interaktiv

Medizin studieren

24-Stunden-Schicht

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

06.11.2015

Glücklicherweise bin ich als Student für so ziemlich alle Praktika über die Unfallkasse der Uni Münster versichert. Dadurch konnte ich die Gelegenheit wahrnehmen, bei einer Notarzt-Schicht mitzufahren. Ein besonders motivierter Assistenzarzt aus der Abteilung, in der ich famulierte, hatte mir angeboten, mich auf eine 24-Stunden-Schicht mitzunehmen.

Da das Zimmer, in dem er auf Abruf verweilen würde, recht klein war, sah der ursprüngliche Plan vor, dass ich gegen Abend wieder zurück nach Münster fahren würde (das Krankenhaus, von dem aus die Einsätze gefahren werden sollten, lag etwas außerhalb). Dann wäre ich leider nicht in den Genuss einer Nacht in Bereitschaft gekommen. Klar, davon werde ich wohl in meinem Berufsleben noch mehr als genug haben, aber noch weiß ich ja gar nicht so recht, was da auf mich zukommen wird. Aus diesem Grund entschloss ich mich, die Nacht einfach in meinem Bus neben dem Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) zu verbringen. Um das zu realisieren, bekam ich einen eigenen Pieper, sodass ich auch einfach in der gleichen Notruf-Schleife wie der Notarzt hing und bei Bedarf aufwachen würde, um ihn bei dem Einsatz zu begleiten.

Die Schicht begann sehr ruhig, wir saßen im Bereitschaftsraum und unterhielten uns. Gegen Mittag beschlossen wir, etwas zu essen und begaben uns in die Kantine. Genau in dem Moment, in dem wir zahlen wollten, gingen jedoch unsere Pieper los, sodass wir alles stehen lassen mussten, um uns vom NEF-Fahrer abholen zu lassen. Der Einsatz selbst gestaltete sich recht unspektakulär: Eine etwas ängstliche Dame hatte ein Kribbeln in den Fingern beim Spülen als Stromschlag aus dem Wasserhahn fehlinterpretiert. Mit Verdacht auf Halswirbelsäulen-Prozesse lieferten wir sie in der nächsten Notaufnahme ab und fuhren zurück in unsere Klinik.

Obwohl der Einsatz selbst nichts Besonderes war, fand ich – da spricht das Kind in mir – die Fahrt mit Blaulicht, Sirene und einem Mordstempo über Land war schon eine besondere Erfahrung. Leider – oder besser gesagt zum Glück – sollte dies der einzige Einsatz in den 24 Stunden bleiben. Gut geschlafen habe ich dennoch nicht. Alle eineinhalb Stunden wachte ich auf, immer mit der Angst im Nacken, den Pieper zu überhören. Gerädert machte ich mich am nächsten Morgen auf nach Hause, um vernünftig zu schlafen.

Diesen Artikel teilen

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Das hilft uns, dir ein gutes Nutzungserlebnis zu bieten und unsere Website zu verbessern. Wenn du durch die Seiten surfst, erklärst du dich hiermit einverstanden. Hier erfährst du mehr über die Nutzung deiner Daten und Möglichkeiten zum Widerspruch.