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Medizin studieren

Dicke Belohnung

Als Belohnung für meine erfolgreiche Promotion und weil es vermutlich die letzte Gelegenheit ist, noch einmal so richtig weit zu reisen, bevor der Berufsalltag mich einfängt, machte ich mich nach der Disputation auf nach Costa Rica.
Costa Rica ist ein kleines Land in Mittelamerika, verbindet also Süd- und Nordamerika und ist damit, und auch aufgrund seiner Lage in den Tropen, Heimat für eine unglaublich hohe Anzahl verschiedener Pflanzen und Tiere. Costa Rica, das gerade einmal die Fläche Niedersachsens aufweist, zählt zu den sogenannten Megadiversitätsländern der Erde, also den Ländern, die besonders viele verschiedene Spezies pro Fläche beherbergen. Dass viele dieser Arten – auch durch den Tourismus – vom Aussterben bedroht sind, liegt wohl auf der Hand.
Anders als viele andere Länder Lateinamerikas hat sich Costa Rica, zumindest oberflächlich, dem „grünen“ Tourismus und Umweltschutz verschrieben.
Zunächst hieß es aber, den Hinflug zu überstehen. Ich habe keine Flugangst, aber die Landung in San José, der Hauptstadt Costa Ricas, bescherte auch mir ziemlich schwitzige Hände. Nach beinahe elf ruhigen Stunden in der Luft gestaltete sich der Landeanflug ziemlich turbulent, Gläser gingen zu Bruch, der ein oder andere Schrei war zu hören und auf einmal musste der Pilot durchstarten. Die Wetterbedingungen waren zu schlecht, die Landung musste abgebrochen werden. Eine Stunde kreisten wir über San José, um auf besseres Wetter zu warten, doch so schnell ging das nicht. Als der Sprit zu Neige ging, mussten wir einen ca. 150 km nördlich gelegenen Flughafen anfliegen. Dort wurde aufgetankt und am Boden auf besseres Wetter gewartet. Nach etwa zwei Stunden ging es dann zurück nach San José, das Gewitter hatte sich verzogen. Aber gut 15 Stunden in der Holzklasse sind wahrlich kein Vergnügen.
Die Strapazen waren schnell vergessen: Beim Aussteigen aus dem Flieger freute ich mich auf zwei Monate voller Wellen.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Nov 13, 2019
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Nov 13, 2019

Medizin studieren

Die Verteidigung

Nach einem Tag übertriebener Aufregung saß ich dann also eines Morgens im Dekanatsbüro, meinem Doktorvater und Zweitgutachter gegenüber. Eine Viertelstunde Vortrag über mein Thema, gefolgt von einer halben Stunde Fragen zum Thema, der Methodik, der Diskussion. Alles in allem klang das sehr machbar, aber eben auch irgendwie ziemlich stressig. In so einer halben Stunde kann man ganz schön viel Zeug gefragt werden. Als hätte er mir meine Bedenken im Gesicht abgelesen, meinte mein Doktorvater nur: „Jetzt machen Sie sich mal keine Gedanken, wir haben uns gestern Abend nicht zusammengesetzt und extra fiese Fragen ausgedacht, wir wissen ja schon, dass Sie Ahnung vom Thema haben, sonst hätten Sie die Arbeit im Labor nicht machen und letzten Endes ja auch nicht schreiben können!“.
Während des Vortrags war ich dann zwar doch ziemlich fahrig – eine absolut neue Erfahrung für mich, da ich Referate und Vorträge bisher nie als sonderlich belastend empfunden hatte. Doch das legte sich mit der Zeit und spätestens, als die Fragerunde begann, entspannte ich mich zunehmend. Es wurde klar, dass alle Horrorszenarien eben genau das waren: Hirngespinste. Die Fragen waren jetzt nicht selbsterklärend, aber eben keineswegs darauf ausgelegt, mir eine besonders schwere Zeit zu bereiten. Neben Hintergrundwissen wurde viel gefragt, was man noch hätte anders machen können oder wie sich bestimmte Dinge in Zukunft besser überprüfen ließen. Alles in allem ging die Fragezeit auch wirklich im Null-Komma-Nichts rum.
Und hinterließ mich, wieder einmal, mit dem Gefühl, mir ein bisschen zu viel Stress gemacht zu haben. Und mit einem unbeschreiblichen Hochgefühl. Drei Jahre hatte der Prozess nun gedauert, davon eineinhalb Jahre Labor und Auswertung sowie ein knappes halbes Jahr des Zusammenschreibens. Und eben ein gutes halbes Jahr des Wartens auf die Überprüfung der Arbeit. Und nun war es also geschafft, die Doktorarbeit ist in trockenen Tüchern!
Tragen darf ich den Titel allerdings erst, wenn ich dann fertiger Arzt bin, sprich in einem guten Jahr! Aber das kann ich dann auch noch gerade so erwarten!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Oct 14, 2019
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Oct 14, 2019

Medizin studieren

Von Mäusen und Kanälen

Nachdem ich vor einem knappen Jahr meine Doktorarbeit eingereicht hatte und diese als Promotionsleistung etwa acht Monate später anerkannt worden war, stand nun nur noch die Disputation, also die Verteidigung der Arbeit auf der Agenda. Nach Anlaufschwierigkeiten in der Terminfindung – irrtümlich war ich davon ausgegangen, dass die Terminabsprache mit dem Doktorvater genüge und automatisch auch mit dem Zweitgutachter kurzgeschlossen werde – wurde aus dem anvisierten Datum Ende Juli eben Ende August. Somit blieben mir nach dem Alpenaufenthalt knappe zwei Wochen Zeit, mich auf die Verteidigung vorzubereiten. Was genau mich da erwartete war ein großes Mysterium. Von „ach, damals hab ich halt einen Kaffee mit meinem Doktorvater getrunken“ über „naja, solange du das Ding selbst geschrieben hast, läuft das schon“ bis hin zu „du solltest dich nochmal intensiv mit der Arbeit beschäftigen und dich wirklich gut mit der aktuellen Fachliteratur auskennen“ war alles dabei.
Einigermaßen ratlos beschloss ich, Szenario Nummer Drei als Grundlage der Vorbereitung zu betrachten. Ich ging die Fachliteratur durch, die verwendet hatte und die seitdem dazu gekommen war. Welche Mäuse bei welchem Krankheitsmodell wie auf welches Antigen reagieren, welche Zellen dabei die tragende Rolle spielen, wie sich das Ganze in Studien am Menschen verhält. Und welche Kanäle nach neuester Forschung dabei Schlüsselrollen auf den Immunzellen zukommen. Vieles kam schnell wieder, manches allerdings ließ mich ob der schieren Masse auch verzweifeln. Dadurch waren die zwei Wochen geprägt von einem Wechselbad der Gefühle zwischen: „Oh Gott, du hast das doch gar nicht verdient, das Thema ist viel zu groß“ und einem „also eigentlich kennst du dich ja wirklich ganz gut aus, das wird auf jeden Fall reichen!“. Aber zwei Wochen gehen ja glücklicherweise immer recht schnell rum und mir nichts dir nichts saß ich meinem Doktorvater und dem Zweitgutachter gegenüber.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Oct 2, 2019
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Oct 2, 2019