komischerweise im Bibel-Text fehlen).
Als ich auf einem anderen Stuhl Platz nahm, um auf mein Testergebnis zu warten, schaute ich mich in der Messehalle um. Eigentlich mag ich Messen, den Trubel, die vielen umherschwirrenden Leute, irgendwo zwischen Geschäftsgespräch und Kugelschreibereinsacken. In dieser Messehalle jedoch, war es eigenartig leer und leise. Die einzelnen Teststationen lagen weit auseinander. Die Soldaten waren in ihren Uniformen unter den Masken ob der Einheitsfrisuren kaum zu unterscheiden. Die Personen, die den Test abnahmen, hatten entweder ein rotes Kreuz auf der Brust oder den Aufdruck „Arzt“. Es wirkte alles provisorisch in dieser Messehalle, schnell aufgestellte Tische und aufgeklappte Laptops.
Die Frau neben mir wurde positiv getestet und unterhielt sich mit dem Arzt, bevor sie von einem Soldaten in eine andere Messehalle zur Nachtestung gebracht wurde. Mich überkamen Gedanken an Krieg und Apokalypse, aus denen ich geweckt wurde, als mein Name aufgerufen wurde. „Ihr Ergebnis ist negativ“, sagte der Soldat und übergab mir ein abgestempeltes und unterschriebenes Blatt Papier mit dem entsprechenden Vermerk.
„Negativ“, das Wort der Stunde. Auch wenn ein Schnelltest keine hundertprozentige Sicherheit bringt, nicht infiziert zu sein, werde ich mich vor Weihnachten noch einmal der ausgiebigen Nasenmassage unterziehen, denn die Testungen bleiben hier in Wien nach wie vor kostenlos und für jeden zugänglich. Und so frisch getestet jauchzt und frohlockt es sich doch gleich viel besser – wenn auch nur in kleiner Runde.

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