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Medizin studieren

Zentrales Nervensystem

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

09.12.2016

Ungläubig wende ich es noch ein paar Mal in meinen Händen, bestaune es, drücke ein bisschen darauf herum, um es zu begreifen – ich halte tatsächlich ein echtes menschliches Gehirn in meinen Händen, die Persönlichkeit eines verstorbenen Menschen, all seine Gedanken und Erfahrungen, Ängste und Wünsche.
Ein relevanter Bestandteil des dritten Semesters ist ein Kurs über das Zentralnervensystem. Dabei werden das Gehirn und seine Erweiterung in den Körper hinein, das Rückenmark, behandelt. Wir haben nun zweimal in der Woche eine dreistündige Veranstaltung, die jeweils mit einer theoretischen Einführung beispielsweise zu den Arterien und Venen des Gehirns beginnt, sodass wir anschließend die benannten Strukturen selbst freilegen können. Danach werden Inhalte vertieft und zum Ende gibt es einen klinischen Ausblick, in dem Themen wie Schlaganfälle oder erhöhte Hirndrücke durch intrakranielle Blutungen behandelt werden.
Am ersten Tag haben wir uns nur Modelle angeschaut, um uns mit der groben Gliederung des Gehirns vertraut zu machen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viele Variationen von Gehirnen es gibt. Während die Leber eines jeden Menschen doch sehr ähnliche Merkmale aufweist, ist ein Gehirn in seinen Einfaltungen und Ausprägungen von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich.
Bereits am zweiten Tag durften wir selbst an den Gehirnen arbeiten. Aufgabe war es, einen Gefäßbaum aus den Arterien zu bauen, um insbesondere den Circulus arteriosus darzustellen, der einen Zusammenfluss aus der Arteria vertebralis und der Arteria carotis interna darstellt und die wichtigste Anastomose (Zusammenschluss) des menschlichen Körpers darstellt. Dafür habe ich mit meinem Operationsbesteck zwischen den beiden Hirnhälften gearbeitet, um die einzelnen Äste von Bindegewebe zu befreien und vorsichtig die Abgänge bis weit in die Tiefe zu verfolgen. Glücklicherweise habe ich es geschafft, viel heil zu lassen und einen großen Gefäßbaum, auf Styropor aufgepinnt, darzustellen. Dieser macht es möglich, die einzelnen Arterien noch genauer zu studieren und besonders die Variationen der Arterien von verschiedenen Gehirnen zu erkennen.

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