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Medizin studieren

Die Vergangenheit in die Gegenwart holen

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

05.05.2017

Semesterferien eignen sich nicht nur dazu, Geld zu verdienen, Praktika zu machen oder zu entspannen. Sie können auch wunderbar dazu genutzt werden, vergangene Stationen und Weggefährten des eigenen Lebens zu besuchen. Ich habe mich zum Beispiel mit meiner Exfreundin getroffen. Es war spannend, die jeweiligen Veränderungen beieinander zu entdecken.
Wir saßen in ihrem Lieblingscafè. Es war locker, kaum angespannt. Wir unterhielten uns viel über ihre Ausbildung zur operationstechnischen Assistentin, die sie bald abschließen wird. Zudem erzählte sie, dass sie bald nach Oldenburg ziehe, um einen kürzeren Weg zur Arbeit zu haben. Langfristig will sie nach wie vor Medizin studieren. Und ich wünsche ihr, dass das in Erfüllung geht. Es ist interessant, wie sehr sie mich kennt und doch gar nicht mehr weiß, wer ich bin. Vier Jahre haben wir zusammen verbracht – da kennt man die Grundbausteine des anderen, aber vielleicht nicht die Türme, die neu hinzugekommen sind. Ich fühlte mich, als sei ich kurzzeitig in meine Teenagerzeit zurückversetzt – und verabschiedete mich dann vom alten Thilo.
Als Nächstes besuchte ich die Station, in der ich meinen Freiwilligendienst absolviert habe. Ich freute mich tierisch, alle wiederzusehen. Leider wird die Station in den kommenden Monaten geschlossen. Interessanterweise werden in Deutschland überall geriatrische Reha-Stationen wie diese eröffnet, weil alle von dem Konzept begeistert sind. Nun wird eine der Ersten geschlossen, weil sie nicht rentabel ist. Die Anzahl der Betten soll von 21 auf 33 erhöht werden – bei gleichem Personal – und aus „Geriatrie“ wird „Innere und Chirurgie“. Hier wird nochmal klar, wie hart der Beruf des Krankenpflegers ist, wenn solche Umstellungen und Umschulungen geleistet werden müssen.
Zuletzt schaute ich in dem ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst vorbei, bei dem ich eineinhalb Jahre lang ehrenamtlich trauernde Jugendliche begleitete. Auch hier war der Wandel immens zu spüren: Von den Menschen, mit denen ich vor Beginn meines Studiums gearbeitet hatte, ist so gut wie keiner mehr da, dafür aber die beiden hauptamtlichen Mitarbeiterinnen. Und es tat wahnsinnig gut, mit ihnen zu sprechen, sich selbst zu reflektieren und Anerkennung zu erfahren.
Was so eine kleine Reise in die eigene Vergangenheit bringt, ist die Erkenntnis, warum man der ist, der man ist, und welche Werte und Vorstellungen einem selbst mal wichtig waren und es nach wie vor sind.

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