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Medizin studieren

Warten

Autor:
Maril

Rubrik:
studium

08.09.2020

Als ich mich vor gut zwei Monaten für das Medizinstudium an der Universität Leipzig beworben hatte, wusste ich nicht, dass bereits dieser Schritt der erste Stresstest werden würde. Nicht, weil die Bewerbung so schwierig ist, vielmehr ist es das ständige Warten, dass mir den letzten Nerv raubt. Der Bewerbungszeitraum begann schon eine Woche, bevor ich überhaupt mein Abiturzeugnis in den Händen hielt. Rund zwei Monate später begann erst die Koordinierungsphase, die auf einen Zeitraum von acht Tagen angesetzt war. In dieser Phase sollte sich entscheiden, ob ich an der Uni angenommen wurde oder nicht. Die Wochen zuvor konnte ich noch gut ertragen. In dieser Zeit hatte ich keine Neuigkeiten zu erwarten und  konnte mich entspannt zurücklehnen. Doch mit Beginn der Koordinierungsphase war ich ein Nervenbündel. Jeden Tag checkte ich meine Mails und meinen Hochschulstart-Account, denn über die Plattform Hochschulstart werden die Studienplätze für bestimmte Studiengänge wie zum Beispiel Medizin zentral vergeben. Ich weiß, dass ich es mir auch nicht gerade leicht machte, aber ich möchte nun mal unbedingt Medizin studieren – und ehrlich gesagt hatte ich keinen wirklichen Plan B. Nicht besonders schlau, ich weiß. Also fieberte ich eine ganze Woche lang der sehnlichst erwarteten Mail entgegen. Man kann sich vorstellen, wie effektiv ich in dieser Woche war. Am letzten Tag der Koordinierungsphase erhielt ich endlich die ersehnte Nachricht: Ich war angenommen worden! Doch weit gefehlt, wenn man glaubt, dass es danach mit dem Warten vorbei ist. Bis ich endlich meinen Zulassungsbescheid erhielt, den ich für die Immatrikulation und die Bewerbung im Studentenwohnheim brauche, vergingen weitere vier Tage – immer mit der Meldung, dass sich alles aufgrund technischer Mängel verzögern würde. Es ist undankbar von mir und spricht nicht wirklich für Durchhaltevermögen, Belastbarkeit oder Geduld, doch langsam wurde ich ein wenig wütend. Die Bewerbung erfolgt ja schon online und trotzdem habe ich Wartezeiten, als würde alles per Brieftaube übermittelt. Der Vergleich hinkt, ich weiß. Zu meiner Verteidigung kann ich nur anbringen, dass es hier immerhin um meine Zukunft geht. Ob und wo ich was, wann und wie studieren kann, beeinflusst meinen weiteren Weg maßgeblich. Ich hoffe, dass sich damit mein Anflug von Ungeduld und Ärger entschuldigen lässt. Auf eine so wichtige Mitteilung zu warten, kann nämlich ganz schön anstrengend sein.

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