interaktiv

Medizin studieren

Ein ganzes Jahr Student

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

14.10.2016

Es ist, als sei es gestern gewesen: Ich war mit meiner jetzigen Mitbewohnerin auf Wohnungssuche, noch davor setzte ich beim Auswahlverfahren für Medizin in Münster alles daran, einen Platz zu bekommen. Auch sind die damit verbundenen Gefühle – die Freude über den Platz, die Aufregung auf das Leben in einer größeren Stadt, das Leben alleine, die Traurigkeit über das Verlassen des Fußballvereins meines Heimatortes – stets noch präsent. Kaum zu glauben, dass es doch schon mehr als ein Jahr her ist, dass ich mein Studium aufnahm.
Denn jetzt ist das zweite Semester vorbei – und es war weitaus intensiver als das erste. Nicht deshalb intensiver, weil es stressiger war, sondern weil es ein Semester war, das mich als Medizinstudent veränderte. Ich arbeitete drei Monate lang an einem toten Menschen, entfernte seine Haut, legte seine Muskeln frei, schnitt seinen Bauch, seinen Brustkorb auf, schaute mir seine Organe an, hielt sein Herz in der Hand, seine Lungen, seinen Magen, präparierte auch sein Gesicht, sah in seinen Kopf. Ich unternahm, eine Reise in den Körper des Menschen und dadurch ist meine Ehrfurcht vor dem Leben noch weiter gewachsen. Alles ist so fragil, so schön, wahnsinnig faszinierend und einschüchternd.
In diesem Semester habe ich wirklich viel gelernt. Im ersten Semester ging es noch viel darum, meine Kommilitonen kennenzulernen und das Studentenleben zu genießen. Jetzt war ich deutlich disziplinierter, was auch bedeutete, dass ich mein Privatleben etwas vernachlässigte. Es hat sich aber gelohnt, weil ich viel über mich und den menschlichen Körper lernen durfte.

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