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Nationalpark-Hopping

Nach dieser eher verstörenden Episode versuchte ich, so schnell wie möglich weiterzureisen, um das mulmige Gefühl hinter mir zu lassen. Also arbeitete ich mich weiter in den Süden vor, bis ich im Nationalpark Marino Ballena ankam. Was diesen Nationalpark einen Wiedererkennungswert gibt, ist, dass eine Landzunge so mit einem Steinriff verbunden ist, dass es aus der Vogelperspektive wie eine Walflosse aussieht. Kurioserweise wird dieses Gebiet im Herbst von kalbenden Buckelwalen aufgesucht. Aus Tierschutzgründen entschied ich mich gegen eine Whale-Watching-Tour, erkundete aber den Strand des Nationalparks ausgiebig.
Nach ein paar Tagen zog ich noch weiter nördlich in den bekanntesten Nationalpark Costa Ricas. Hier machte sich das frühe Aufstehen wirklich bezahlt, denn während ich um sieben Uhr tatsächlich kleine Kaimane, Äffchen und Aras, also große bunte Papageien sah, vertrieben die lauten Scharen amerikanischer Touristen ab zehn Uhr alle Tiere im Umkreis von hundert Metern. Lediglich die Faultiere hingen nach wie vor im Blätterdach und erweckten nicht den Anschein, sich von irgendwas aus der Ruhe bringen zu lassen.
Froh war ich am Ende dann doch, als ich dem Touristentrubel entkommen konnte und weiter ins costaricanische Zentraltal zog. Hier, auf über 1.500 Metern gelegen, war das Klima angenehmer und von Touristen war weit und breit keine Spur! Mit einem Mietwagen düste ich auf den höchsten Vulkan des Landes. Bei gutem Wetter hätte man von dort sowohl den Atlantik als auch den Pazifik sehen können sollen, doch in der Regenzeit zu reisen hat eben gewisse Nachteile. Nach ein paar Tagen ging es zurück nach San José, von wo der nächste Reiseabschnitt an die Karibikküste losgehen sollte. Erster Halt: der bekannte Tortuguero-Nationalpark, bekannt für die dort an Land gehenden und Eier ablegenden Schildkröten.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Dec 13, 2019
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Dec 13, 2019

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Schreckmoment

Costa Rica wird auch als die Schweiz Mittelamerikas bezeichnet. Eine ähnliche Landesgröße, hohe Berge sowie relativer Wohlstand legen den Vergleich nahe. In Supermärkten zahlt man mehr als in Deutschland und Restaurantbesuche sind mindestens genauso teuer. Dafür gilt das Land als sauber und sicher.
Diesen Eindruck gewann ich auch, zumindest während der ersten drei Wochen. Kein Vergleich zu meinen „Müll-Erfahrungen“ in Marokko oder Indonesien. Im Hinblick auf Sauberkeit wirkt Costa Rica wie ein südeuropäisches Land, also alles gut! Was die Sicherheit angeht: Auch hier hatte ich zunächst einen sehr guten Eindruck. Die allermeisten Menschen wirken freundlich und aufgeschlossen. Insofern muss man die Begebenheit, die sich dann nach gut drei Wochen ereignete, definitiv relativieren.
Nach eineinhalb Wochen im Landesinneren hatte ich der Versuchung, doch noch ein paar gute Wellen zu surfen, nicht widerstehen können und beschlossen, nochmal an den Pazifik zu fahren. Eine Fehlentscheidung, die Wellen waren nämlich trotz guter Vorhersage wieder nichts. Und dann kam es auch noch zu diesem Vorfall: Ich war gerade dabei, eine leere Strandpromenade zum Supermarkt entlang zu laufen, als mir ein Mann mit einer Machete entgegen kam. Mir kam die Situation schon ein bisschen komisch vor, doch als er dann auf einmal eine Pistole aus dem Hosenbund holte und lud, rutschte mir das Herz in die Hose. Was macht man in so einer Situation? Einfach weitergehen und so tun als hätte man nichts gesehen? Ich blieb stehen und begann, langsam rückwärts zu gehen. Sobald ich um eine Ecke gegangen war, drehte ich mich um und rannte, was das Zeug hielt. Als ich mich endlich traute, stehen zu bleiben, merkte ich, dass ich am ganzen Körper zitterte.
Ab dem Zeitpunkt war ich doch um einiges sorgsamer und vertraute nicht mehr blind auf alles und jeden. Glücklicherweise blieb dieses Ereignis das einzige negative Erlebnis!

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Unter Forschern

Nach ein paar Tagen in Monteverde hieß es auch schon wieder Abschied nehmen von wirklich supernetten Gastgebern, die mich immer wieder mit Obst, Smoothies und vielen Tipps versorgt hatten.
Der nächste Stopp auf der Reise war zwar wieder ein Nebelwaldgebiet, allerdings ca. 200 Kilometer südlich von Monteverde. Und im Gegensatz zu Monteverde, was ein staatliches Naturreservat ist, handelte es sich dieses Mal um ein privates Reservat. Das Land hatte ein amerikanisches Ehepaar in den 80ern aufgekauft, als es noch abgeholzt und für die Viehzucht verwendet wurde. Als in den 70ern und 80ern jedoch ein Politikwechsel in Costa Rica weg von der landintensiven Viehwirtschaft hin zu „grünem Tourismus“ stattfand, fanden sich neben dem Staat viele Privatleute, die Land kauften, um dieses wieder aufzuforsten.
Das Reservat, in welchem ich nun untergebracht war, baute dort eine private Forschungsstation auf, die Platz für bis zu 30 Wissenschaftler aus aller Welt beherbergt. Neben der Wiederaufforstung, begleitet durch Ökologen und Baumspezialisten, verschrieb sich diese Station auch dem Tierschutz.
Als ich dort ankam, waren gerade etwa zehn Biologen dort untergebracht, die allesamt in unterschiedlichen Projekten arbeiteten. Ein Franzose klassifizierte Schmetterlinge, eine Deutsche baute Kamerafallen für die eher scheuen Säugetiere auf, ein Engländer überwachte die Aufforstung und stellte Studien an, die den Prozess des Aufforstens unter verschiedenen Bedingungen überwachten.
Um einen Teil ihrer Kosten zu decken, hatten die Wissenschaftler zwei kleine Holzhäuschen in den Wald gestellt, um Touristen, die Lust hatten so richtig in den „Dschungel“ einzutauchen, einen Einblick in ihre Arbeit und in die Natur zu gewähren. Da nur mein Holzhäuschen belegt war hieß das, dass ich ein knapp 1.000 Hektar großes Areal mit Wanderpfaden für mich allein hatte. Diese erkundete ich und fand die ein oder andere schöne Stelle, an der man, mitten im Urwald, einen kleinen Wasserfall hinunterspringen und im Anschluss im Fluss schwimmen konnte. Nachmittags, während des Regens, saß ich auf meiner Veranda und beobachtete Kolibris bei ihren Flugkünsten. Das Leben könnte schlechter sein!
Die Wissenschaftler selbst boten Touren durch das Reservat an, und so buchte ich eine „Waldführung“, in der mir ein auf Wälder und Bäume spezialisierter Ökologe alles über Nebel-, Trocken- und Regenwälder, Primärwal und Sekundärwald und vieles mehr erzählte.

Autor: Johannes  |  Rubrik: orientieren  |  Dec 2, 2019