interaktiv

Medizin studieren

Ein Hauch von Zukunft

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

22.06.2017

Um die Beziehung zwischen Arzt und Patient, die zugeteilten Rollen, die Erwartungen sowie Wünsche beider Seiten geht es im Modul „Medizinische Soziologie und Psychologie“. Diesbezüglich werden uns Studierenden zwei Klinikbesuche angeboten und wir erfahren, inwiefern die gelernten Inhalte unsere Studiums Relevanz haben. Mit unseren Kitteln und einem Stethoskop ausgestattet, besuchten wir in der Dreifaltigkeitsklinik in Lippstadt die nephrologische Abteilung, die insbesondere für Dialysen und Nierenerkrankungen zuständig ist.
Nur stand im Fokus, sich der Perspektive des Patienten zu widmen. Dazu bekamen wir alle einen nierenkranken Patienten zugeteilt und sollten mit ihm oder ihr über den Verlauf der Krankheit, das eigene Wohlbefinden, die Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem und die Erwartungen daran sprechen. Das war überaus interessant und dient schlussendlich dazu, eine vierseitige Hausarbeit zu schreiben, in der Kritik und Wünsche im Zusammenhang mit dem Gesundheitssystem zur Diskussion gestellt werden sollen.
Mein Patient litt nicht an einer deutlichen Niereninsuffizienz, an Herzschwäche und Diabetes. Er berichtete, dass er bereits mehrfach von einzelnen Ärzten enttäuscht worden sei, die sich schlichtweg geirrt haben, aber sich ihm gegenüber nicht transparent verhielten. Dennoch war sein Vertrauen in die Medizin genauso stark und brach nicht ab, weil sein einziger Wunsch ist, dass man ihm helfe. Und das können eben nur Mediziner.
Das fand ich durchaus sehr beeindruckend, denn ich bin davon ausgegangen, dass man doch eher einzelne schlechte Erfahrungen verallgemeinert und danach generelles Misstrauen hegt. Er gab mir viele wertvolle Tipps mit auf den Weg, zum Beispiel, immer aufrichtig zu sein, Fehler einzugestehen und sie offen dem behandelten Menschen mitzuteilen. Außerdem ist das Einbinden des Patienten in den Therapieverlauf ein Zeichen des Respekts, genauso Transparenz und die Bereitschaft, beispielsweise Labordaten gemeinsam durchzugehen und nicht einfach nur zu behaupten, alles sei in Ordnung – obwohl das häufig gar nicht stimme.
Einen besonderen Punkt stellte er noch heraus, den ich als Diskussionsfrage in meine Hausarbeit aufnehmen werde: Wie werden erbrachte Leistungen abgerechnet und was tun Ärzte oder auch nicht, um möglichst viel Geld zu verdienen? Zum Schluss fragte ich noch, was er mir noch mit auf den Weg geben kann. Daraufhin überlegte er kurz und sagte dann, dass ich nichts falsch machen könne, solange ich menschlich sei und meine Patienten als Menschen begreife. Verstanden.

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