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Medizin studieren

Mut

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

27.01.2017

Respekt. Ja, Respekt möchte ich aussprechen und zwar den Menschen, die sich ein Herz fassen und sich mitsamt ihrer Krankheitsgeschichte in unseren Biochemie-Vorlesungen vorstellen. Sie erzählen, wie es ihnen mit schweren Krankheiten geht und stellen sich unseren Fragen, auch zu unangenehmen Themen wie dem Sterben.
Kürzlich war ein Junge bei uns, der Anfang 2016 die Diagnose Leukämie bekommen hatte. Das Krankheitsbild war zunächst unspezifisch: Er konnte beim Fußball nicht mehr so lange durchhalten und fühlte sich müde, hielt es selbst aber für eine verschleppte Erkältung, vielleicht eine Grippe. Aber Krebs? Sowas haben doch nur andere. Doch dann ging seine Mutter mit ihm zum Arzt. Dieser nahm Blut ab und untersuchte den Jungen. Nach ein paar Tagen kam die schockierende Diagnose: Blutkrebs. Sofort leitete die Mutter alles in die Wege, sodass ihr Sohn behandelt werden konnte. Die Bestrahlungen begannen.
In unserer Vorlesung fragten wir ihn, wie es ihm ging – mit der Diagnose, aber auch mit der Therapie. Er antwortete: „Ich habe nicht richtig verstanden, wie ernst es war. Ich wusste, dass ich eine schwere Krankheit habe, dachte aber nicht im Entferntesten daran, auch sterben zu können – das tun doch nur alte Menschen.“ Die Therapie schlauchte ihn, aber er wusste, dass sie notwendig war. Nach einigen Monaten erholte er sich bereits gut, verlor zwar seine Haare, aber die waren bei der Vorstellung bei uns an der Uni bereits prächtig nachgewachsen. Seine Prognose für die Zukunft ist gut, Angst habe er keine.
Menschen wie ihm bin ich sehr dankbar. Denn sie erinnern mich daran, wofür ich Medizin studiere. Und ich begreife, dass zu einer Krankheit immer ein Mensch gehört, der denkt und fühlt, der Sorgen und Ängste hat – und Hoffnung.

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