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Medizin studieren

Dem bloßen Auge verborgen - 1

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

11.04.2017

Der Patient klagt, dass es ihm im oberen rechten Bereich des Bauches schmerze. Der Arzt tastet ab, kann aber nichts Ungewöhnliches fühlen. Er hält das Stethoskop darauf, wieder nichts. Als er sein Skalpell zücken will, quiekt der Patient. Das muss doch einfacher gehen!
Klar, es geht deutlich einfacher und ohne, dass der Patient zu Schaden kommt, der Arzt aber dennoch eine ganze Menge sieht. Ständig werden im klinischen Alltag Hilfsmittel verwendet, um das zu sehen, was uns mit bloßem Auge verborgen bleibt. Mittels Ultraschall, Röntgen, Kernspintomographie oder Computertomographie schauen wir hinein. Erst das macht Diagnosen möglich. Dazu kommen natürlich noch Laborparameter durch Urin- und Blutproben. Doch in diesem Beitrag soll es zuerst um bildgebende Verfahren gehen, da wir diese in der Woche nach unseren letzten Klausuren in einem sehr intensiven Kurs behandelten.
Vier Tage lang von 8 bis 18 Uhr beschäftigten wir uns ausgiebig mit unseren Körpern und den Möglichkeiten, sie zu untersuchen. Im Modul „Anatomie am Lebenden“, in dem viel nackte Haut zu sehen war – da waren wir Jungs besonders gefragt –, lernten wir das gegenseitige Abhören von Geräuschen (auskultieren) und Abtasten (palpieren). Dazu malten wir uns bunt an, um beispielsweise die einzelnen Arterien und Venen der Hand und des Oberarmes darzustellen, die wir ertasten mussten. Wir zeichneten uns Lungenflügel auf die Brust, dazu in unmittelbarer Nähe das Herz und spielten auf unseren Bäuchen Tic Tac Toe, als es um die neun Regionen des Bauches ging – ich habe übrigens verloren. Außerdem hörten wir unsere Lungen an Brust und Rücken an zuvor eingezeichneten Punkten ab. Anschließend war das Herz an der Reihe mit seinen vier Klappen und der Darm mit seinen zufriedenen Geräuschen.
Weiterhin ging es um erste orthopädische Untersuchungsmethoden ohne Hilfsmittel, um zu klären, ob jemand eine schiefe Wirbelsäule, ein krummes Becken oder ungerade Schultern hat. Zu guter Letzt durften wir unsere Gesichter abtasten, um die Funktion unserer Hirnnerven auszutesten. Dafür wird beispielsweise ober- und unterhalb des Auges gedrückt, um den Nervus trigeminus zu reizen, der für die gesamte Sensibilität des Gesichtes zuständig ist. Auch haben wir die Augen auf Funktionstüchtigkeit geprüft, indem Lichtreize gesetzt werden oder aber einem Gegenstand mit dem Blick gefolgt werden muss. Stimmt in den Reflexen etwas nicht, können so recht einfach Diagnosen gestellt werden.
Grundlage geschaffen. Und nun? Nun wird es spannend!

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