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Medizin studieren

Alles außer Chirurgie

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

07.10.2016

Die Ahnung, dass Chirurgie nichts für mich sein würde, hatte ich bereits seit meiner Anästhesie-Famulatur (ein viermonatiges Praktikum) vor einem Jahr. Dass sie sich nun derart festigen würde, hätte ich nicht vermutet. Aber mir persönlich bereitet das Herumstehen tatsächlich eine Menge Schmerzen, vor allem im Rücken. Für mich kommt die Arbeit in der Chirurgie, und da lege ich mich jetzt fest, deshalb niemals in Frage. Zum Glück gibt es noch 30 andere Fächer in der Medizin, die ohne minutenlanges Händewaschen und -desinfizieren und anschließendes Stehen ohne Aussicht auf Mittagspause auskommen.
Nichtsdestotrotz nehme ich eine Menge aus den zwei Wochen Blockpraktikum in der Thoraxchirurgie mit. Zum Beispiel den Respekt für die Disziplin der Chirurgen, denn unter zehn Stunden täglich war in meiner Zeit keiner von ihnen im Krankenhaus. Ein Arbeitstag von elf bis vierzehn Stunden ist nichts Außergewöhnliches. Handwerkliche Fertigkeiten wurden mir auch beigebracht, vor allem das Nähen. Was ich etwas schade finde, ist, dass man, wenn man nur operiert, recht wenig Patientenkontakt hat. Man kommt in den Saal, wenn der Patient schon schläft und verlässt den Saal, wenn er noch narkotisiert ist. Gut, in den Folgetagen hat man viel Gelegenheit, den Patienten bei Visiten, Nahtkontrolle und so weiter zu besuchen, aber letztlich überprüft man immer nur sein eigenes Werk, die weitere Therapieplanung liegt in anderer Hand.

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