interaktiv

Medizin studieren

Es wird ernst

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

05.05.2015

Bisher konnten wir uns in der Vorklinik immer freuen, wenn nach einem langen Kapitel über physiologische, biochemische oder anatomische Gegebenheiten auch ein kleiner Ausblick in die klinische Relevanz des soeben Gelesenen gegeben wurde. Schließlich wird einem dabei bewusst, dass man das alles nicht umsonst lernt. Wurde man in Testaten zu einem Organ gefragt, konnte man immer mit klinischen Beispielen punkten und dem Prüfer zeigen, dass man mehr als nur die Grundlagen drauf hat.

Jetzt läuft das allerdings etwas anders: Ich muss für Pharmakologie alle Namen, Nebenwirkungen, Indikationen und Kontraindikationen von Diuretika auswendig lernen. Das sind Medikamente, die beispielsweise bei Bluthochdruck gegeben werden.

Dieses Gebiet habe ich bis dato immer umschifft, um mich beim Lernen nicht zu überfordern. Das macht mir momentan echte Schwierigkeiten. Alles, was ich bisher als „Ballast“ eingestuft hatte, ist plötzlich absolut relevant, wenn nicht sogar entscheidend. Ich werde also verschiedene Nebenwirkungen und die Frage, ob das Medikament oder intravenös verabreicht werden sollte, auswendig lernen. Mit den Segmenten des Lungen-Mittellappens hat das ja schließlich auch geklappt. Und ich bin überzeugt, dass das nicht ganz unwichtig ist. Schließlich würde ich auch eher ungern von einem Arzt behandelt werden, der nicht so recht weiß, was das Medikament, das er mir eben verschrieben hat, noch so anrichten kann. Die Gewissheit, dass ich gerade Dinge lerne, die den Krankheitsverlauf späterer Patienten unmittelbar beeinflussen, macht mir aber auch ein bisschen Angst.

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