interaktiv

Medizin studieren

Sich in Bildern verlieren

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

19.05.2017

Ich bekomme die Krise! Zwischen all den Röntgenbildern und Aufnahmen von Computertomografie und Sonografie komme ich mir klein und unwissend vor. In der Vorklinik stützt man sich noch auf die übersichtlichen anatomischen Abbildungen, die sich wunderbar auswendig lernen lassen. Bei den bildgebenden Verfahren stoße ich hingegen an meine Grenzen, denn diese bedürfen einer Interpretation – und die kann mitunter sehr unterschiedlich sein.

Beim Kurs zu diesen Verfahren am Ende des dritten Semesters hatte ich den Eindruck, dass ich viel gelernt habe und – überspitzt gesagt – direkt ins Krankenhaus könnte, um Diagnosen zu stellen. Jetzt, eine Woche vor der Klausur, wird mir doch bang. Außerdem weiß ich nicht, was und in welchem Umfang ich lernen soll. Bisher gab es ein optimales Lehrbuch für uns, sodass man sich die Inhalte nicht selbst zusammensuchen musste. Jetzt haben wir nur ein vages Skript, ein paar Altklausuren und eine App, die längst nicht alle benötigten Abbildungen enthält. Da freue ich mich glatt aufs Physikum, für das sowohl Lernpläne als auch Lernmaterialien bereits zusammengetragen wurden.

Mein Wissensstand zu den verschiedenen bildgebenden Verfahren ist geradezu erbärmlich. In den bisherigen Übungen hatte ich das Glück, dass immer die gleichen Abbildungen verwendet wurden. Genau darauf werde ich auch in der Klausur setzen – natürlich nicht, ohne noch einige Lücken aufzufüllen. Es ist kaum vorstellbar, wie schwer einem das räumliche Denken bei einem MRT fallen kann, wenn man nur zweidimensionale Schnitte sieht und dann gefragt wird, was zu sehen ist und was nicht. Ich habe ja schon Probleme, in einem Röntgenbild einen linken von einem rechten Unterarm zu unterscheiden und Arterien und Venen im Ultraschall auseinanderzuhalten.

Da hilft nur, was bisher auch stets Aufgabe war: Auswendig lernen. Auswendig lernen, auf Höhe welches Wirbelkörpers sich die Bauchaorta teilt. Auswendig lernen, an welcher Stelle die Schilddrüse ihre Engstelle hat. Auswendig lernen, welche Bedingungen bei einer Knochenszintigrafie, einem nuklearmedizinischen Verfahren zum Nachweis von Knochenmetastasen, und dem eingesetzten Marker gelten.

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