interaktiv

Medizin studieren

Testat-Tortur

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

18.01.2017

Ich bin nun für dieses Semester am Ende der makroskopischen Anatomie, also am Ende des Präparierens von Körperspenden angekommen. Das dazugehörige Testat ist das letzte der Anatomie vor dem Physikum. Aufregung steigt in mir auf, vielleicht ein bisschen Sorge, nicht genug gelernt zu haben. Doch ich bin im Reinen mit mir und gebe einfach mein Bestes.

Die Vorbereitung auf Testate ist mit dem Lernen für Klausuren nicht gleichzusetzen, viel hängt vom Prüfer ab. Erhält man beispielsweise einen, der als anspruchsvoll gilt, lernen die Leute wie verrückt, schlafen kaum noch und sind nur noch in der Bibliothek zu sehen. Wird einem ein vermeintlich leichter Prüfer zugeteilt, ruhen sich diese Prüflinge auf dem aus, was sie bisher gelernt haben und gehen nur noch in die Uni, wenn es wirklich nötig ist.

Mein Prüfer war einer der anspruchsvollen Sorte. Er drückte mir zu Beginn einen Hirnstamm in die Hand und bat mich, ihm die Medulla oblongata zu zeigen, das verlängerte Rückenmark, und die vielen Fasern zu nennen, die diese durchziehen. Anschließend sollte ich mir die linke Hirnhälfte nehmen, die wir an unserem letzten Kurstag eine Woche zuvor so bearbeitet hatten, dass man von oben mitten in das Gehirn hineinschauen kann, um den sogenannten Hippocampus zu sehen. Ich sollte beschreiben, wohin die neurologischen Befehle von dort hingeschickt werden. Mir fiel ein Gebiet ein, ein zweites reimte ich mir zusammen, aber mehr wusste ich nicht. Als letzte Chance fragte er mich nach der Blutversorgung des hinteren Teil des Hirns, hielt mir die Arterien des Kopfes auf einem Styroporfeld befestigt hin und zeigte auf verschiedenste Arterien, deren Namen ich ihm nennen sollte. Eine nach der anderen arbeitete ich ab, machte keine Fehler. Dann nahm er meine Testat-Karte und setzte seine Unterschrift darauf: Bestanden!

Schweißgebadet verlasse ich den Raum und nehme vor Erleichterung meine Freunde in den Arm. Nun kann die Mikroskopie kommen.

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