interaktiv

Medizin studieren

Vom Bergsteigen

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

04.02.2014

Manchmal blickt man auf den zu bewältigenden Berg an Aufgaben vor sich und denkt einfach nur: Oje, wie soll ich den bezwingen? Da hilft es einem auch nicht, dass man gerade das Situs-Testat bestanden und auch sonst immer alles irgendwie hingehauen hat. Man ist ganz blockiert von dem Gedanken, dass die Biochemie-Prüfung nur noch zehn Tage entfernt ist. Irgendwer hat im ersten Semester behauptet, das zweite Semester sei das entspannteste der Vorklinik. Hat man das hinter sich, sei die größte Hürde vor dem Physikum geschafft. Bei genauerem Überlegen denke ich sogar, dass das der allgemeine Tenor aller Alt-Semester war. Ich habe ich keinerlei Verständnis für diese Aussage, denn im Vergleich zum zweiten Semester glich das erste einem Urlaub im All-inclusive-Club.

Das stupide Auswendiglernen von Arterien-Kleinstästen fordert mich jedenfalls ganz schön – zumindest nicht weniger als der Stoff, den ich im ersten Semester zu bewältigen hatte.

Vielleicht haben die älteren Semester aber auch einfach das zweite Semester mit denen, die danach noch so kommen, verglichen und sind deshalb zu dem Schluss gekommen, dass das schon OK gewesen sei? Sollte mir das jetzt Mut machen? Ich weiß ja nicht …

Wie auch immer, immerhin mache ich deutliche Fortschritte in Biochemie. Stand ich zu Beginn noch vor einem großen, unbezwingbar scheinenden Berg, klärt sich die Lage zusehends, je weiter ich komme. Immer höher klettere ich den Berg hinauf, begreife Zusammenhänge in Stoffwechselprozessen – blicke gewissermaßen über Bergkämme in immer neue Täler – und schaffe mir langsam einen Überblick, bis ich schließlich auf dem Gipfel stehe und einen grandiose Aussicht auf die Landschaft hinter mir habe.

Diesen Artikel teilen