interaktiv

Medizin studieren

Ins kalte Wasser

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

30.09.2016

Zwar bin ich vor drei Jahren schon mal in Kontakt mit einem chirurgischen Fach – damals der Andrologie – geraten. Aber was mich am Montag, direkt nach der Rückkehr aus Schweden erwartete, traf mich dann doch wie ein Schlag. Früh um eins angekommen, war mir klar, dass die Nacht kurz werden würde: Visite ist schließlich um sieben Uhr und das ist keine besonders schöne Aussicht. Danach ging es direkt in den OP zu einer Metastasektomie bei einem Chondrosarkom, das in die Lunge gestreut hatte. Kurz: Zur Entfernung von Lungenmetastasen eines bösartigen Knorpel-Tumors.
Die Operation gestaltete sich schwieriger als erwartet, sodass es deutlich später wurde als ursprünglich angenommen. Schließlich wurde es 15 Uhr und die Klinik-Mensa hatte geschlossen. Mein Magen knurrte wie verrückt, denn für Frühstück hatte ich keine Zeit gehabt nach der kurzen Nacht. Kurzerhand entschloss sich der operierende Arzt dazu, mich nach Hause zu schicken, damit ich nicht vor Unterzucker umkippen würde. Ich glaube zwar nicht, dass das passiert wäre, aber laut Oberarzt glaubt das jeder, bis es ihm selbst passiert. Egal, sechs Stunden lang bewegungslos am Tisch stehen reichen auch. Mein schlechtes Gewissen, vor allen anderen abgetreten zu sein, war demnach von sehr kurzer Dauer.
Auch die nächsten Tage wurden nicht besser. Unter drei Stunden verlief keine OP. Drei Stunden, in denen ich als unerfahrener Student viel Zeit habe, die Wehwehchen meines Körpers genauestens zu beachten. Unter Druck stehe ich ja kaum, zu tun habe ich auch wenig. Das heißt, genau genommen stehe ich nur daneben und verrenke mich, um wenigstens ein bisschen was sehen zu können. Spätestens nach einer Stunde vergeht mir dabei wegen meiner Rückenschmerzen ziemlich der Spaß, nach einer weiteren auch das Interesse. Und so festigt sich immer mehr der Entschluss, mich später keinesfalls auf Chirurgie zu spezialisieren.

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