interaktiv

Medizin studieren

Der Blick über die Schulter

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

07.11.2016

Mit viel Sorgfalt strich ich mit dem Pinsel über die Holzleisten, färbte sie mit braunem Lack, nachdem ich sie vorher mühsam geschliffen und von weißer Farbe befreit habe. Sie sollen zukünftig die Fußleisten bilden, die im Wohnzimmer verlegt werden. Ich half damit einem Freund aus, der mit seiner Freundin zusammenziehen wird und dafür ihre neue, gemeinsame Wohnung auf Vordermann brachte. Die kleine Wohnung in Emden hat drei Zimmer, eine Küche, einen Balkon und ein recht geräumiges Badezimmer. Die beiden zahlen nur 420 Euro warm dafür und werden schon bald einziehen. Mit ihm bin ich seit frühen Kindertagen befreundet. Leider hat der Kontakt bereits zum Ende des Abiturs abgenommen, bei wichtigen Dingen sind wir nach wie vor füreinander da. Er studiert bereits seit einem Jahr Medientechnik an der Fachhochschule in Emden, ist bisher aber mit Bahn und Auto gependelt, was täglich bis zu drei Stunden Zeit einnahm. Seine Freundin hat erst eine Ausbildung zur Arzthelferin in ihrem Heimatort, anschließend ihr Fachabitur gemacht, um somit die Möglichkeit zu haben, an einer Fachhochschule Biotechnologie zu studieren. Nun beklagt sie, dass ihr viele sagen, dass das Fach wirklich sehr schwer sei, was sie nervös macht.
Mit dem Schritt, nach der Ausbildung noch ein Studium anzufangen, steht diese Freundin von mir nicht alleine. Ein weiterer Freund hat in den vergangenen zwei Jahren seine Ausbildung zum Betonmischbauer gemacht, um nun an der Jadehochschule in Oldenburg Bauingenieurwesen zu studieren. Somit ist keiner aus meinem engeren Freundeskreis aus der Schule gewillt, nach der Ausbildung im gelernten Beruf zu bleiben, sondern sie nutzen diese als Sprungbrett ins Studium. Ich kann diese Entscheidung gut verstehen, da ich selbst unbedingt studieren wollte und eine Ausbildung nicht in Betracht gezogen hatte. Doch bestätigen sich damit auch in meinem Umkreis die Meldungen aus der Wirtschaft, dass viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben oder Fachkräfte fehlen. Das Interesse am Studium scheint höher, weil die Aussichten auf einen guten Job besser sind. Dabei haben wir in Deutschland ein Ausbildungssystem, das von aller Welt beneidet wird.

Diesen Artikel teilen

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Das hilft uns, dir ein gutes Nutzungserlebnis zu bieten und unsere Website zu verbessern. Wenn du durch die Seiten surfst, erklärst du dich hiermit einverstanden. Hier erfährst du mehr über die Nutzung deiner Daten und Möglichkeiten zum Widerspruch.