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Medizin studieren

Patienten-Gespräch

In diesem Semester steht ein Untersuchungskurs auf dem Stundenplan. In diesem Kurs lernen wir zum Bespiel, wie man die Lunge und das Herz abhört, den Kopf etwa nach einem Sturz untersucht oder den Bauch abtastet. Nicht zuletzt geht es auch darum, das Anamnese-Gespräch, sprich die „Patienten-Befragung“, beim Erstkontakt mit dem Arzt zu lernen.

Hierfür werden Schauspieler eingesetzt, die vorgeben, eine bestimmte Krankheit zu haben, in ein Krankenhausbett gelegt werden und dort auf uns, die „Ärzte“, warten dürfen. Das Ganze passiert in Sechsergruppen. Die anderen fünf Studenten dürfen sich das Treiben – also das Gespräch – durch halbdurchlässige Spiegel ansehen. Dadurch fühlt man sich tatsächlich ein bisschen wie in einem „Tatort“ …

Letzten Dienstag war ich an der Reihe. Gehörig aufgeregt, mit weißem Kittel und Klemmbrett bewaffnet, holte ich tief Luft und trat in das Zimmer. Die Nervosität legte sich sehr schnell, denn mein Patient nahm mir eine Menge Arbeit ab: Anders als andere Patienten war er sehr kommunikativ. Bereitwillig erzählte er mir von seiner Krankengeschichte, ließ nichts aus und gestaltete so das Ganze für mich entsprechend angenehm. Mit gutem Gefühl hatte ich also das erste Anamnese-Gespräch hinter mich gebracht.

Nachdem ich den Raum verlassen hatte, wurde ich auch schon von meinen Kommilitonen empfangen, die mir Feedback gaben. Ich hörte positive Aspekte, werde mir aber wohl oder übel abtrainieren müssen, während eines Gesprächs mit den Beinen zu zappeln. Inhaltlich hatte ich auch einen etwas dickeren Schnitzer … aber gut, wir sind noch keine Profis. Zumindest hören wir immer wieder, dass Ärzte bis zu zehn Jahre brauchen können, bis sie ein vernünftig strukturiertes, den Patienten in den Mittelpunkt stellendes Gespräch leiten können. Da habe ich glücklicherweise noch etwas Zeit.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  May 27, 2015
Autor: Johannes
Rubrik: studium
May 27, 2015

Medizin studieren

Spontan ist am geplantesten

Dass ich recht selten zurück in meine Heimat fahren kann, habe ich ja schon das ein oder andere Mal beklagt. Vorgenommen, dies zu ändern, habe ich es mir auch häufiger. Meist hatte ich mir sogar konkrete Wochenenden überlegt, an denen es funktionieren könnte. Aber wie das eben so ist, kommt einem immer etwas in die Quere und es klappt letztlich doch nicht.

Deswegen hatte ich mir für das Sommersemester gar nicht erst vorgenommen, nach Hause zu fahren, jedenfalls nicht konkret. Und siehe da, schon ergab sich die Gelegenheit. Ich kam ohne Probleme an ein Auto, habe spontan daheim nach Herberge gefragt und schon stand ich vor der Tür. Es war wirklich wunderbar, auch wenn ich nicht allzu viel Zeit hatte. Immerhin konnte ich ein paar Freunde in der Boulderhalle und im Schwimmbad treffen.

Am besten jedoch war, dass auf den Spontan-Besuch zufälligerweise auch die Blaue Nacht fiel. Das war insofern besonders, als ich es in all den Jahren, in denen ich in Nürnberg gewohnt habe, noch nie auf dieses Kulturevent geschafft hatte. Enttäuscht wurde ich nicht! Es war eine geniale Stimmung, es gab interessante Ausstellungen und Aktionen und wirklich sehr gutes Wetter! Alles in allem ein sehr tolles Wochenende, das mich gelehrt hat: In Zukunft werde ich noch weniger planen!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  May 18, 2015
Autor: Johannes
Rubrik: studium
May 18, 2015

Medizin studieren

Es wird ernst

Bisher konnten wir uns in der Vorklinik immer freuen, wenn nach einem langen Kapitel über physiologische, biochemische oder anatomische Gegebenheiten auch ein kleiner Ausblick in die klinische Relevanz des soeben Gelesenen gegeben wurde. Schließlich wird einem dabei bewusst, dass man das alles nicht umsonst lernt. Wurde man in Testaten zu einem Organ gefragt, konnte man immer mit klinischen Beispielen punkten und dem Prüfer zeigen, dass man mehr als nur die Grundlagen drauf hat.

Jetzt läuft das allerdings etwas anders: Ich muss für Pharmakologie alle Namen, Nebenwirkungen, Indikationen und Kontraindikationen von Diuretika auswendig lernen. Das sind Medikamente, die beispielsweise bei Bluthochdruck gegeben werden.

Dieses Gebiet habe ich bis dato immer umschifft, um mich beim Lernen nicht zu überfordern. Das macht mir momentan echte Schwierigkeiten. Alles, was ich bisher als „Ballast“ eingestuft hatte, ist plötzlich absolut relevant, wenn nicht sogar entscheidend. Ich werde also verschiedene Nebenwirkungen und die Frage, ob das Medikament oder intravenös verabreicht werden sollte, auswendig lernen. Mit den Segmenten des Lungen-Mittellappens hat das ja schließlich auch geklappt. Und ich bin überzeugt, dass das nicht ganz unwichtig ist. Schließlich würde ich auch eher ungern von einem Arzt behandelt werden, der nicht so recht weiß, was das Medikament, das er mir eben verschrieben hat, noch so anrichten kann. Die Gewissheit, dass ich gerade Dinge lerne, die den Krankheitsverlauf späterer Patienten unmittelbar beeinflussen, macht mir aber auch ein bisschen Angst.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  May 5, 2015
Autor: Johannes
Rubrik: studium
May 5, 2015