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Medizin studieren

Mangelnder Anspruch

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

05.10.2016

Ein Blick in die Vergangenheit: Vor etwas mehr als zwei Jahren ging ich noch zur Schule, machte gerade Abitur und kannte es zwölf Jahre lang nicht anders, als mit aller Kraft auf Klausuren, Tests und Arbeiten zu lernen, weil es mir wichtig war, auch gute Ergebnisse zu erzielen. Im ersten Semester habe ich bereits erfahren müssen, dass ich diese guten Ergebnisse im Studium nicht mehr erzielen kann. Es war wirklich schwer, inmitten all dieser klugen Köpfe herauszustechen und ebenso gute Klausuren zu schreiben. Auch war die Menge an Stoff, die es zu lernen galt, immens gewachsen. Es griff meinen Ehrgeiz und meinen Stolz an, dass die sehr guten Noten ausblieben.
Mittlerweile bleibt selbst dieses Gefühl aus. Ich bin nicht mehr nur nicht gut, sondern lege es nicht einmal mehr darauf an, gut zu sein. Ich habe mich schlichtweg damit abgefunden, nicht zu den Besten zu gehören. Das gilt auch für Biochemie. Nachdem ich mich anfangs mit langer, anspruchsvoller Literatur gequält habe, wählte ich eine Woche vor der Klausur doch den leichteren Weg: Ich griff zu Zusammenfassungen, arbeitete Altklausuren nach und wiederholte den Stoff in angenehmem Maße, ohne die Vorlesungsfolien durchgehen zu müssen.
Selbstverständlich rächte sich dieses Verhalten schon, als ich in der Klausur die ersten Fragen sah. Es wurde nach Inhalten gefragt, von denen ich nie gehört hatte, sodass ich manchmal nur raten konnte. Doch es reichte knapp. Mit 33 richtigen Antworten bei 50 Fragen hatte ich bestanden. 66 Prozent entsprechen zwar einer schlechten drei, aber immerhin. Wieder beschleicht mich dieser Gedanke: Mit einer drei hast du dich damals nie zufrieden gegeben. Nein, aber ich habe erkannt, dass man kein schlechterer Mensch ist wegen vermeintlich schlechteren Ergebnissen.

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