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Medizin studieren

Körperspender

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

19.06.2014

Wie bereits das ein oder andere mal erwähnt, war der Präparierkurs, also makroskopische Anatomie, ein sehr wesentlicher Bestandteil des zweiten Semesters. Dass dieser Kurs damit einherging, die Körper toter Menschen, sogenannter Körperspender, zu präparieren, lapidar „auseinanderzunehmen“, dürfte wohl auch klar geworden sein. Was genau das allerdings tatsächlich für die Verstorbenen und deren Angehörige sowie uns Studenten bedeutete, vor allem auf emotionaler Ebene, ist etwas schwieriger zu vermitteln.

Am einfachsten dürfte es wohl für uns Studenten gewesen sein, schließlich waren die Körperspender für uns ab einem Gewissen Zeitpunkt mehr oder weniger Objekte, an denen wir lernen mussten. Das klingt hart, aber wir empfanden die Situation irgendwann als normal. Zu Beginn war es noch sehr krass, in einen Raum mit 20 nackten, toten Menschen gehen zu müssen und das Skalpell anzulegen. Für viele von uns war es die erste Konfrontation mit dem Tod. Entsprechend schlug sich das anfangs auch auf unsere Stimmung nieder. Doch mit der Zeit lernten wir, uns von diesem Eindruck zu distanzieren, um objektiv und möglichst gut unsere Arbeit verrichten zu können. In gewisser Weise sind wir es den Körperspendern nämlich auch schuldig, deren „Opfer“ würdig zu schätzen.

Etwas schwieriger ist es vermutlich für die Verstorbenen selbst. Die Frage, ob man damit leben kann, dass der eigene Körper nach dem Ableben auseinandergenommen wird, muss man sich schon sehr ernsthaft stellen. Und es gibt eine Menge Leute, die so etwas niemals tun würden. Umso mehr Dankbarkeit und Wertschätzung gebührt also den Körperspendern, die die Ausbildung zukünftiger Ärzte und die Forschung unterstützen.

Am schwierigsten ist es bestimmt für die Angehörigen. Nach dem Tod eines geliebten Menschen zwei, manchmal bis zu vier Jahre auf die tatsächliche Bestattung warten zu müssen, ist wohl für viele eine ungeheure Belastung. Das Fehlen eines Grabes, der noch nicht vollzogene endgültige Abschied – ich stelle mir das extrem hart vor. Entsprechend gebührt auch den Angehörigen enormer Dank und Respekt!

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