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Medizin studieren

Die Verteidigung

Nach einem Tag übertriebener Aufregung saß ich dann also eines Morgens im Dekanatsbüro, meinem Doktorvater und Zweitgutachter gegenüber. Eine Viertelstunde Vortrag über mein Thema, gefolgt von einer halben Stunde Fragen zum Thema, der Methodik, der Diskussion. Alles in allem klang das sehr machbar, aber eben auch irgendwie ziemlich stressig. In so einer halben Stunde kann man ganz schön viel Zeug gefragt werden. Als hätte er mir meine Bedenken im Gesicht abgelesen, meinte mein Doktorvater nur: „Jetzt machen Sie sich mal keine Gedanken, wir haben uns gestern Abend nicht zusammengesetzt und extra fiese Fragen ausgedacht, wir wissen ja schon, dass Sie Ahnung vom Thema haben, sonst hätten Sie die Arbeit im Labor nicht machen und letzten Endes ja auch nicht schreiben können!“.
Während des Vortrags war ich dann zwar doch ziemlich fahrig – eine absolut neue Erfahrung für mich, da ich Referate und Vorträge bisher nie als sonderlich belastend empfunden hatte. Doch das legte sich mit der Zeit und spätestens, als die Fragerunde begann, entspannte ich mich zunehmend. Es wurde klar, dass alle Horrorszenarien eben genau das waren: Hirngespinste. Die Fragen waren jetzt nicht selbsterklärend, aber eben keineswegs darauf ausgelegt, mir eine besonders schwere Zeit zu bereiten. Neben Hintergrundwissen wurde viel gefragt, was man noch hätte anders machen können oder wie sich bestimmte Dinge in Zukunft besser überprüfen ließen. Alles in allem ging die Fragezeit auch wirklich im Null-Komma-Nichts rum.
Und hinterließ mich, wieder einmal, mit dem Gefühl, mir ein bisschen zu viel Stress gemacht zu haben. Und mit einem unbeschreiblichen Hochgefühl. Drei Jahre hatte der Prozess nun gedauert, davon eineinhalb Jahre Labor und Auswertung sowie ein knappes halbes Jahr des Zusammenschreibens. Und eben ein gutes halbes Jahr des Wartens auf die Überprüfung der Arbeit. Und nun war es also geschafft, die Doktorarbeit ist in trockenen Tüchern!
Tragen darf ich den Titel allerdings erst, wenn ich dann fertiger Arzt bin, sprich in einem guten Jahr! Aber das kann ich dann auch noch gerade so erwarten!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Oct 14, 2019
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Oct 14, 2019

Medizin studieren

Von Mäusen und Kanälen

Nachdem ich vor einem knappen Jahr meine Doktorarbeit eingereicht hatte und diese als Promotionsleistung etwa acht Monate später anerkannt worden war, stand nun nur noch die Disputation, also die Verteidigung der Arbeit auf der Agenda. Nach Anlaufschwierigkeiten in der Terminfindung – irrtümlich war ich davon ausgegangen, dass die Terminabsprache mit dem Doktorvater genüge und automatisch auch mit dem Zweitgutachter kurzgeschlossen werde – wurde aus dem anvisierten Datum Ende Juli eben Ende August. Somit blieben mir nach dem Alpenaufenthalt knappe zwei Wochen Zeit, mich auf die Verteidigung vorzubereiten. Was genau mich da erwartete war ein großes Mysterium. Von „ach, damals hab ich halt einen Kaffee mit meinem Doktorvater getrunken“ über „naja, solange du das Ding selbst geschrieben hast, läuft das schon“ bis hin zu „du solltest dich nochmal intensiv mit der Arbeit beschäftigen und dich wirklich gut mit der aktuellen Fachliteratur auskennen“ war alles dabei.
Einigermaßen ratlos beschloss ich, Szenario Nummer Drei als Grundlage der Vorbereitung zu betrachten. Ich ging die Fachliteratur durch, die verwendet hatte und die seitdem dazu gekommen war. Welche Mäuse bei welchem Krankheitsmodell wie auf welches Antigen reagieren, welche Zellen dabei die tragende Rolle spielen, wie sich das Ganze in Studien am Menschen verhält. Und welche Kanäle nach neuester Forschung dabei Schlüsselrollen auf den Immunzellen zukommen. Vieles kam schnell wieder, manches allerdings ließ mich ob der schieren Masse auch verzweifeln. Dadurch waren die zwei Wochen geprägt von einem Wechselbad der Gefühle zwischen: „Oh Gott, du hast das doch gar nicht verdient, das Thema ist viel zu groß“ und einem „also eigentlich kennst du dich ja wirklich ganz gut aus, das wird auf jeden Fall reichen!“. Aber zwei Wochen gehen ja glücklicherweise immer recht schnell rum und mir nichts dir nichts saß ich meinem Doktorvater und dem Zweitgutachter gegenüber.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Oct 2, 2019
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Oct 2, 2019

Medizin studieren

Der Berg ruft

Nach einem Monat der puren Entspannung hieß es Anfang August: Ab in die Alpen! Zunächst in einer größeren Gruppe unterwegs, wanderten wir für ein paar Tage von Hütte zu Hütte. Zunächst war uns der Wettergott wohlgesonnen, doch der letzte Tag zwang uns zu spontaner Umdisponierung: Laut Wetterprognose sollte es vormittags noch schön sein und gegen Nachmittag gewittern. Also wollten wir früh aufstehen und die Etappe schnell durchziehen. Doch daraus wurde nichts, pünktlich um sechs Uhr morgens fing es an zu regnen und Besserung war nicht in Sicht – was also tun? Die geplante Route war nun nicht mehr möglich, zu tief hingen die Wolken, zu hoch verlief der anvisierte Weg. Es blieb uns nichts anderes übrig, als einen Umweg zu gehen und die Tour um einen Tag abzukürzen. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte: Wären wir über den Höhenweg zur Hütte gewandert, hätten wir mit Schnee zu kämpfen gehabt. So mussten wir nur mit Regen klar kommen. Den Tag, den wir durch das Abkürzen gewonnen hatten, verbrachten wir in Innsbruck, wo wir Stadtbild und Torten genießen konnten und am Abend die neue Kletterhalle austesten konnten.
Die folgenden Tage verbrachten wir – nun in deutlich kleinerer Gruppe – auf einer schönen, kleinen Hütte im Osten Tirols. Von dort aus gab es zahlreiche Klettergärten – also Felswände mit Haken drin, um sich beim Klettern abzusichern – die wir allesamt austesteten. Gekrönt wurde dieser Kletterurlaub von ein paar schönen langen Mehrseillängenrouten, also alpiner Kletterei, die höher als nur zwanzig, dreißig Meter hoch geht, sondern eben mehrere Seillängen lang ist. Um die Technik dahingehend nochmal zu vertiefen, hatten wir einen Bergführer für einen Tag, der das, was wir bereits in einem DAV-Kurs vor ein paar Jahren gelernt hatten, überprüfte und verfeinerte. Derart geschult verbrachten wir noch einige schöne Tage bei überwiegend perfektem Wetter in Tirol!
Wieder einmal wurde mir klar, wie sehr ich landschaftliche Abwechslung dort oben im plattgebügelten Münsterland vermisse. Mittlerweile bin ich mir doch relativ sicher, dass es mich früher oder später wieder in den Süden zieht, um der Bergwelt ein Stückchen näher zu sein! Doch zunächst ging es wieder nach Münster: Die nächsten zwei Wochen galt es, nochmal ordentlich Literatur zu pauken, um meine Dissertation zu verteidigen.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Sep 26, 2019
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Sep 26, 2019