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Master live

Nachtasyl

Es ist schon dunkel, aber ich gehe noch ins Tagasyl. Unten, im Nachtasyl, geht es wohl erst ab Mitternacht so richtig los, erzählt man mir später. Das Nachtasyl ist eine Institution in der Wiener Kneipenszene. Und vor allem: Der Treffpunkt der Tschechen hier in Wien. Seit 1987 besteht die Wirtschaft und war vor der Samtenen Revolution Sammelstelle für alle Exil-Tschechen. Und so musste freilich auch ich als Tschechophiler nun die Kult-Kneipe aufsuchen. „Ist hier noch frei?“ – „Prosím!“ Menschen wechseln fließend zwischen Wienerisch und Tschechisch. Man kennt sich hier. Nur mich kennt keiner. An der Wand eine Ausstellung eines tschechischen Künstler. Pilsner Urquell wird ausgeschenkt, wie sich das für eine tschechische Wirtschaft gehört.
Ein Mann betritt den Laden und setzt sich zu mir. Er sieht ziemlich mitgenommen aus. Wir prosten uns zu. Er fragt mich nach Geld, ich gebe ihm zwei Euro und er schenkt mir drei Schachfiguren. In breitem Wienerisch fragt er mich: „Du bist doch Deutscher, oder? Einer von den 200.000, was!?“ Und er beginnt von früher zu erzählen. Als sich im Nachtasyl noch der Untergrund traf und Schlägereien an der Tagesordnung waren. Die Polizei kam nie runter. Heute ist es ruhiger, erzählt er. Tschechen kommen noch immer hierher, aber nicht nur, vielmehr ist das Nachtasyl ein Platz für alle geworden. Für alle die gerade nicht schlafen können, für alle die gerade nicht schlafen wollen. Ich komme gewiss zurück an diesen zauberhaften Ort. An diese einzigartige tschechische Insel im Wiener Nachtleben.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Dec 3, 2019

Master live

Auf dem Weg ins Ausland

Sechs Wochen des ersten Mastersemesters sind um und ich hoffe die nächsten sechs Wochen werden ein kleines bisschen weniger stressig. Ich war die letzte Zeit sehr intensiv mit der Bewerbung für mein Auslandssemester beschäftigt. Englischer Lebenslauf, Motivationsschreiben, Sprachtest und Empfehlungsschreiben nehmen doch mehr Zeit ein, als man vermutet. Die meisten Schwierigkeiten hatte ich mit dem Motivationsschreiben. Natürlich gibt es viele Gründe warum ich nochmal ins Ausland will, aber das auf drei Seiten strukturiert darzulegen ist echt nicht einfach. Floskeln sind verboten und ich muss darlegen, wie genau diese Universität im Ausland mich akademisch weiterbringen wird. Vor dem eigentlichen Schreiben habe ich mich ehrlich gesagt erst mal gedrückt. Die Erwartungshaltung war einfach zu hoch. Normalerweise gehöre ich eher zu den Menschen, die wild drauf los schreiben. Wenn das Gerüst dann steht, dann können ja schließlich die Details noch ausgearbeitet werden. Dieses Mal habe ich einen anderen Arbeitsprozess gewählt. Ich muss gestehen, dass ich nie so ganz an Mindmaps geglaubt habe. Der fehlende Glaube an dieses Konzept hat dann dafür gesorgt, dass ich noch nie ernsthaft Mindmaps angefertigt habe. Einfach aus Antriebslosigkeit und der fehlenden Ideen wegen, habe ich es jetzt probiert und erstaunlicherweise gab es ein positives Ergebnis. Alle Gedanken, die ich mir zuvor gemacht habe und die Argumente, die ich mir zurechtgelegt hatte, konnte ich in eine funktionierende Struktur bringen. Drei Hauptpunkte, die mein Vorhaben präsentierten. Ich konnte so auch für mich persönlich klar machen, warum es genau diese Universität sein muss, mit welchem Ergebnis ich dieses Auslandssemester beenden möchte und warum es die USA sein soll. Am besten man hält es simpel und führt aber die Argumentation sehr abgestimmt und stichfest aus. In ein paar Wochen kommt dann hoffentlich die Einladung zum Auswahlgespräch und bis Ende Dezember weiß ich dann Bescheid. Die Daumen sind gedrückt.

Autor: Bo  |  Rubrik: orientieren  |  Dec 2, 2019
Autor: Bo
Rubrik: orientieren
Dec 2, 2019

Master live

Wo kommst du her?

Die wohl schwierigste Frage für mich ist die, woher ich komme. Meistens wird sie beiläufig gestellt, im Rahmen eines Smalltalk-Gesprächs. Zu Beginn meines Masterstudiums fällt sie gefühlt ständig, und jedes Mal wäge ich ab, ob ich mich für die kurze Version entscheide: „Ich bin in Berlin geboren, habe aber seit meinem 7. Lebensjahr in vielen verschiedenen Städten gewohnt“ oder weit aushole und alle Stationen runterrattere mit dem Risiko, dass mein Gegenüber schnell den Faden verliert. Die ersten sieben Jahre meines Lebens waren ziemlich gewöhnlich: Ich bin im Süden von Berlin geboren und habe dort in einer ruhigen Gegend gewohnt. Aus beruflichen Gründen verschlug es meine Eltern und mich dann nach Leipzig, nach vier Jahren dort ergab es sich dann, dass wir nach London zogen. Drei Jahre und drei Schulen später, bekam mein Vater eine Arbeit in München, also zogen wir wieder um. Nach drei Jahren in der bayerischen Hauptstadt gingen meine Eltern getrennte Wege und ich machte mein Abitur in einem Münchner Vorort, den ich mit 18 Jahren verließ, um in Warschau Journalismus zu studieren.
Warschau ist für mich die vertrauteste Stadt, da ich dort jedes Jahr meine Großeltern besuche. Es war schön, mich dort länger aufzuhalten als die üblichen ein bis zwei Wochen. Nach einem Semester merkte ich allerdings, dass es nicht mein Weg war, in Warschau Journalistin zu werden, also entschied ich mich nach langen Recherchen für ein Studium in Erlangen. Im zweiten Jahr verbrachte ich ein Auslandsjahr in Frankreich. Nun bin ich seit zwei Monaten für mein Masterstudium wieder in Berlin und fühle mich hier wohler denn je: Ich habe das Gefühl, dass es in dieser Stadt vielen so geht wie mir. Fremd und gleichzeitig vertraut fühlt es sich an, hier zu sein und irgendwie werde ich den Gedanken nicht los, dass alles genau so kommen musste, wie es jetzt ist. Ich liebe mein Literaturstudium und habe den tollsten Nebenjob in einem Buchverlag ergattert, den ich mir vorstellen kann. Es fühlt sich toll an, sich einen bestimmten Lebensweg hart erarbeitet zu haben, auch wenn das bedeutet, immer mal wieder aus der eigenen Komfortzone zu treten. Und letztendlich habe ich gelernt, dass der wichtigste Ort, an dem man ankommen sollte, erstmal bei sich selbst ist. Wenn man seinen Lebensweg geht, wird sich alles weitere auch irgendwie ergeben.

Autor: Moni   |  Rubrik: orientieren  |  Nov 29, 2019
Autor: Moni
Rubrik: orientieren
Nov 29, 2019