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Medizin studieren

Spendensammeln auf Deutschlands Straßen - 1

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

11.05.2017

Diese Semesterferien wollte ich nutzen, um Geld zu verdienen und Neues zu erleben. Über eine gute Freundin bin ich auf ein Unternehmen gestoßen, das Fundraising für große Organisationen wie den World Wide Fund for Natur (WWF), Amnesty International und die Uno-Flüchtlingshilfe betreibt. Das Konzept besteht darin, durch ganz Deutschland zu reisen, um in den Fußgängerzonen Menschen von der guten Sache zu begeistern und zum Spenden zu bewegen. Was einfach klingt, bedarf einer Menge Vorbereitung, Schulungen, Kritikfähigkeit und Durchhaltevermögen. Ich habe vier Wochen am Stück gearbeitet, sechs Tage die Woche, über zehn Stunden am Tag. Vier Wochen, die mich geprägt haben, in denen ich neue Freundinnen und Freunde aus ganz Deutschland gefunden und viel über mich selbst gelernt habe.
Das Bewerbungsgespräch für diese Stelle fand praktischerweise über Skype statt. Mein Gegenüber stellte mir mehrere Aufgaben, beispielsweise mich in zwei Minuten möglichst präzise und begeistert vorzustellen oder ein Event zu bewerben und jemanden zum Mitmachen zu bewegen. Außerdem musste ich mich selbst einschätzen. Diese erste Hürde absolvierte ich erfolgreich, weshalb ich zur Schulung nach Berlin eingeladen wurde.
Bereits dort wurde klar, wie sehr man in diesem Job aus sich herauskommen muss. Wir wurden direkt ins kalte Wasser geschmissen und sollten auf dem Alexanderplatz einen Jutebeutel gegen andere, möglichst wertvollere Dinge eintauschen. Angelehnt ist diese Aufgabe an die Geschichte, in der ein junger Mann eine Büroklammer findet und sich nach einem Jahr des Tauschens bis zu einem eigenen Haus hochgearbeitet hat. Ich brachte es zwar nur auf zwei Payback-Karten von einem Obdachlosen, der dafür ein Feuerzeug von mir erhielt, aber konnte eine Menge wertvoller Erfahrungen sammeln.
Im Büro lernten wir einiges über Arbeitsweisen und Kommunikationsmodelle im Fundraising. Es geht darum, niemals mit Druck, sondern mit Begeisterung zu arbeiten, um jemandem schmackhaft zu machen, Teil einer großen Bewegung zu sein und zu helfen. Dabei muss erst die Aufmerksamkeit erreicht, danach das Interesse geweckt, ein Wunsch ausgelöst und eine Handlung ausgeführt werden.
Insgesamt wurden wir in zwei Tagen intensiv darauf vorbereitet, viele Menschen in kurzer Zeit kennenzulernen, uns präzise auszudrücken und Einwände zu behandeln. Dazu gab es eine kurze Einführung zu den Organisationen, für die wir durch Deutschland fahren würden. Mir wurde World Vision, das zweitgrößte Kinderhilfswerk der Welt, zugeteilt. Meine Odyssee begann – erster Halt: München.

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